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Können Vitamin D-Präparate bei Kindern bis einschließlich fünf Jahren Arzt- oder Krankenhausbesuche wegen akuter Atemwegsinfektionen verringern?

Kernaussagen

  • Vitamin-D-Präparate verringern im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) möglicherweise geringfügig die Zahl der Kleinkinder, die wegen einer plötzlich auftretenden Infektion der Atemwege und der Lunge (akute Atemwegsinfektionen) ärztlich behandelt oder ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Sie haben wahrscheinlich keinen Einfluss darauf, wie häufig solche Arzt- oder Krankenhausbesuche insgesamt pro Kind vorkommen. Höhere Vitamin-D-Dosen führen im Vergleich zu niedrigeren Dosen wahrscheinlich nicht dazu, dass weniger Kinder wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztlich behandelt oder ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Auch die durchschnittliche Zahl solcher Besuche pro Kind wurde dadurch nicht verringert (hierzu lagen allerdings nur Daten aus einer Studie vor).

  • Vitamin-D-Präparate scheinen sicher zu sein. Sie erhöhen das Risiko für einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut wahrscheinlich nicht oder kaum.

  • Um sicher zu wissen, ob Vitamin D akuten Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern vorbeugt, braucht es weitere hochwertige Studien mit einem Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung).

Was sind akute Atemwegsinfektionen?

Akute Atemwegsinfektionen sind Infektionen, die plötzlich beginnen und Nase, Ohren, Rachen, Atemwege oder Lunge betreffen können. Bei Kindern unter fünf Jahren gehören sie weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Krankheit und Tod. Akute Atemwegsinfektionen werden durch Viren oder Bakterien verursacht und sind bei Kindern dieser Altersgruppe ein häufiger Grund für Arzt- oder Krankenhausbesuche. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber und Atembeschwerden. Bei Kindern unter fünf Jahren können zusätzlich schnelle Atmung, pfeifende Atemgeräusche, Trink- oder Essprobleme, Erbrechen sowie ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Reizbarkeit auftreten.

Was ist Vitamin D und warum ist es wichtig?

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das vor allem für seine Rolle bei der Knochengesundheit bekannt ist. Es trägt außerdem zur Entwicklung eines gesunden Immunsystems bei, also der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen. Der Körper bildet Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht. Zusätzlich wird es über wenige Lebensmittel, angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen. Viele schwangere Frauen und Kleinkinder weltweit bekommen zu wenig Vitamin D, zum Beispiel wegen zu wenig Sonnenlicht, ihrer Ernährung oder anderer Faktoren. Das könnte das Risiko für akute Atemwegsinfektionen bei Kindern erhöhen.

Was wollten wir herausfinden?

Ziel dieser Übersichtsarbeit war es herauszufinden, ob Vitamin D während der Schwangerschaft oder in der frühen Kindheit Folgendes verringert:

  • die Zahl der Kleinkinder, die wegen einer akuten Atemwegserkrankung einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen müssen;

  • die Häufigkeit, mit der jedes Kind wegen akuter Atemwegsinfektionen einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen muss;

  • Außerdem wollten wir herausfinden, ob Vitamin D Schäden verursacht, indem es den Kalziumspiegel im Blut bei Schwangeren oder Kindern zu stark erhöht.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, die entweder Folgendes verglichen haben:

  • die Gabe von Vitamin D im Vergleich zu einem Placebo (einer Scheinbehandlung); oder

  • die Einnahme einer höheren Dosis Vitamin D im Vergleich zu einer niedrigeren Dosis.

Wir haben die Ergebnisse verglichen und zusammengefasst und anhand der Qualität der Studienmethoden bewertet, wie sicher wir uns hinsichtlich der Evidenz sein können.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 107 Studien mit insgesamt 31.521 schwangeren Frauen und Kindern gefunden. Vitamin D wurde während der Schwangerschaft, in der frühen Kindheit oder in beiden Phasen verabreicht. Menge und Zeitpunkt der Vitamin-D-Gabe waren unterschiedlich. Es wurde meist täglich verabreicht, manchmal jedoch auch seltener, unter anderem in Form von hohen Einzeldosen. Die Studien wurden in vielen verschiedenen Ländern durchgeführt. Die Studiendauer reichte pro Teilnehmerin bzw. pro Kind von einem Tag bis zu 18 Monaten. Die Studien wurden in Krankenhäusern, Kindertagesstätten, Gemeinden oder Privathaushalten durchgeführt.

Im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) verringert eine Vitamin-D-Supplementierung möglicherweise geringfügig die Zahl der Kinder, die wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztlich behandelt werden müssen. Vitamin D verringert wahrscheinlich nicht, wie oft ein Kind im Durchschnitt wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss.

Im Vergleich zu niedrigeren Dosen verringern höhere Vitamin-D-Dosen wahrscheinlich weder die Zahl der Kinder, die wegen einer akuten Atemwegsinfektion ärztliche Hilfe benötigen, noch die durchschnittliche Häufigkeit solcher Besuche pro Kind.

Vitamin-D-Präparate scheinen sicher zu sein. Erhöhte Kalziumwerte im Blut traten selten auf. Eine Vitamin-D-Supplementierung hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko, bei Schwangeren und Kleinkindern solche erhöhten Werte zu entwickeln.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig, dass Vitamin D die Zahl der Arzt- oder Krankenhausbesuche wegen akuter Atemwegsinfektionen senkt. Die Ergebnisse waren von Studie zu Studie unterschiedlich: Einige weisen auf einen kleinen Nutzen hin, andere zeigen keine klare Wirkung.

Viele Studien waren klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Außerdem erschwerten Unterschiede bei der Vitamin-D-Dosierung und bei der Erfassung akuter Atemwegsinfektionen, die Ergebnisse der Studien zusammenzufassen und zu interpretieren.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 18. März 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
van Arragon M, Grant CC, Scragg RKR, Jordan VMB. Vitamin D for preventing acute respiratory infections in children up to five years of age. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 4. Art. No.: CD015111. DOI: 10.1002/14651858.CD015111.pub2.

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