Kernaussagen
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Menschen mit Hornhautabschürfungen (Kratzer auf der transparenten, äußeren Schutzschicht des Auges) haben ein höheres Risiko für Augeninfektionen.
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Wir haben den zuvor veröffentlichten Review aktualisiert, konnten aber keine ausreichende Evidenz dafür finden, dass antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) oder zu einem anderen Antibiotikum nach einer Hornhautabschürfung einen Nutzen bei der Vorbeugung von Augeninfektionen haben oder zu einer schnelleren Heilung führen.
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Bei ähnlich vielen Menschen traten leichte unerwünschte Wirkungen durch Antibiotika auf, wie Reizungen oder allergische Reaktionen, unabhängig davon, welche Antibiotika sie erhielten.
Was ist eine Hornhautabschürfung?
Die Hornhaut ist die transparente, äußere Schutzschicht des Auges. Eine Hornhautabschürfung ist ein Kratzer auf der Hornhaut, der in der Regel durch mechanische Verletzungen, Fremdkörper im Auge, chemische Verätzungen oder Kontaktlinsen verursacht wird.
Wie wird eine Hornhautabschürfung behandelt?
Hornhautabschürfungen verursachen Schmerzen und Reizungen, weshalb die behandelnden Gesundheitsfachpersonen Schmerzmittel verschreiben, um die Beschwerden zu lindern. Manchmal werden auch Antibiotika verschrieben, um Augeninfektionen vorzubeugen.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben einer Augeninfektion infolge einer Hornhautabschürfung vorbeugen können. Wir suchten und analysierten alle relevanten Studien, um diese Frage zu beantworten. Wir wollten auch herausfinden, ob Antibiotika unerwünschte Wirkungen verursachen.
Wie gingen wir vor?
Wir durchsuchten die medizinische Literatur nach Studien, in denen Antibiotika zur Vorbeugung von Augeninfektionen nach einer Hornhautabschürfung untersucht wurden. Wir verglichen die Ergebnisse dieser Studien und fassten sie zusammen. Anschließend bewerteten wir die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren, wie Studienmethoden und Studiengröße.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden vier randomisierte kontrollierte Studien (Studien, bei denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugewiesen werden) mit insgesamt 998 Personen. Zwei Studien wurden in Großbritannien, eine in Dänemark und eine in Südkorea durchgeführt. Die meisten Teilnehmenden hatten Hornhautabschürfungen, die durch eine Verletzung oder durch die Entfernung eines Fremdkörpers aus dem Auge verursacht wurden. In den Studien wurden antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben entweder mit einem anderen Antibiotikum oder mit einem Placebo (Scheinbehandlung) verglichen. Alle Studien wurden vor mehr als zwei Jahrzehnten durchgeführt. Zwei Studien wurden von Pharmaunternehmen unterstützt.
Die Studien ergaben eine sehr unsichere Evidenz darüber, ob Antibiotika zur Vorbeugung von Augeninfektionen bei Menschen mit Hornhautabschürfungen beitragen. In einer Studie wurde festgestellt, dass Antibiotika die Zahl der Menschen, die an einer Augeninfektion erkrankten, geringfügig erhöht haben könnten. Die Evidenz war jedoch nicht ausreichend, um eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Innerhalb von 48 Stunden gab es nur einen kleinen oder keinen Unterschied in der Heilung zwischen Personen mit Antibiotika und Personen mit einem Placebo oder einer anderen Art von Antibiotika. In keiner der eingeschlossenen Studien wurde untersucht, ob es während des ersten Tages eine Schmerzlinderung um die Hälfte oder sogar stärker gab. Ebenfalls unberücksichtigt blieb, ob es zu einer Sehveränderung nach einem Monat, einer Veränderung des Schmerzniveaus innerhalb des ersten Tages oder zu Problemen infolge der Hornhautabschürfung während des Studienzeitraums kam.
Die unerwünschten Wirkungen der Behandlung, wie Reizungen oder allergische Reaktionen, waren im Allgemeinen mild und traten in allen Behandlungsgruppen bei einer vergleichbaren Anzahl von Personen auf. In einer Studie berichtete etwa ein Drittel der Teilnehmenden über Beschwerden oder Juckreiz, unabhängig von der Behandlung.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es nicht genügend Evidenz von hoher Qualität gibt, um die Verwendung topischer Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen oder zur Verbesserung der Heilung bei Menschen mit Hornhautabschürfungen zu unterstützen oder zu widerlegen.
Welche Bedeutung hat die Evidenz?
Da es keine zuverlässige Evidenz gibt, wissen wir nicht, ob Antibiotika Augeninfektionen bei Menschen mit Hornhautabschürfungen vorbeugen können oder ob ein bestimmtes Antibiotikum zu diesem Zweck besser geeignet ist.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 28. März 2025.
Universität Heidelberg, A. Zink freigegeben durch Cochrane Deutschland