Direkt zum Inhalt

Filter

Evidence

Handbooks/Manuals

Neuigkeiten

Helfen Biologika (Medikamente, die gezielt bestimmte Teile des Immunsystems beeinflussen) bei der Behandlung von Morbus Crohn?

Kernaussagen

  • Mit Ustekinumab erreichen mehr Menschen eine klinische Remission (d. h. die Erkrankung ist nicht mehr aktiv oder die Beschwerden sind weitgehend unter Kontrolle) als mit Placebo (Scheinbehandlung) (360 von 1000 gegenüber 179 von 1000). Mit Adalimumab in Kombination mit Medikamenten, die auf das Immunsystem wirken, sowie mit Guselkumab und Upadacitinib erreichen wahrscheinlich mehr Menschen eine Remission als mit Placebo. Vedolizumab und Natalizumab wirken wahrscheinlich nur geringfügig besser als Placebo.

  • Menschen, die nach Erreichen einer Remission mit Adalimumab weiterbehandelt werden (Erhaltungstherapie), bleiben wahrscheinlich häufiger ein bis zwei Jahre lang beschwerdefrei als Menschen, die ein Placebo (Scheinbehandlung) erhalten (714 von 1000 versus 492 von 1000).

  • Über den Studienzeitraum von einem Jahr führen Upadacitinib, Ustekinumab und Vedolizumab im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich dazu, dass ähnlich viele Patient*innen die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abbrechen. Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Evidenz lassen sich langfristige unerwünschte Wirkungen von Biologika nicht mit Sicherheit beurteilen.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine lebenslange (chronische) entzündliche Erkrankung, die jeden Abschnitt des Darms betreffen kann. Zu den häufigsten Symptomen zählen blutiger Stuhl, Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit und weitere Beschwerden. Wenn Morbus Crohn Beschwerden verursacht, spricht man von einer „aktiven“ Erkrankung. Sind die Beschwerden unter Kontrolle, befindet sich die Erkrankung „in Remission“. Wir wissen nicht genau, wodurch Morbus Crohn verursacht wird. Möglicherweise spielt eine Kombination aus genetischen Faktoren, Fehlfunktionen des Immunsystems, bestimmten Darmbakterien und Umwelteinflüssen eine Rolle. Es gibt derzeit keine Heilung für Morbus Crohn. Die Symptome können jedoch meist mit Medikamenten wie Steroiden oder anderen Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, kontrolliert werden. In manchen Fällen ist auch eine Operation notwendig.

Was sind Biologika?

Um die Jahrtausendwende wurden Biologika und andere zielgerichtete Therapien eingeführt. Seitdem werden sie zunehmend zur Behandlung von Morbus Crohn eingesetzt. Diese neueren Therapien greifen gezielter in bestimmte Vorgänge des Immunsystems ein als ältere Behandlungen. Man geht davon aus, dass sie wirksamer sind und weniger unerwünschte Wirkungen haben. Sie können über eine Vene (intravenös), unter die Haut oder manchmal auch als Tablette verabreicht werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Biologika und andere zielgerichtete Therapien Morbus Crohn wirksam behandeln können, welche unerwünschten Wirkungen sie haben und wie sie im Vergleich zueinander abschneiden. Wir untersuchten, ob die Medikamente Symptome verschwinden lassen oder lindern können, ob sie bei einer Koloskopie (Darmspiegelung) Anzeichen einer Abheilung des Darms erkennen lassen und welche kurzfristigen (bis zu ein bis zwei Jahre) und langfristigen (länger als zwei Jahre) unerwünschten Wirkungen sie haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Biologika mit anderen medikamentösen Behandlungen oder mit einem Placebo (Scheinbehandlung) bei Erwachsenen mit Morbus Crohn verglichen wurden. An den Studien konnten sowohl Männer als auch Frauen teilnehmen. Die Teilnehmenden konnten seit unterschiedlich langer Zeit an Morbus Crohn leiden und bereits verschiedene Medikamente gegen Morbus Crohn eingenommen haben. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten anhand der Planung und Durchführung der Studien, wie zuverlässig die Ergebnisse sind.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 94 Studien mit insgesamt 27.476 Teilnehmenden ein, darunter etwa gleich viele Männer wie Frauen. Die meisten Teilnehmenden waren zwischen 30 und 40 Jahre alt, die Altersspanne reichte jedoch von älteren Jugendlichen bis zu Menschen im sechsten Lebensjahrzehnt. In den Induktionsstudien hatten die Teilnehmenden eine mittelschwere bis schwere Form von Morbus Crohn. In den Erhaltungsstudien befanden sich einige Teilnehmende bereits in Remission. Andere hatten zwar auf eine vorherige Behandlung angesprochen, hatten aber noch Beschwerden. Die meisten Induktionsstudien beobachteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten, die Erhaltungsstudien über etwa ein Jahr.

Hauptergebnisse

  • Es gab 66 Induktionsstudien mit 20.653 Teilnehmenden und 22 Erhaltungsstudien mit 6.823 Teilnehmenden.

  • Mit Ustekinumab erreichen mehr Menschen eine klinische Remission (d. h. die Erkrankung ist nicht mehr aktiv oder die Beschwerden sind weitgehend unter Kontrolle) als mit Placebo (Scheinbehandlung) (360 von 1000 gegenüber 179 von 1000). Mit Adalimumab in Kombination mit Medikamenten, die auf das Immunsystem wirken, sowie mit Guselkumab und Upadacitinib erreichen wahrscheinlich mehr Menschen eine Remission als mit Placebo. Vedolizumab und Natalizumab wirken wahrscheinlich nur geringfügig besser als Placebo. Risankizumab, BI695501 (ein Medikament, das Adalimumab ähnelt), eine Kombination aus Infliximab und Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, sowie Filgotinib sind möglicherweise wirksamer als Placebo, wenn es darum geht, eine klinische Remission zu erreichen.

  • Wir sind uns nicht sicher, ob andere Biologika besser wirken als Placebo, wenn es darum geht, eine klinische Remission zu erreichen.

  • Menschen, die nach Erreichen einer Remission mit Adalimumab weiterbehandelt werden (Erhaltungstherapie), bleiben wahrscheinlich häufiger ein bis zwei Jahre lang beschwerdefrei als Menschen, die ein Placebo (Scheinbehandlung) erhalten (714 von 1000 versus 492 von 1000).

  • Über den Studienzeitraum von einem Jahr führen Upadacitinib, Ustekinumab und Vedolizumab im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich dazu, dass ähnlich viele Patient*innen die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abbrechen. Für Risankizumab, Certolizumab und Filgotinib reicht die Evidenz nicht aus, um beurteilen zu können, ob diese Medikamente dazu führen, dass mehr oder weniger Menschen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen abbrechen.

  • Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Evidenz lassen sich langfristige unerwünschte Wirkungen von Biologika nicht mit Sicherheit beurteilen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Teilnehmenden der einbezogenen Studien unterschieden sich in mehreren Merkmalen. So hatten einige bereits Biologika oder andere zielgerichtete Therapien erhalten, andere nicht. Der Schweregrad ihrer Erkrankung war unterschiedlich, und einige erhielten zusätzlich andere Behandlungen, während andere keine weiteren Therapien bekamen. Da sich die Teilnehmenden der einzelnen Studien in diesen Merkmalen unterschieden, waren die Studien nicht immer gut miteinander vergleichbar.

Die meisten Erkenntnisse beziehen sich auf klinische Symptome. Ergebnisse aus Darmspiegelungen oder mikroskopischen Untersuchungen des Gewebes waren dagegen nur begrenzt verfügbar. Außerdem gab es bei einigen Studien Mängel in der Durchführung und den verwendeten Methoden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom Juni 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, S. Gerstlauer, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Gordon M, Sinopoulou V, Akobeng AK, Freeman SC, Moran GW, Cherayath R, Masitara M, Sherafat A, Khan MI, Alqusous F, Elleithy A, Phlananthachai S. Biologic drugs for induction and maintenance of remission in Crohn's disease: a network meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 6. Art. No.: CD012751. DOI: 10.1002/14651858.CD012751.pub2.

So verwenden wir Cookies

Wir verwenden notwendige Cookies, damit unsere Website funktioniert. Wir möchten auch optionale Cookies setzen, um unsere Webseite zu verbessern. Solche optionalen Cookies setzen wir nur, wenn Sie dies zulassen. Wenn Sie dieses Programm aufrufen, wird ein Cookie auf Ihrem Gerät platziert, um Ihre Präferenzen zu speichern. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern, indem Sie auf den Link "Cookie-Einstellungen" am Ende jeder Seite klicken.
Weitere Informationen, wie diese Cookies funktionieren, finden Sie auf unserer Seite über Cookies.

Alle akzeptieren
Anpassen