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Können Antibiotika Schmerzen im unteren Rücken oder ins Bein ausstrahlende Schmerzen lindern?

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Kernaussagen

  • Im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) können Antibiotika bei Menschen mit Schmerzen im unteren Rückenbereich, die mit geschädigten Wirbelendplatten (der Schicht zwischen Bandscheibe und Wirbel) und Rissen der Bandscheiben zusammenhängen, die Schmerzen möglicherweise leicht lindern und die Beeinträchtigung kurzfristig (nach 12 bis 14 Wochen) möglicherweise verringern. Es ist unklar, ob Antibiotika im Vergleich zu Placebo das Risiko für unerwünschte Ereignisse und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse erhöhen.

  • Wir brauchen mehr qualitativ hochwertige Langzeitstudien, um den potenziellen Nutzen zu bestätigen und Risiken besser beurteilen zu können. Künftige Studien sollten verschiedene Antibiotika, andere Verabreichungsformen (zum Beispiel Injektionen) und Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Regionen der Welt untersuchen, um auch mögliche Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen zu berücksichtigen.

Was sind Schmerzen im unteren Rückenbereich und radikuläre Schmerzen?

Schmerzen im unteren Rücken bezeichnen Schmerzen oder Beschwerden im Bereich zwischen dem unteren Rand der Rippen und der Gesäßfalte. Lumbale radikuläre Schmerzen, auch Ischias oder Radikulopathie genannt, sind Schmerzen, die vom unteren Rücken ins Bein ausstrahlen. Die häufigste Ursache radikulärer Schmerzen ist eine Reizung einer Nervenwurzel in der Lendenwirbelsäule (dem unteren Abschnitt der Wirbelsäule mit fünf Wirbeln). Schmerzen im unteren Rückenbereich und radikuläre Schmerzen können die Fähigkeit der Betroffenen, zu arbeiten, ihren Hobbys nachzugehen und selbstbestimmt zu leben, erheblich einschränken.

Wie werden Schmerzen im unteren Rückenbereich und radikuläre Schmerzen behandelt?
Es gibt zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten für Schmerzen im unteren Rückenbereich und radikuläre Schmerzen, darunter Aufklärung, Selbsthilfe, Schmerzmittel und Physiotherapie. Einige Studien deuten darauf hin, dass Schmerzen im unteren Rückenbereich und radikuläre Schmerzen auf eine Infektion der Bandscheibe mit dem Bakterium Cutibacterium acnes ( C. acnes ) zurückzuführen sind. Dieses Bakterium kommt häufig auf der menschlichen Haut vor und ist vor allem dafür bekannt, an der Entstehung von Akne beteiligt zu sein. Deshalb vertreten einige Expert*innen die Auffassung, dass eine Antibiotikabehandlung gegen C. acnes (z. B. mit Penicillin) Rückenschmerzen, radikuläre Schmerzen oder beides lindern könnte.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Antibiotika bei Menschen mit Schmerzen im unteren Rückenbereich, radikulären Schmerzen oder beidem besser helfen als ein Placebo (Scheinbehandlung) oder andere Behandlungen, um Schmerzen und rückenspezifische Einschränkungen zu verringern, und ob sie unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Antibiotika im Vergleich zu Placebo bei Menschen mit Schmerzen im unteren Rückenbereich und/oder radikulären Schmerzen untersucht wurden. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz – zum Beispiel danach, wie gut die Studien geplant und durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilgenommen haben.

Was fanden wir heraus?

Wir haben drei Studien mit 402 Personen (überwiegend Frauen) eingeschlossen; das Durchschnittsalter lag zwischen 45 und 51 Jahren. Die Studien wurden in Dänemark, Belgien und Norwegen durchgeführt.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo können Antibiotika bei Menschen mit Rückenschmerzen, die mit einem Bandscheibenvorfall und einer Schädigung der Wirbelendplatte (der Schicht zwischen Bandscheibe und Wirbel) zusammenhängen, die Schmerzen im unteren Rückenbereich nach 12 bis 14 Wochen möglicherweise leicht lindern. In zwei Studien wurde dieser Endpunkt bei 255 Teilnehmenden gemessen. Im Durchschnitt bewerteten die Patient*innen, die Antibiotika erhielten, ihre Schmerzen mit 50,6 von 100 Punkten, während diejenigen, die ein Placebo erhielten, ihre Schmerzen mit 59 von 100 Punkten bewerteten.

Im Vergleich zu Placebo können Antibiotika bei Menschen mit Rückenschmerzen, die mit einem Bandscheibenvorfall und einer Schädigung der Wirbelendplatte (der Schicht zwischen Bandscheibe und Wirbel) zusammenhängen, die durch die Rückenschmerzen bedingten Funktionsbeeinträchtigungen möglicherweise leicht bis moderat verbessern (2 Studien, 255 Teilnehmende). Im Durchschnitt bewerteten Personen, die Antibiotika erhielten, ihre durch Rückenschmerzen bedingte Beeinträchtigung mit 45,2 von 100 Punkten, verglichen mit 55,7 von 100 Punkten bei denjenigen, die ein Placebo erhielten (2 Studien, 255 Teilnehmende).

Es ist unklar, ob bei Personen, die Antibiotika einnehmen, häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten als bei Personen, die ein Placebo erhalten (2 Studien, 262 Teilnehmende). In den Studien berichteten 76 von 100 Personen unter Antibiotika über unerwünschte Wirkungen, verglichen mit 49 von 100 Personen unter Placebo. In dieses Ergebnis haben wir jedoch nur sehr geringes Vertrauen.

Es ist nicht bekannt, ob bei Personen, die Antibiotika einnehmen, schwerwiegende unerwünschte Wirkungen häufiger auftreten als bei denen, die ein Placebo erhalten (2 Studien, 262 Teilnehmende). In den Studien berichteten drei von 100 Personen unter Antibiotika über schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, verglichen mit zwei von 100 Personen unter Placebo. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher.

Zu den unter Antibiotika berichteten unerwünschten Wirkungen zählten Bauchschmerzen, Durchfall, vermehrte Blähungen oder Aufstoßen, Hautausschlag und Pilzinfektionen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zu den Wirkungen von Antibiotika auf Schmerzen im unteren Rücken und rückenspezifische Funktionsbeeinträchtigungen ist gering. Die Evidenz zu unerwünschten Wirkungen und schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen ist noch unsicherer. Die Hauptprobleme waren, dass sich die Ergebnisse deutlich voneinander unterschieden und in den Studien jeweils nur ein bestimmtes Antibiotikum bei Menschen aus einer einzigen Region (Skandinavien) untersucht wurde.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz entspricht dem Stand vom 26. August 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Liu C, Abdel Shaheed C, Braten LC, Hancock MJ, Underwood M, Jarvik JG, Elliott J, Maher CG, Zhao S, Lyu M, Johnston RV, Buchbinder R, Lin CWC. Antibiotic treatment for low back pain, radicular pain, or both. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 4. Art. No.: CD014221. DOI: 10.1002/14651858.CD014221.pub2.

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