Kernaussagen
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Ob die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) vor Darmkrebs schützt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Die Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse. Klar ist jedoch: ASS erhöht das Risiko für schwerwiegende Blutungen außerhalb des Gehirns. Auch das Risiko einer Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) steigt wahrscheinlich.
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ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmkrebsfälle nach einer Nachbeobachtung von 5 bis 15 Jahren. Nach 15 Jahren senkt ASS möglicherweise die Zahl der neuen Darmkrebsfälle. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Langzeit-Evidenz ist allerdings sehr gering.
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ASS erhöht möglicherweise die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs nach 5 bis 10 Jahren leicht; nach mindestens 15 Jahren zeigt sich möglicherweise ein kleiner Vorteil bei der Darmkrebssterblichkeit. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.
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ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen, erhöht jedoch das Risiko schwerwiegender Blutungen außerhalb des Gehirns und wahrscheinlich auch das Risiko einer Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall).
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Weitere Studien sind nötig, um die langfristigen Auswirkungen von ASS besser zu verstehen. Außerdem muss geklärt werden, ob auch andere entzündungshemmende Medikamente Darmkrebs vorbeugen können oder nicht.
Was ist Darmkrebs und was bedeutet Chemoprävention?
Darmkrebs, auch bekannt als kolorektaler Krebs, ist eine häufige und schwerwiegende Erkrankung. Manchmal entstehen vor diesem Krebs zunächst gutartige Wucherungen im Darm, sogenannte kolorektale Adenome, auch als Darmpolypen bekannt. Seit vielen Jahren interessieren sich Forschende für den Einsatz von Medikamenten zur Senkung des Risikos für Darmkrebs und Darmpolypen. Dieser Ansatz wird als Chemoprävention bezeichnet.
NSAIDs sind eine Gruppe von Medikamenten, die Entzündungen, Fieber und Schmerzen lindern und in niedriger Dosis auch zur Vorbeugung von Blutgerinnseln eingesetzt werden. ASS (z.B. Aspirin) und Ibuprofen sind Beispiele für häufig eingesetzte NSAIDs. Sie wurden zur Vorbeugung von Krebs untersucht, weil man annimmt, dass langfristige Entzündungen zur Entstehung von Tumoren beitragen können.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob ASS und andere NSAIDs bei der Prävention von Darmkrebs und Darmpolypen in der Allgemeinbevölkerung hilfreich oder schädlich sind.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, die als „randomisierte kontrollierte Studien” bekannt sind und in denen ASS oder andere NSAIDs entweder mit keiner Behandlung oder mit anderen Behandlungen zur Prävention von Darmkrebs und Darmpolypen in der Allgemeinbevölkerung verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien (soweit möglich) zusammengefasst und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Größe der Studien und der Qualität ihrer Methoden bewertet.
Was fanden wir heraus?
Wir haben 10 Studien gefunden, die untersuchten, ob ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs in der Allgemeinbevölkerung beiträgt. An diesen Studien nahmen insgesamt 124.837 Personen teil. Die meisten davon fanden in Europa und Nordamerika statt, eine Studie wurde in Australien durchgeführt und zwei große Studien wurden in Japan durchgeführt. Sieben der Studien untersuchten niedrig dosiertes ASS (75 bis 100 mg täglich), drei untersuchten höhere Dosierungen.
Wir haben keine Studien zu den Wirkungen anderer NSAIDs auf das Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs oder Darmpolypen gefunden.
Welche Wirkungen hat ASS auf die Entstehung von Darmkrebs?
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ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmkrebsfälle nach 5 bis 15 Jahren. ASS verringert möglicherweise die Zahl neuer Darmkrebsfälle, wenn es über einen Zeitraum von 15 Jahren oder länger eingenommen wird. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.
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ASS führt möglicherweise nach 5 bis 10 Jahren zu einem leichten Anstieg der Todesfälle (eine Hypothese lautet, dass ASS das Wachstum von bereits bestehenden fortgeschrittenen Krebserkrankungen bei manchen Menschen beschleunigen könnte) und nach 10 bis 15 Jahren möglicherweise zu einem geringen oder gar keinem Unterschied in der Darmkrebssterblichkeit. Nach einer Nachbeobachtung von 15 Jahren oder mehr senkt ASS möglicherweise die Sterblichkeit. Allerdings sind diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher.
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ASS hat möglicherweise keinen Einfluss auf die Anzahl neuer Darmpolypen innerhalb von 5 bis 10 Jahren Nachbeobachtung. Auch diese Ergebnisse sind sehr unsicher.
Was sind die Risiken der Einnahme von ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs?
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ASS hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen.
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ASS erhöht das Risiko schwerer Blutungen außerhalb des Gehirns.
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ASS erhöht wahrscheinlich das Risiko für Hirnblutungen (hämorrhagische Schlaganfälle).
Wie zuverlässig ist die von uns gefundene Evidenz?
Wir sind sicher, dass das Risiko für schwere Blutungen außerhalb des Gehirns steigt. Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zum Auftreten neuer Darmkrebserkrankungen nach 5 bis 15 Jahren, für schwerwiegende Nebenwirkungen und hämorrhagische Schlaganfälle ist moderat. Die Vertrauenswürdigkeit der anderen Ergebnisse ist gering bis sehr gering.
Drei Hauptfaktoren schränken die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ein.
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Es gab nicht genügend Studien, um die Ergebnisse abzusichern.
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In einigen Studien wussten die Teilnehmenden möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflussen könnte.
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Nicht alle Studien lieferten Informationen zu allen Ergebnissen, an denen wir interessiert waren.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Diese Evidenz basiert auf Recherchen in medizinischen Datenbanken, die wir bis März 2025 durchgeführt haben.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.