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Welche Vorteile und Risiken birgt die Anwendung von Lenacapavir zur Präexpositionsprophylaxe gegen HIV?

Hauptaussagen

  • Im Vergleich zur täglich eingenommenen oralen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) senkt Lenacapavir die Zahl der HIV-Neuinfektionen innerhalb von bis zu 52 Wochen deutlich stärker und verursacht möglicherweise etwas weniger schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Bei der Gesamtzahl unerwünschter Wirkungen und bei der Sterblichkeit zeigt sich kein oder nur ein sehr geringer Unterschied. Lenacapavir verursacht wahrscheinlich häufiger leichte bis mittelschwere Reaktionen an der Injektionsstelle als eine orale PrEP. (Anmerkung: Die Teilnehmenden der Kontrollgruppe erhielten zusätzlich zur oralen PrEP eine Placeboinjektion.)

  • Zukünftige Studien sollten auch andere Gruppen mit erhöhtem HIV-Risiko einbeziehen und untersuchen, ob sich Resistenzen gegen die PrEP entwickeln. Das bedeutet, dass sich das Virus im Laufe der Zeit so verändern kann, dass das zur Vorbeugung eingesetzte Medikament nicht mehr wirksam ist.

Was ist eine Präexpositionsprophylaxe gegen HIV?

Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist ein Medikament, das von HIV-negativen Menschen eingenommen wird, um das Risiko einer HIV-Infektion zu senken. HIV ist ein Virus, das durch Kontakt mit bestimmten Körperflüssigkeiten von Menschen mit HIV übertragen werden kann, zum Beispiel mit Blut oder sexuellen Flüssigkeiten. Jedes Jahr infizieren sich etwa 1,3 Millionen Menschen neu mit HIV. Deshalb ist die Vorbeugung von HIV eine wichtige globale Gesundheitsaufgabe. Die PrEP mit bestimmten antiviralen Medikamenten ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Ausbreitung von HIV zu verhindern.

Zu den derzeit verfügbaren PrEP-Optionen gehören täglich einzunehmende Tabletten mit den Wirkstoffkombinationen Tenofovirdisoproxilfumarat/Emtricitabin (F/TDF) oder Tenofoviralafenamid/Emtricitabin (F/TAF) sowie Cabotegravir-Injektionen alle zwei Monate. Diese Medikamente zur Vorbeugung wirken nur, wenn sie regelmäßig angewendet werden: die Tabletten täglich und die langwirksame Cabotegravir-Injektion alle zwei Monate. Lenacapavir ist ein neueres langwirksames Medikament, das nur alle sechs Monate injiziert werden muss.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Lenacapavir HIV-Infektionen besser vorbeugen kann als orale antivirale Medikamente (F/TDF und F/TAF), Cabotegravir, ein Placebo (Scheinmedikament) oder keine PrEP. Wir wollten auch wissen, ob Lenacapavir unerwünschte Wirkungen verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Lenacapavir mit oraler PrEP, Cabotegravir, einem Placebo oder keiner PrEP bei HIV-negativen Menschen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko verglichen wurde.

Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz auf der Grundlage der Studienmethoden und der Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben zwei Studien gefunden, an denen 8660 Personen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko teilnahmen. In beiden Studien wurde Lenacapavir über einen Zeitraum von 52 Wochen mit einer oralen PrEP verglichen. An den Studien nahmen jugendliche Mädchen, junge Frauen, Menschen unterschiedlicher Geschlechtsidentität sowie Männer, die Sex mit Männern haben, teil. Wir haben keine Studien gefunden, in denen Lenacapavir mit Cabotegravir verglichen wurde.

Lenacapavir verhinderte deutlich mehr neue HIV-Infektionen als die orale PrEP. Insgesamt war die Gesamtzahl unerwünschter Wirkungen in den Behandlungsgruppen ähnlich. Unter Lenacapavir kam es jedoch häufiger zu lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle unterschied sich nicht zwischen Lenacapavir und oraler PrEP. Keiner der Todesfälle wurde auf eine der beiden Behandlungen zurückgeführt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist für fast alle Ergebnisse hoch. Unsere Ergebnisse beruhen jedoch nur auf zwei Studien, die beide lediglich ein Jahr dauerten. Das reicht nicht aus, um die langfristigen Vorteile und Risiken von Lenacapavir zu beurteilen. Lenacapavir wurde in keiner Studie mit Cabotegravir, einem weiteren injizierbaren PrEP-Medikament, verglichen. Laufende Studien könnten helfen, die Wirkungen von Lenacapavir bei einer breiteren und vielfältigeren Gruppe von Menschen besser zu verstehen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Ebrahim S, Gloeck N, Adam Z, Tatz G, Nel J, Sinxadi PZ, Dawood H, Kredo T, Cohen K. Lenacapavir as pre-exposure prophylaxis for HIV prevention. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 4. Art. No.: CD016347. DOI: 10.1002/14651858.CD016347.

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