Kernaussagen
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Wir fanden heraus, dass ein standardisiertes Vorgehen zur Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt (postpartale Blutung, PPH) wirksamer ist als die übliche Praxis mit bloßer visueller Schätzung des Blutverlusts. Dabei wurde die Blutung diagnostiziert, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt war, oder in einer speziellen Messfolie 300 bis 500 ml Blut aufgefangen wurden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie schneller Puls, niedriger Blutdruck, eine nicht ausreichend zusammengezogene Gebärmutter oder starker Blutfluss beobachtet wurden, oder 500 ml oder mehr Blut in dieser Messfolie gesammelt wurden. Wurde eine Blutung festgestellt, folgte sofort ein festgelegtes Behandlungspaket.
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Wenn beide Gruppen dasselbe Behandlungspaket erhielten, war die erweiterte Diagnose wirksamer. Diese stellte eine starke Blutung fest, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt war, oder 300 bis 500 ml Blut in einer Messfolie gesammelt wurden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie schneller Puls, niedriger Blutdruck oder eine Gebärmutter, die sich nicht ausreichend zusammengezogen hat, beobachtet wurden, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen wurden. Dieses Vorgehen war wirksamer als eine Diagnose, die nur auf klinischer Besorgnis oder 500 ml oder mehr gemessenem Blutverlust beruhte.
Was ist eine postpartale Blutung (PPH)?
PPH wird allgemein als Blutverlust von 500 ml oder mehr in den ersten 24 Stunden nach der Entbindung definiert.
Warum ist dieser Review wichtig?
Starke Blutungen nach der Geburt sind weltweit eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Mütter während oder kurz nach der Entbindung sterben. Um die Folgen einer starken Blutung nach der Geburt zu verringern, sind eine schnelle Erkennung und eine wirksame Behandlung entscheidend. Ziel unserer Analyse war es herauszufinden, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung am wirksamsten ist.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten wissen, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt am besten wirkt.
Wie gingen wir vor?
Wir haben relevante Studien ausgewertet, um herauszufinden, welche Kombination aus Diagnose und Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt am wirksamsten ist. Wir berücksichtigten Frauen mit einer vaginalen Geburt oder einem Kaiserschnitt – egal ob in einer Geburtsstation, im Krankenhaus oder zu Hause.
Es gibt verschiedene Methoden, um eine starke Blutung nach der Geburt festzustellen. Dazu gehören: die klinische Einschätzung durch die betreuende Fachperson, die visuelle Schätzung des Blutverlusts (das Blut wird angesehen und grob eingeschätzt), die Messung des Blutverlusts in einer speziellen Auffangfolie oder einem Tablett mit Markierungen, die das Volumen anzeigen (volumetrische Methode), die Messung des Blutverlusts in einer Auffangfolie zusammen mit Beobachtungen wie Herzfrequenz und Blutdruck, oder das Wiegen des verlorenen Blutes mithilfe einer Waage (gravimetrische Methode).
Zur Behandlung einer starken Blutung nach der Geburt gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Dazu gehören die „übliche Versorgung“ (also die normale Krankenhauspraxis) und sogenannte Behandlungsbündel. Behandlungsbündel bestehen aus mehreren Maßnahmen, die gleichzeitig begonnen werden. Ein Beispiel ist das MOTIVE-Bündel: (M- Massage der Gebärmutter, um ihr das Zusammenziehen zu erleichtern, O- Gabe von wehenfördernden Medikamenten wie Oxytocin, T- Gabe von Tranexamsäure (ein Medikament, das die Blutung verringern kann), IV- Flüssigkeit über eine Infusion, um den Kreislauf zu stabilisieren, E- Untersuchung und rasche weitere Maßnahmen, wenn die Blutung anhält.
Was haben wir herausgefunden?
Wir fanden fünf Studien mit 236.771 Frauen.
Wir sind zuversichtlich, dass folgendes Vorgehen wirksamer ist als die visuelle Schätzung des Blutverlusts mit anschließender üblicher Versorgung: Eine starke Blutung wird festgestellt, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist, oder 300 bis 500 ml Blut in einer Messfolie gesammelt werden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie ein schneller Puls, niedriger Blutdruck oder eine Gebärmutter, die sich nicht ausreichend zusammengezogen hat, auftreten, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden, und danach sofort das MOTIVE-Behandlungspaket angewendet wird. Dieses Vorgehen verringert Blutungen von 500 ml oder mehr sowie von 1000 ml oder mehr. Es macht jedoch wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied bei der Notwendigkeit von Bluttransfusionen, zusätzlichen Medikamenten oder beim Sterberisiko der Mütter.
Wir sind zuversichtlich, dass folgendes Vorgehen wirksamer ist als die visuelle Schätzung des Blutverlusts mit anschließender üblicher Behandlung: Eine starke Blutung wird festgestellt, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden, und anschließend sofort das MOTIVE-Behandlungspaket angewendet wird. Dieses Vorgehen verringert Blutungen von 500 ml oder mehr. Wahrscheinlich macht es jedoch wenig oder keinen Unterschied bei sehr starken Blutungen von 1000 ml oder mehr oder bei der Notwendigkeit einer Bluttransfusion. Möglicherweise macht es auch wenig oder keinen Unterschied beim Sterberisiko der Mütter. Wir sind sicher, dass dieses Vorgehen dazu führt, dass häufiger zusätzliche Medikamente eingesetzt werden.
Wir sind zuversichtlich, dass die erweiterte Diagnose wirksamer ist als die einfachere Diagnose, wenn beide Gruppen das gleiche MOTIVE-Behandlungspaket erhalten. Die erweiterte Diagnose stellt eine starke Blutung fest, wenn die betreuende Fachperson klinisch besorgt ist, oder 300 bis 500 ml Blut gemessen werden und gleichzeitig auffällige Zeichen wie ein schneller Puls oder niedriger Blutdruck auftreten, oder 500 ml oder mehr Blut gemessen werden. Die einfachere Diagnose beruht nur auf klinischer Besorgnis oder 500 ml oder mehr gemessenem Blutverlust. Die Notwendigkeit einer Bluttransfusion und das Risiko, dass die Mutter stirbt, werden dadurch wahrscheinlich nicht oder nur geringfügig verringert.
Die Diagnose mithilfe eines Auffangsystems zur Blutmessung plus übliche Versorgung (in einem europäischen Gesundheitssystem) macht im Vergleich zur visuellen Schätzung des Blutverlusts plus übliche Versorgung (ebenfalls in Europa) wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied beim Bedarf an Bluttransfusionen.
Wir sind zuversichtlich, dass die Diagnose mit der gravimetrischen Methode (dabei wird der Blutverlust gewogen) in Kombination mit der üblichen Versorgung wirksamer ist als die Diagnose mit einem Auffangsystem zur Blutmessung plus übliche Versorgung, wenn es darum geht, Blutungen von 500 ml oder mehr zu verringern. Möglicherweise macht dieses Vorgehen jedoch wenig oder keinen Unterschied beim Bedarf an Bluttransfusionen.
Die Diagnose mithilfe einer Messschale plus übliche Versorgung macht im Vergleich zur Diagnose mit einem Auffangsystem zur Blutmessung plus übliche Versorgung möglicherweise wenig oder keinen Unterschied bei Blutungen von 500 ml oder mehr oder von 1000 ml oder mehr.
Die Diagnose mit der gravimetrischen Methode (dabei wird der Blutverlust gewogen) plus übliche Versorgung macht im Vergleich zur Diagnose mit einem Mess-Tablett plus übliche Versorgung möglicherweise wenig oder keinen Unterschied bei Blutungen von 500 ml oder mehr.
Was schränkt die Evidenz ein?
Alle unsere Studien betrafen Frauen, die normal gebären, und die meisten fanden in Krankenhäusern statt. Wir hätten gerne mehr Informationen über Frauen, die per Kaiserschnitt und in anderen Situationen wie Hausgeburten gebären. Wir würden auch gerne mehr Informationen über unerwünschte Wirkungen und die Erfahrungen der Frauen mit der Behandlung erhalten.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 18. Oktober 2024.
F. Aschoff, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.