Kernaussagen
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Die Verwendung von gepufferten Lösungen, die helfen sollen, den Säuregehalt im Blut stabil zu halten, hat bei schwer kranken Erwachsenen und Kindern im Vergleich zu 0,9%iger Kochsalzlösung kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Patient*innnen, die während des Krankenhausaufenthalts sterben.
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Die Verwendung von gepufferten Lösungen anstelle von Kochsalzlösung hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss darauf, wie viele Patient*innnen eine akute Nierenschädigung entwickeln.
Was versteht man unter Reanimation bei kritisch kranken Menschen?
Die Akutbehandlung umfasst verschiedene medizinische Maßnahmen zur Stabilisierung von Patient*innen mit einem schweren und plötzlich auftretenden Gesundheitsproblem. Dazu gehört insbesondere, den Kreislauf und die Atmung zu sichern oder wiederherzustellen.
Welche intravenösen Flüssigkeitstherapien werden zur Akutbehandlung eingesetzt?
Flüssigkeitstherapien sind Infusionslösungen auf Wasser- und Salzbasis. Sie werden eingesetzt, um die Durchblutung von Organen und Geweben sicherzustellen, den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen und den Elektrolythaushalt aufrechtzuerhalten. Die Flüssigkeitstherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung vieler schwerer Erkrankungen und Verletzungen, zum Beispiel bei Sepsis, Verbrennungen, Traumata oder Notfalloperationen.
Salzlösungen zur Infusion sind eine häufig eingesetzte Form der Flüssigkeitstherapie. Man unterscheidet dabei zwei Gruppen von Lösungen.
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Gepufferte Salzlösungen enthalten Puffer wie Laktat, Bikarbonat oder Acetat, die dazu beitragen, den pH-Wert des Blutes, also seinen Säure-Basen-Haushalt, stabil zu halten.
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Eine 0,9%ige Kochsalzlösung hat eine ähnliche Konzentration gelöster Teilchen wie Blut, auch wenn sie nicht die gleiche Zusammensetzung an Elektrolyten hat. Sie enthält nur Natrium und Chlorid, und zwar in höherer Konzentration als im Blut.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, welche Vorteile gepufferte Lösungen bei Erwachsenen und Kindern haben, die schwer krank sind, zum Beispiel bei Sepsis, Verletzungen, Verbrennungen oder Schock, also in akuten Krankheitssituationen und nicht im Rahmen geplanter Operationen. Wir wollten außerdem wissen, ob gepufferte Lösungen unerwünschte Wirkungen haben.
Wie sind wir vorgegangen?
Im Juli 2023 haben wir in medizinischen Datenbanken nach passenden randomisierten kontrollierten Studien gesucht. Im Juni 2025 haben wir erneut nach Studien gesucht. Die dabei gefundenen Studien aus den letzten zwei Jahren sind aber noch nicht in die Ergebnisse eingeflossen.
Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und bewertet, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir zum Beispiel die Größe der Studien und die Art ihrer Durchführung.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden 34 Studien mit 37.859 Erwachsenen und Kindern, die schwer krank waren und eine intravenöse Flüssigkeitstherapie benötigten. Die meisten Studien waren mittelgroß und hatten zwischen 22 und 230 Teilnehmende. An den beiden größten Studien nahmen zusammen 26.854 Personen teil. Die Studien wurden in 16 Ländern durchgeführt.
Hauptergebnisse
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Im Vergleich zu 0,9%iger Kochsalzlösung haben gepufferte Lösungen kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko, während des Krankenhausaufenthalts zu sterben
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Gepufferte Lösungen haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Risiko, eine akute Nierenschädigung zu entwickeln.
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Die Evidenz zu den Wirkungen gepufferter Lösungen auf das Risiko, dass wichtige Organsysteme wie Atmung, Kreislauf, Gehirn oder Leber nicht mehr normal funktionieren, ist sehr unsicher.
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Auch die Evidenz zu den Wirkungen gepufferter Lösungen auf die Elektrolyte Natrium und Kalium ist sehr unsicher. Gepufferte Lösungen senken möglicherweise die Chloridkonzentration und erhöhen möglicherweise den pH-Wert sowie die Bikarbonatkonzentration im Blut.
Was schränkt die Evidenz ein?
Wir sind zuversichtlich, dass die Evidenz zum Einfluss gepufferter Lösungen im Vergleich zu 0,9%iger Kochsalzlösung auf die Zahl der Todesfälle verlässlich ist.
Wir sind mäßig zuversichtlich, dass die Evidenz zur akuten Nierenschädigung verlässlich ist. Wir können uns nicht ganz sicher sein, weil die Beurteilung der Nierenfunktion möglicherweise dadurch beeinflusst wurde, dass die Ärztinnen und Ärzte wussten, welche Lösung die Teilnehmenden erhalten hatten. Es ist möglich, dass künftige Studien zu anderen Ergebnissen kommen.
Wir haben kein Vertrauen in die Evidenz dazu, ob wichtige Organsysteme nicht mehr normal funktionieren. Die Ergebnisse beruhen nur auf wenigen Fällen. Außerdem berichtete die Studie, die am meisten zu diesem Ergebnis beigetragen hat, weder die Zahl der Teilnehmenden noch die Ergebnisse klar, und wir konnten keine weiteren Informationen dazu erhalten.
Wir haben auch kein Vertrauen in die Evidenz zu Elektrolytstörungen, weil sie auf zu wenigen Studien beruht, um die Ergebnisse als sicher anzusehen.
Wer hat die Studien finanziert?
Zwanzig der Studien wurden von Regierungen oder gemeinnützigen Organisationen finanziert, vier aus gemischten Quellen. Eine Studie wurde von einem Unternehmen finanziert, dessen Branche unklar war, und neun Studien machten keine Angaben zur Finanzierung.
Wie aktuell ist dieser Review?
Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die darin enthaltene Evidenz basiert auf Recherchen, die wir im Juli 2023 durchgeführt haben. Wir haben im Juni 2025 eine weitere Suche durchgeführt und werden diese Ergebnisse in die nächste Aktualisierung der Übersichtsarbeit aufnehmen.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.