Kernaussagen
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Bei Menschen mit leichten Gedächtnis- und Denkproblemen (leichte kognitive Beeinträchtigungen) oder früher Alzheimer-Demenz bewirken im Labor hergestellte monoklonale Antikörper, die bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn (Amyloid-Beta-Eiweißablagerungen) gezielt angreifen, im Vergleich zu Placebo 18 Monate nach Behandlungsbeginn wahrscheinlich nur minimale oder gar keine Verbesserung.
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Anti-Amyloid-Antikörper verursachen wahrscheinlich häufiger Hirnschwellungen und kleine, im MRT sichtbare Blutungen im Gehirn als ein Placebo. Im Vergleich zu Placebo führen sie nicht zu einer Zunahme anderer schwerwiegender unerwünschter Wirkungen oder von Todesfällen.
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Eine erfolgreiche Entfernung von Alzheimer-typischen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn scheint bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Alzheimer-Demenz nicht mit klinisch bedeutsamen Verbesserungen einherzugehen. Zukünftige Forschungen zu krankheitsmodifizierenden Therapien für die Alzheimer-Krankheit sollten sich auf andere Behandlungsansätze konzentrieren.
Was ist die Alzheimer-Krankheit?
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für eine Demenz. Bei der Alzheimer-Krankheit spielen Eiweißablagerungen im Gehirn (Amyloid-Beta-Eiweißablagerungen) vermutlich eine wichtige Rolle im Krankheitsprozess. Bei der Alzheimer-Krankheit lassen das Gedächtnis und die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen immer mehr nach. Die Symptome sind anfangs meist leicht ausgeprägt und beeinträchtigen den Alltag noch nicht. Dies wird als „leichte kognitive Beeinträchtigung“ bezeichnet. Mit der Zeit kann sich daraus eine leichte Demenz entwickeln, bei der die Gedächtnis- und Denkstörungen so stark sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Etwa 15 % der Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung entwickeln innerhalb von zwei Jahren eine Alzheimer-Demenz. Es ist die häufigste Form der Demenz bei älteren Menschen.
Was sind Anti-Amyloid-Antikörper?
Antikörper werden natürlicherweise vom Körper zur Abwehr von Krankheiten gebildet. Sie können auch im Labor hergestellt werden, um sie als Medikamente einzusetzen. Anti-Amyloid-Antikörper sollen die Amyloid-Proteine, die sich bei Alzheimer im Gehirn zu Plaques ablagern, gezielt erkennen und entfernen. Sie sind „monoklonal“, da sie ausschließlich auf Amyloid-Eiweiß abzielen. Man hoffte, durch die Entfernung von Amyloid-Eiweiß aus dem Gehirn das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen zu können.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob monoklonale Anti-Amyloid-Antikörper ein wirksames Medikament für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz sind. Wir haben untersucht, ob sie Folgendes beeinflussen können:
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den Rückgang der Gedächtnis- und Denkfähigkeit;
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die nachlassende Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten zu bewältigen; und
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die Verschlimmerung der Demenzsymptome.
Wir wollten auch wissen, ob sie irgendwelche unerwünschten Wirkungen haben.
Wie sind wir vorgegangen?
Wir suchten nach Studien, in denen ein oder mehrere monoklonale Anti-Amyloid-Antikörper zur Behandlung von Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz im Vergleich zu einem Placebo (Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) untersucht wurden.
Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet, wobei wir Aspekte wie die Größe der Studien und die angewandten Methoden berücksichtigt haben.
Was fanden wir heraus?
Wir haben 17 Studien gefunden, die in verschiedenen Ländern durchgeführt wurden und an denen 20.342 Personen teilnahmen. Das Durchschnittsalter lag in den Studien zwischen 70 und 74 Jahren. Alle eingeschlossenen Studien wurden von den Herstellern der untersuchten monoklonalen Anti-Amyloid-Antikörper finanziert.
Hauptergebnisse
Monoklonale Anti-Amyloid-Antikörper nach 18 Monaten Behandlung:
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haben möglicherweise nur einen minimalen oder gar keinen Einfluss auf die Ausprägung der Demenzsymptome (9 Studien, 8053 Personen);
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haben wahrscheinlich nur einen minimalen oder gar keinen Einfluss auf den Rückgang der Gedächtnis- und Denkfähigkeit (13 Studien, 9895 Personen) oder auf die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten zu bewältigen (3 Studien, 3478 Personen);
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führen möglicherweise zu leichten Verbesserungen bei komplexeren Alltagsaufgaben, zum Beispiel beim Einkaufen, beim Regeln von Finanzangelegenheiten, bei der Einnahme von Medikamenten und bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (1 Studie, 1252 Personen);
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führen wahrscheinlich zu einem Anstieg der Häufigkeit von Hirnschwellungen. Von 1000 Personen, die monoklonale Antikörper erhielten, entwickelten 119 eine Hirnschwellung, verglichen mit nur 12 von 1000 Personen, die ein Placebo erhielten (11 Studien, 13.595 Personen);
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führen möglicherweise zu einer leichten Zunahme von Mikroblutungen im Gehirn (3 Studien, 4308 Personen);
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führen nicht zu einer Zunahme anderer schwerwiegender unerwünschter Wirkungen (9 Studien, 11.904 Personen); und
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führen nicht zu einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit (7 Studien, 9733 Personen).
Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist aus zwei Gründen begrenzt. Erstens hatten die Patient*innen, die monoklonale Antikörper erhielten, mehr Hirnschwellungen und Mikroblutungen als die Patient*innen, die ein Placebo erhielten. In den meisten Studien wurde nicht zwischen Personen mit Symptomen einer Hirnschwellung und Mikroblutungen unterschieden und solchen, bei denen dies nur mit bildgebenden Verfahren (MRT) beobachtet wurde (ohne Symptome). Diese Lücke in der Berichterstattung bedeutet, dass Patient*innen nicht über die Informationen verfügen, die sie benötigen, um die mögliche Schwere unerwünschter Wirkungen zu verstehen. Zweitens beruhen die Ergebnisse auf Studien mit nur relativ kurzer Laufzeit. Diese Einschränkungen der Evidenz sind für Menschen mit Alzheimer-Krankheit bedeutsam, weil sie verlässliche Informationen über die langfristigen Vorteile und unerwünschten Wirkungen der Medikamente brauchen.
Wir haben sechs laufende Studien gefunden. Die Schlussfolgerungen des Reviews könnten sich ändern, sobald neue Ergebnisse vorliegen.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 7. August 2025.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.