Kernaussagen
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Maßnahmen zur Förderung der Teilnahme an Herzrehabilitationsprogrammen tragen möglicherweise dazu bei, dass mehr Menschen teilnehmen.
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Die Maßnahmen steigern wahrscheinlich leicht sowohl die Teilnahme an Herzrehabilitationsprogrammen als auch deren Abschlussrate.
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Wir brauchen weitere gut durchgeführte Studien, um sicher zu wissen, welche Maßnahmen die Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen am besten erhöhen. Weil überwiegend Männer an den Studien teilnahmen, sind weitere Untersuchungen bei Frauen, älteren Menschen und anderen unterrepräsentierten Gruppen notwendig, um die Wirksamkeit und Zugänglichkeit von Herzrehabilitationsprogrammen für alle zu prüfen.
Was ist Herzrehabilitation?
Eine Herzrehabilitation ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das von speziell geschulten Gesundheitsfachpersonen begleitet wird. Es unterstützt Menschen dabei, sich nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder anderen Herzerkrankungen – zum Beispiel einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – zu erholen und ihre Herzgesundheit langfristig zu stärken. Eine Herzrehabilitation hilft dabei, die Erholung nach einer Herzerkrankung zu unterstützen, zukünftigen Herzproblemen vorzubeugen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Eine Herzrehabilitation wird für Menschen mit diesen Herzerkrankungen ausdrücklich empfohlen.
Was ist das zugrunde liegende Problem?
Trotz ihrer Vorteile nehmen weltweit nur wenige der berechtigten Personen an Herzrehabilitationsprogrammen teil. Auch wenn eine Herzrehabilitation begonnen wird, schließen viele Menschen das Programm nicht vollständig ab.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen mehr Menschen helfen:
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sich für ein Herzrehabilitationsprogramm anzumelden;
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an einem Herzrehabilitationsprogramm teilzunehmen; und
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ein Herzrehabilitationsprogramm zu absolvieren.
Wir wollten auch wissen, ob diese Maßnahmen unerwünschte Wirkungen haben könnten.
Wie gingen wir vor?
Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Methoden zur Steigerung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen getestet wurden. Es wurden nur Studien berücksichtigt, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugewiesen wurden. Dies ist die beste Methode, um sicherzustellen, dass die Gruppen zu Beginn vergleichbar sind und dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wissen, wer welche Behandlung erhält. Wir haben Studien in allen Sprachen berücksichtigt. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie miteinander und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Studiengröße.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden insgesamt 47 Studien (58 Vergleiche) mit 10.803 Personen. Die einbezogenen Studien wurden hauptsächlich in Nordamerika und Europa oder anderen Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Es konnten keine Studien aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eingeschlossen werden. Die Teilnehmenden hatten eine Herzerkrankung, zum Beispiel einen Herzinfarkt, eine Angina pectoris oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), oder sie waren wegen eines Herzproblems operiert worden, etwa mit einer Bypass-Operation oder dem Einsetzen eines Stents. Die meisten Teilnehmenden waren Männer. Die Studien untersuchten verschiedene Ansätze, um die Teilnahme an der Herzrehabilitation zu verbessern. Dazu gehörten: ein früherer Beginn der Rehabilitation, der Einsatz digitaler Angebote, Programme an unterschiedlichen Orten (zum Beispiel zu Hause), Unterstützung durch andere Betroffene oder durch medizinisches Fachpersonal, speziell auf Frauen zugeschnittene Programme sowie kürzere oder flexiblere Angebote.
Hauptergebnisse
Bei Menschen mit Herzerkrankungen bewirken Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen:
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dass sich möglicherweise mehr Patient*innen für die Programme anmelden (27 Studien, 726 Personen);
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dass wahrscheinlich etwas mehr Patient*innen an den Programmen teilnehmen (18 Studien, 3024 Personen);
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dass wahrscheinlich etwas mehr Patient*innen die Programme abschließen (19 Studien, 5432 Personen); und
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Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen treten wahrscheinlich nicht auf (6 Studien, 716 Personen).
Was schränkt die Evidenz ein?
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war gering bis moderat, unter anderem weil die Studien verschiedene Strategien zur Steigerung der Nutzung der Herzrehabilitation untersuchten. Die Ergebnisse sind zwar vielversprechend, es sind jedoch weitere gut durchgeführte Studien nötig, um zu klären, welche Strategien am wirksamsten sind, besonders wenn es darum geht, Patient*innen dabei zu unterstützen, eine Herzrehabilitation vollständig abzuschließen Es lagen nur wenige Informationen über die Kosten oder die Kosteneffizienz von Maßnahmen zur Förderung der Nutzung von Herzrehabilitationsprogrammen vor. Außerdem braucht es mehr Forschung zu bislang unterrepräsentierten Gruppen, zum Beispiel zu Frauen, älteren Menschen und Personen, die in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen leben. Das kann dazu beitragen, Herzrehabilitationsprogramme für alle Menschen zugänglicher und wirksamer zu machen.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Dieser Review ist eine Aktualisierung unseres Reviews aus dem Jahr 2019. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.