Kernaussagen
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Aufgrund fehlender robuster Evidenz konnten wir die Vorteile und die unerwünschten Auswirkungen von Krankenhausnetzwerken (organisierten Traumasystemen) oder einzelnen Krankenhäusern (ausgewiesenen Traumazentren), die auf die Versorgung von Menschen mit traumatischen Verletzungen spezialisiert sind, nicht bestimmen.
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Diese Ergebnisse zeigen, dass zukünftige Studien besser geplant und wichtige Endpunkte klarer berichtet werden sollten. Dazu gehören Todesfälle und Überleben, unerwünschte Auswirkungen, die Inanspruchnahme und der Zugang zur Traumaversorgung, die Qualität der Versorgung sowie die Frage, ob alle Betroffenen versorgt werden und über verfügbare Angebote informiert sind.
Was sind organisierte Traumasysteme, ausgewiesene Traumazentren und Regelversorgung?
Ein organisiertes Traumasystem ist ein gesamtes Versorgungssystem, das darauf ausgelegt ist, verletzte Menschen zu versorgen (zum Beispiel nach Verkehrsunfällen, Gewalteinwirkungen oder Verbrennungen). Es umfasst die Notfall- und Erstversorgung am Unfallort, den Transport zum Krankenhaus, die Entscheidung, in welches Krankenhaus Patient*innen gebracht werden, und die Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt. Traumasysteme beinhalten auch Kostenerstattung, internationale Ausbildung, Forschung und Verletzungsprävention. Ausgewiesene Traumazentren sind Krankenhäuser, die sich auf die Behandlung von Menschen mit traumatischen Verletzungen spezialisiert haben. Sie sind Teil eines Traumasystemnetzwerks in einer bestimmten Region.
Es wurde berichtet, dass Traumasysteme und Traumazentren einen kosteneffektiven Ansatz zur Behandlung von Menschen mit traumatischen Verletzungen in Ländern mit einem hohen Lebensstandard bieten. Die Bewertung ihrer Wirksamkeit durch gut geplante Studien ist besonders wichtig, da dies ihren Einsatz in Regionen mit eingeschränkten Ressourcen unterstützen könnte, in denen die Verletzungslast am höchsten ist.
Die Regelversorgung bezieht sich auf allgemeine Krankenhäuser und Gesundheitssysteme, die nicht speziell auf die Behandlung von Menschen mit traumatischen Verletzungen ausgerichtet sind. In Regionen oder geografischen Gebieten, in denen es keine Traumasysteme gibt, ist die Regelversorgung typischerweise der Standardansatz.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob organisierte Traumasysteme und ausgewiesene Traumazentren:
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besser als die Regelversorgung sind, um Todesfälle zu vermeiden und die Genesung zu verbessern;
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mit unerwünschten Auswirkungen verbunden sind.
Wir wollten insbesondere herausfinden, welche Auswirkungen sie auf Folgendes haben:
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gesundheitsbezogene unerwünschte Auswirkungen
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Inanspruchnahme von und Zugang zu Gesundheitsversorgung
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die Qualität der erbrachten Versorgung
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ob alle Menschen, die Versorgung benötigen, diese auch erhalten, und
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ob Menschen wissen, welche Versorgung verfügbar ist.
Was haben wir gemacht?
Wir suchten nach Studien, die die Auswirkungen von organisierten Traumasystemen und ausgewiesenen Traumazentren im Vergleich zur Regelversorgung untersuchten. Wir interessierten uns für Todesfälle, unerwünschte Auswirkungen, die Inanspruchnahme von oder den Zugang zu Traumaversorgung, die Qualität der erbrachten Versorgung, die Versorgung aller Menschen, die sie benötigen, und die Information über verfügbare Versorgung.
Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden sowie der Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden vier Studien mit 157.111 Personen, die die Wirksamkeit von organisierten Traumasystemen oder ausgewiesenen Traumazentren bewerteten. Allerdings wurde keine dieser Studien in Ländern mit eingeschränkten Ressourcen durchgeführt.
Wir haben sehr wenig Vertrauen in die Evidenz, weil:
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es zu wenige Studien gibt, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen;
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die Evidenz nicht alle für uns wichtigen Aspekte abdeckte;
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einige Studien keine Daten zu den für uns interessanten Endpunkten berichteten;
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sich die Studien hinsichtlich der untersuchten Bevölkerungsgruppen und der Versorgungsansätze unterschieden.
Welche Einschränkungen weist die Evidenz auf?
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist sehr niedrig, und die Ergebnisse weiterer Forschung könnten sich von den Ergebnissen dieses Reviews unterscheiden. Die Studien waren nicht gut konzipiert, die Ergebnisse waren zwischen den Studien sehr uneinheitlich, und sie berichteten nicht über alle für uns interessanten Endpunkte.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand von 16. Dezember 2023.
Universität Heidelberg, A. Zink freigegeben durch Cochrane Deutschland