Direkt zum Inhalt

Hilft elektrische Muskelstimulation nach einem Schlaganfall, die Muskelkraft und die Ausführung alltäglicher Aktivitäten zu verbessern?

Auch verfügbar in

Kernaussagen

  • Elektrische Muskelstimulation verbessert die Muskelkraft bei Menschen mit Muskelschwäche nach einem Schlaganfall.

  • Wenn Betroffene bereits wieder in der Lage sind, eine Alltagsaktivität auszuführen, ist der zusätzliche Nutzen einer elektrischen Stimulation während dieser Aktivitäten gering.

  • Es gibt zu wenig verlässliche Studien, um zu sagen, ob elektrische Muskelstimulation bei Schwäche besser oder schlechter wirkt als andere Kräftigungstherapien.

Was ist elektrische Muskelstimulation?

Bei der elektrischen Muskelstimulation werden Elektroden auf die Haut geklebt. Sie sind mit einem kleinen Gerät verbunden, das schwache elektrische Impulse an den Muskel sendet und so eine Muskelkontraktion auslöst.

Wie wird die elektrische Muskelstimulation nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Die elektrische Muskelstimulationn kann nach einem Schlaganfall auf zwei Arten eingesetzt werden. Die zyklische elektrische Muskelstimulation (CES) kann bei Schwäche eingesetzt werden, um die Muskelkraft zu verbessern. Die funktionelle elektrische Muskelstimulation (FES) stimuliert während der Ausführung einer Alltagsbewegung einen oder mehrere Muskeln, um die Ausführung dieser Tätigkeit zu verbessern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten, ob die zyklische elektrische Stimulation (CES) wirksamer ist als keine Behandlung oder eine andere Kräftigungstherapie, um die Muskelkraft zu steigern, und ob die funktionelle elektrische Stimulation (FES) wirksamer ist als keine Behandlung oder das Ausführen derselben Tätigkeit ohne Stimulation, um die Leistungsfähigkeit bei dieser Tätigkeit zu verbessern. Wir untersuchten außerdem, wie sich elektrische Muskelstimulation auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Lebensqualität auswirkt und ob sie mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen von CES oder FES bei Erwachsenen nach einem Schlaganfall untersuchten. Anschließend verglichen und fassten wir die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 89 Studien mit insgesamt 2.905 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Vierunddreißig Studien mit 1.176 Teilnehmenden befassten sich mit CES, 55 Studien mit 1.729 Teilnehmenden mit FES.

  • In 23 Studien verbesserte CES die Muskelkraft im Vergleich zu keiner Behandlung in moderatem Ausmaß. Zwanzig dieser Studien zeigten auch eine Verbesserung der Leistung bei alltäglichen Aktivitäten, wie Greifen oder Gehen.

  • Nur eine Studie verglich CES mit einer anderen Kräftigungstherapie. Die Ergebnisse waren unklar.

  • Wahrscheinlich verbessert FES unmittelbar nach der Intervention die untersuchte Aktivität in moderatem Ausmaß (12 Studien).

  • In 35 Studien zeigte die FES nur eine geringe zusätzliche Verbesserung im Vergleich zur Ausübung der gleichen Tätigkeit ohne Stimulation.

  • In vielen Studien wurde nicht berichtet, ob unerwünschte Wirkungen der elektrischen Muskelstimulation auftraten. Die Studien, die darüber berichteten, meldeten nur wenige unerwünschte Wirkungen, keine davon war schwerwiegend.

  • Nur sehr wenige Studien untersuchten, ob die elektrische Stimulation die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder die Lebensqualität verbessert. Daher können wir nicht sagen, ob sie Auswirkungen auf diese Endpunkte hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind moderat bis sicher überzeugt, dass CES im Vergleich zu keiner Behandlung wirksam ist und dass auch FES im Vergleich zu keiner Behandlung wirksam ist. Wird jedoch dieselbe Tätigkeit ohne Stimulation geübt, bringt FES nur einen sehr geringen zusätzlichen Nutzen. In den Fällen mit nur moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz lag dies an der geringen Zahl der Studienteilnehmenden.

Wir sind nur moderat sicher, dass CES und FES nicht mit unerwünschten Wirkungen verbunden sind, da nur wenige Studien hierzu Angaben machten.

Aufgrund der geringen Anzahl an Studien für diesen Vergleich ist unser Vertrauen in die Evidenz zu CES im Vergleich zu einer anderen Form der Kräftigungstherapie sehr gering. Auch für die Wirkungen der elektrischen Muskelstimulation auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Lebensqualität ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz sehr gering, da diese Endpunkte nur selten untersucht wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2024.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Scrivener K, Ada L, Glinsky JV, Dorsch S, Jamieson S, Brighton-Hall SM, McCredie L, Hanekom A, Lannin NA. Electrical stimulation of the motor system after stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 12. Art. No.: CD015338. DOI: 10.1002/14651858.CD015338.pub2.

So verwenden wir Cookies

Wir verwenden notwendige Cookies, damit unsere Webseite funktioniert. Wir möchten auch optionale Cookies für Google Analytics setzen, um unsere Webseite zu verbessern. Solche optionalen Cookies setzen wir nur, wenn Sie dies zulassen. Wenn Sie dieses Programm aufrufen, wird ein Cookie auf Ihrem Gerät platziert, um Ihre Präferenzen zu speichern. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern, indem Sie auf den Link "Cookie-Einstellungen" am Ende jeder Seite klicken.
Auf unserer Seite zu Cookies finden Sie weitere Informationen, wie diese Cookies funktionieren die Seite mit den Cookies.

Alle akzeptieren
Anpassen