Kernaussagen
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Verglichen mit herkömmlichen Diäten führt Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas möglicherweise zu ähnlichen Ergebnissen hinsichtlich Gewichtsabnahme und Lebensqualität. Zwischen Intervallfasten und anderen Diäten unterscheidet sich die Zahl der unerwünschten Wirkungen möglicherweise nicht oder nur minimal. Die wissenschaftlichen Belege dafür sind allerdings sehr unsicher.
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Im Vergleich zu keiner aktiven Ernährungsintervention oder einer Warteliste führt Intervallfasten wahrscheinlich nur zu einem kleinen Unterschied beim Gewicht. Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass er für die Gesundheit kaum eine spürbare Rolle spielt. Zu den Auswirkungen auf die Lebensqualität und zu möglichen unerwünschten Ereignissen, wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit, gibt es bisher nur sehr unsichere Ergebnisse.
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Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte, wie zufrieden die Teilnehmenden mit dem Intervallfasten waren. Auch dazu, ob sich ihr Diabetes-Status veränderte oder wie sich andere allgemeine Gesundheitsprobleme entwickelten, gab es keine Angaben. Wir brauchen weitere Studien, um dies zu erforschen.
Was bedeutet Adipositas und wie könnte Intervallfasten dabei helfen?
Ein stark erhöhter Körperfettanteil erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Auch das Risiko für eine verkürzte Lebenserwartung steigt. Die Zahl der Menschen mit Adipositas steigt weltweit. Dadurch geraten Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck. Gewichtsabnahme gilt weiterhin als der wirksamste Ansatz, um die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht und Adipositas zu senken und die gesellschaftlichen Folgen zu verringern. Übliche Ernährungsempfehlungen raten dazu, weniger Kalorien zu sich zu nehmen und die Essgewohnheiten umzustellen, etwa hin zu einer insgesamt gesünderen Lebensmittelauswahl oder zu einer anderen Zusammensetzung von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett. Intervallfasten ist ein relativ neuer Ansatz zur Gewichtsabnahme. Dabei wechseln sich Zeiten mit wenig oder keiner Nahrungsaufnahme (Fasten) mit Zeiten ab, in denen normal gegessen wird. Es gibt verschiedene Formen des Intervallfastens: zeitlich begrenztes Essen, d.h. die tägliche Nahrungsaufnahme ist auf ein bestimmtes Zeitfenster beschränkt; periodisches Fasten an einzelnen Tagen in der Woche oder alternierendes Fasten, d.h. Fastentage und Tage mit normaler Nahrungsaufnahme wechseln sich ab. Intervallfasten soll angeblich den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern, indem es bestimmte Körperfunktionen günstig beeinflusst. Gleichzeitig könnte es jedoch auch zu unerwünschten Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit kommen.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas effektiver zur Gewichtsabnahme beiträgt als herkömmliche Ernährungsempfehlungen. Außerdem wollten wir wissen, welche Wirkungen Intervallfasten auf die Lebensqualität, den Diabetes-Status und die Blutfettwerte hat und ob unerwünschte Wirkungen auftreten.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien mit Erwachsenen (über 18 Jahren) mit Übergewicht oder Adipositas. In diesen Studien wurden die Teilnehmenden per Zufall einer Gruppe zugeteilt: Sie sollten entweder Intervallfasten durchführen, eine herkömmliche Ernährungsberatung erhalten, keine Behandlung bekommen oder zunächst auf einer Warteliste stehen. (Personen auf einer Warteliste sollen die Behandlung zwar erhalten, beginnen sie jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt. In der Zwischenzeit werden sie mit Personen verglichen, die die Behandlung sofort starten). Wir schlossen Studien mit Menschen ein, die mit Übergewicht oder Adipositas lebten – unabhängig davon, ob sie bereits Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen hatten oder nicht.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden 22 Studien mit insgesamt 1995 Teilnehmenden. Die Untersuchungen wurden im häuslichen Umfeld oder in Einrichtungen vor Ort (z. B. in der Gemeinde) durchgeführt. Die Studien fanden in Europa, Nordamerika, China, Australien und Südamerika statt.
Im Vergleich zu herkömmlichen Ernährungsempfehlungen führt Intervallfasten möglicherweise zu keinem oder nur einem minimalen Unterschied bei der Gewichtsabnahme, gemessen als Veränderung gegenüber dem Ausgangsgewicht (21 Studien, 1430 Personen) und der Lebensqualität (drei Studien, 106 Personen). Ob Intervallfasten dazu führt, dass mindestens 5% des Körpergewichts verloren werden (4 Studien, 472 Personen), ist unklar. Auch zu möglichen unerwünschten Ereignissen (7 Studien, 619 Personen) lässt sich derzeit keine verlässliche Aussage treffen.
Im Vergleich zu keiner Intervention oder einer Warteliste bewirkt Intervallfasten wahrscheinlich einen geringfügigen Unterschied bei der Gewichtsabnahme (6 Studien, 427 Personen). Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass er für die Gesundheit kaum eine spürbare Rolle spielt. Die Ergebnisse zu den Wirkungen auf die Lebensqualität (1 Studie, 60 Personen) oder auf unerwünschte Ereignisse (2 Studien, 189 Personen) sind unsicher.
In keiner der eingeschlossenen Studien wurde untersucht oder berichtet, wie zufrieden die Teilnehmenden mit dem Intervallfasten waren, ob sich ihr Diabetes-Status veränderte, oder wie sich andere allgemeine Gesundheitsprobleme entwickelten.
Was schränkt die Evidenz ein?
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zur Gewichtsabnahme beim Vergleich von Intervallfasten mit keiner Behandlung ist moderat. Für die anderen Ergebnisse ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz niedrig bis sehr niedrig. Das liegt daran, dass viele der eingeschlossenen Studien methodische Schwächen hatten, nur wenige Teilnehmende einschlossen und die Ergebnisse nicht eindeutig waren.
Wie aktuell ist dieser Review?
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 5. November 2024.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.