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Welche Maßnahmen sind am besten geeignet, um Hautreizungen durch längeren Kontakt mit Urin oder Stuhl bei Erwachsenen zu verhindern?

Kernaussagen

- Es gibt nur wenig Evidenz darüber, wie gut verschiedene Maßnahmen helfen, um Hautreizungen bei Erwachsenen zu verhindern, die durch längeren Kontakt mit Urin oder Stuhl entstehen. Einige Hautreinigungsmittel sind möglicherweise wirksamer als Waschen mit Wasser und Seife. Die Kombination von Hautreinigungsmitteln mit Hautpflegeprodukten (Feuchtigkeitscremes, Hautschutzmittel) ist möglicherweise effektiver als die alleinige Verwendung von Hautreinigungsmitteln. Allerdings sind die wissenschaftlichen Belege dafür derzeit noch sehr unsicher.
- Um herauszufinden, wie Hautreizungen am besten verhindert werden können, sind weitere Studien zu gebräuchlichen Maßnahmen, getestet in verschiedenen Pflegesituationen, erforderlich.

Was ist Inkontinenz-bedingte Dermatitis?

Hautreizungen durch Inkontinenz gehören zu den häufigsten Problemen bei Erwachsenen, die unkontrolliert Urin oder Stuhl verlieren. Die Haut ist gerötet, häufig wund und juckt, was in einigen Fällen zu offenen Stellen führen kann. Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung dieses Problems sind die Reinigung der Haut und die Anwendung von Produkten zum Schutz der Haut, wie Feuchtigkeitscremes, Hautschutzcremes oder -salben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Hautreinigungsmittel und Hautschutzmittel am besten geeignet sind, um Inkontinenz-bedingte Dermatitis bei Erwachsenen zu verhindern. Wir wollten auch wissen, ob die Hautreinigungsmittel und Hautschutzmittel unerwünschte Wirkungen wie Schmerzen, Hautausschlag oder Juckreiz verursachen.

Wie gingen wir vor?

Wir haben methodisch nach Studien gesucht, die verschiedene Methoden zur Vorbeugung von Inkontinenz-bedingter Dermatitis (Hautreinigung, Hautschutz- und -pflegeprodukte oder beides) in Gesundheitseinrichtungen verglichen. Die in die Studien einbezogenen Personen mussten mindestens 18 Jahre alt sein und durften zu Beginn der Studie keine Inkontinenz-bedingte Dermatitis haben. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 15 Studien, an denen 1020 Erwachsene mit Inkontinenz (Urin- oder Stuhlverlust oder beides) teilnahmen, die in einem Pflegeheim lebten oder im Krankenhaus waren. Dreizehn dieser Studien umfassten nur wenige Teilnehmende, während an zwei Studien mehr als 170 Erwachsene beteiligt waren. Sechs Studien befassten sich mit kurzfristigen Ergebnissen (bis zu 7 Tagen), vier mit mittelfristigen (8 Tage bis 1 Monat) und eine mit langfristigen Ergebnissen (1 bis 3 Monate). In den übrigen Studien wurde nicht angegeben, wann die Ergebnisse gemessen wurden.

Es war schwierig, die Ergebnisse zu kombinieren und zu vergleichen, da viele verschiedene Produkte untersucht wurden und die Ergebnisse auf unterschiedliche Weise gemessen wurden.

In drei Studien wurden verschiedene Hautreinigungsmittel verglichen, in fünf Studien wurden verschiedene Hautschutz- und -pflegeprodukte verglichen, und in sieben Studien wurden Kombinationen von Hautreinigungsmitteln und Hautschutz- und -pflegeprodukten untersucht.

Hauptergebnisse

Eine Studie deutet darauf hin, dass die Verwendung eines Hautreinigungsmittels im Vergleich zu Waschen mit Wasser und Seife möglicherweise wirksamer Inkontinenz-bedingten Hautentzündungen vorbeugt. Eine andere Studie stellte allerdings keinen oder nur einen geringen Unterschied zwischen diesen beiden Maßnahmen fest. Ebenso zeigte eine Studie, dass die Kombination eines Hautreinigungsmittels mit einem Hautschutz- oder pflegeprodukt möglicherweise wirksamer ist als die alleinige Reinigung. Eine andere Studie stellte jedoch keinen oder nur einen minimalen Unterschied in der Wirksamkeit zwischen diesen beiden Ansätzen fest. Die Ergebnisse aller Vergleiche sind sehr unsicher, so dass wir nicht wissen, ob eine Maßnahme besser zur Vorbeugung von Inkontinenz-bedingter Dermatitis geeignet ist als eine andere.

Möglicherweise gibt es nur einen geringen oder gar keinen Unterschied in der Anzahl der Personen mit behandlungsbedingten Schmerzen zwischen jenen, die eine Kombination aus Hautreinigung und Hautschutz- bzw. -pflege erhielten, und jenen, die nur eine Hautreinigung erhielten. Ebenso unterscheidet sich möglicherweise die Anzahl der Personen mit behandlungsbedingten Schmerzen nicht oder allenfalls geringfügig zwischen denjenigen, die mit einem Hautreinigungsmittel ohne Abspülen plus Hautcreme behandelt werden und denjenigen, die mit Wasser und Seife gereinigt und anschließend mit einer Lotion behandelt werden.

Hautreinigung in Kombination mit Hautschutz oder -pflege führt möglicherweise bei weniger Menschen zu Juckreiz als eine Reinigung ohne begleitende Schutz- oder Pflegeprodukte.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Die Evidenz ist unsicher, da die meisten Studien nur wenige Personen einschlossen und die Ergebnisse nicht einheitlich berichtet wurden. Darüber hinaus gab es erhebliche Unterschiede bei den verwendeten Produkten und Maßnahmen.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. April 2024.

Hintergrund

Die inkontinenzbedingte Dermatitis (IAD) ist ein häufiges Hautproblem bei Erwachsenen mit Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder beidem. Zur Vorbeugung gehören Hautpflegemaßnahmen wie die Hautreinigung und das Auftragen von Hautschutzmitteln (Produkte, die nicht abgewaschen werden).

Zielsetzungen

Untersucht wurde, wie wirksam Hautreinigungsprodukte, auf der Haut verbleibende Pflegeprodukte (Leave-on-Produkte) und verschiedene Pflegemaßnahmen zur Vorbeugung einer inkontinenzassoziierten Dermatitis bei Erwachsenen sind.

Suchstrategie

Am 29. April 2024 durchsuchten wir das Cochrane Incontinence Specialised Register – das Suchanfragen in CENTRAL, MEDLINE, MEDLINE In-Process, MEDLINE Epub Ahead of Print, ClinicalTrials.gov und dem WHO ICTRP umfasst – und führten eine manuelle Suche in Fachzeitschriften und Tagungsberichten durch. Wir durchsuchten die Literaturverzeichnisse der einbezogenen Studien, um weitere Studien zu identifizieren.

Auswahlkriterien

Wir wählten randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und Quasi-RCTs aus, die in beliebigen Gesundheitsversorgungseinrichtungen durchgeführt wurden und an denen Teilnehmende im Alter von über 18 Jahren teilnahmen, die zu Studienbeginn keine IAD aufwiesen. Wir schlossen Studien ein, die die Wirkungen von Hautreinigungsmaßnahmen und Hautschutz- und -pflegeprodukten oder Kombinationen aus Maßnahmen und Hautschutz- und -pflegeprodukten verglichen.

Datensammlung und ‐analyse

Drei Autor*innen der Übersichtsarbeit prüften unabhängig voneinander die Titel, Abstracts und Volltexte der Artikel. Vier Autor*innen der Übersichtsarbeit extrahierten unabhängig voneinander Daten und bewerteten das Risiko für Verzerrungen. Daten aus Studien, die nicht auf Englisch veröffentlicht wurden, wurden von Freiwilligen aus Cochrane Engage und den Netzwerken der Autor*innen der Übersichtsarbeit übersetzt und extrahiert. Primäre Endpunkte waren: Anzahl der Teilnehmenden mit IAD und interventionsbedingte unerwünschte Wirkungen (Schmerzen, Hautausschlag, Juckreiz und andere schwerwiegende unerwünschte Wirkungen). Sekundäre Endpunkte waren: die Anzahl der Teilnehmenden, die mit den Hautpflegeprodukten oder -verfahren zufrieden waren, die Einhaltung des Protokolls während der gesamten Intervention sowie die Lebensqualität (erkrankungsspezifisch oder allgemein). Zur Bewertung der Qualität der Evidenz wurde der GRADE-Ansatz genutzt.

Hauptergebnisse

Wir schlossen 15 Studien mit 1.020 Teilnehmenden in eine qualitative Synthese ein (41 Teilnehmende aus Pflegeheimen; 65 aus Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie 914 aus Krankenhäusern). Die Teilnehmenden litten unter Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder beidem. Dreizehn Studien wiesen kleine Stichprobengrößen auf, zwei Studien umfassten 180 bzw. 174 Teilnehmende. Sechs Studien bewerteten die Ergebnisse kurzfristig (≤ 7 Tage), vier mittelfristig (8 Tage–1 Monat) und eine langfristig (> 1 Monat–3 Monate). In den übrigen Studien war der Zeitpunkt der Bewertung unklar. Das Gesamtrisiko für Verzerrungen in den einbezogenen Studien war hoch. Eine erhebliche Heterogenität (hinsichtlich der Studienpopulationen, Hautpflegeprodukte, Hautpflegeverfahren, Endpunkte und Messinstrumente) verhinderte eine Metaanalyse.

Drei Studien verglichen Hautreinigungsmaßnahmen, und fünf Studien verglichen Hautschutz- und -pflegeprodukte oder eine Kombination von Hautschutz- und -pflegeprodukten. Sieben Studien verglichen eine Kombination aus Hautreinigungsmitteln und Hautschutz- und -pflegeprodukten.

Anzahl der Teilnehmenden mit inkontinenzassoziierter Dermatitis

Drei Studien verglichen ein Hautreinigungsmittel mit Seife und Wasser. Eine Studie lieferte Evidenz dafür, dass die Verwendung eines Reinigungsschaums zur Vorbeugung von inkontinenzassoziierter Dermatitis (IAD) möglicherweise wirksamer sein könnte als Seife und Wasser (RR 0,35, 95 % KI 0,14 bis 0,85; 65 Teilnehmende; sehr niedriges Vertrauen in die Evidenz), während eine andere Studie kaum oder gar keinen Unterschied in der Wirksamkeit zwischen einem Einwegwaschlappen mit 3 % Dimethicon, Seife und Wasser feststellte (RR 0,14, 95 % KI 0,01 bis 2,28; 12 Teilnehmende; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit). Die dritte Studie berichtete über niedrigere Erythem-Werte bei Verwendung eines nicht abzuspülenden Hautreinigungsmittels im Vergleich zu Seife und Wasser; wir konnten diese Daten jedoch nicht analysieren.

In Studien, in denen Kombinationen aus Hautreinigungsmitteln und Hautschutz- und -pflegeprodukten im Vergleich zur alleinigen Hautreinigung bewertet wurden, deutete eine Studie darauf hin, dass die kombinierte Behandlung zur Vorbeugung von IAD möglicherweise wirksamer sein könnte (RR 0,03, 95 % KI 0,00 bis 0,53; 180 Teilnehmende; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit), während die andere Studie möglicherweise kaum bis gar keinen Unterschied zwischen den Interventionen zeigte (RR 0,71; 95 % KI 0,14 bis 3,68; 31 Teilnehmende; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit). Zwei Studien zeigten möglicherweise kaum bis gar keinen Unterschied zwischen einer Kombination von Hautschutz- und -pflegeprodukten und einem Einzelprodukt (RR 0,85, 95 % KI 0,36 bis 2,02; 74 Teilnehmende; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit); (RR 0,25, 95 % KI 0,03 bis 1,86; 20 Teilnehmende; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit).

Insgesamt lassen sich aufgrund der sehr geringen Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit bei allen Vergleichen keine aussagekräftigen Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit der untersuchten Interventionen zur Prävention von IAD ziehen.

Wirkungen: Schmerzen

Eine Studie ergab, dass bei Personen, die eine Kombination aus Hautreinigung und einem Hautschutz- und -pflegeprodukt verwendeten, möglicherweise weniger Schmerzen auftraten als bei denjenigen, die eine Reinigung ohne ein Hautschutz- und -pflegeprodukt erhielten (RR 0,33, 95 % KI 0,09 bis 1,19; 180 Teilnehmende; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit), und eine Studie ergab, dass bei Teilnehmenden, die ein nicht abzuspülendes Hautreinigungsmittel plus eine Hautcreme verwendeten, möglicherweise weniger Schmerzen auftraten als bei denjenigen, die Seife und Wasser gefolgt von einer Lotion verwendeten (RR 0,58, 95 % KI 0,19 bis 1,74; 31 Teilnehmende; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Unsere Analysen dieser beiden Vergleiche deuten jedoch darauf hin, dass es hinsichtlich der damit verbundenen Schmerzen möglicherweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den getesteten Interventionen gibt.

Wirkungen: Juckreiz

Eine Studie ergab, dass Hautreinigung und ein Produkt, das nicht abgespült wird, möglicherweise seltener mit Juckreiz verbunden sind als eine herkömmliche Hautpflege ohne ein solches Produkt (RR 0,04; 95 % KI 0,01 bis 0,29; 180 Teilnehmende; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).

Schlussfolgerungen der Autoren

Wir fanden begrenzte Evidenz von niedriger und sehr geringer Vertrauenswürdigkeit zur Wirksamkeit von Interventionen zur Prävention von IAD bei Erwachsenen. Folglich ist unklar, ob ein bestimmtes Hautreinigungsmittel oder ein bestimmtes Produkt, das nicht abgewaschen wird – allein oder in Kombination verwendet – besser wirkt als ein anderes. Es gibt einige sehr unsicher, ob die Verwendung eines Hautreinigungsmittels bei der Prävention von IAD möglicherweise wirksamer ist als Seife und Wasser und dass die Kombination aus einem Hautreinigungsmittel und einem Produkt, das nicht abgewaschen wird, bei der Prävention von IAD möglicherweise wirksamer ist als die alleinige Verwendung eines Hautreinigungsmittels. Es besteht Bedarf an hochwertigen Bestätigungsstudien unter Verwendung standardisierter, vergleichbarer Präventionsschemata in verschiedenen Settings/Regionen.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, M. Zeitler, S. Gerstlauer freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Graham T, Beeckman D, Kottner J, Fader M, Fiorentino F, Fitzpatrick JM, Gray M, Harris RG, Sooriah S, Wallace SA, Worsley PR, Woodward S. Skin cleansers and leave-on product interventions for preventing incontinence-associated dermatitis in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 7. Art. No.: CD011627. DOI: 10.1002/14651858.CD011627.pub3.

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