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Welchen Nutzen und welche Nachteile hat eine Kniegelenkersatzoperation zur Behandlung von Kniearthrose im Vergleich zu nicht-operativen Behandlungen?

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Kernaussagen

  • Menschen mit moderater bis schwerer Kniearthrose, die durch eine Operation ein künstliches Kniegelenk erhalten und anschließend ein nicht-operatives Behandlungsprogramm durchlaufen, verspüren möglicherweise eine klinisch relevante Schmerzlinderung und eine geringfügige, klinisch jedoch nicht relevante Verbesserung der körperlichen Funktionen im Vergleich zu einem Behandlungsprogramm ohne Operation. Zudem verringert sich möglicherweise die Notwendigkeit einer (weiteren bzw. erstmaligen) Operation des Knies im Vergleich zu einer nicht-operativen Behandlung. In Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

  • Es ist sehr unsicher, ob eine Knie-Totalendoprothese mit anschließendem nicht-operativem Behandlungsprogramm das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen oder von Therapieabbrüchen aufgrund unerwünschter Wirkungen im Vergleich zu einer alleinigen nicht-operativen Behandlung beeinflusst.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, die eine Kniegelenkersatzoperation mit nicht-operativen Behandlungen bei Kniearthrose vergleichen. Diese Studien sollten sich mit den Vorteilen und Risiken der Behandlung und der Patientenzufriedenheit befassen.

Was ist eine Kniearthrose?

Die Kniearthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Häufig ist das Kniegelenk betroffen. Arthrose verursacht Schmerzen, Gelenksteifigkeit und Einschränkungen der Beweglichkeit, die leicht, mittelschwer oder schwer sein können. Millionen von Menschen weltweit sind von diesen Symptomen betroffen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen.

Wie wird eine Kniearthrose behandelt?

Die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose umfasst nicht-operative Behandlungen und Kniegelenkersatzoperationen. Die üblichen nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten sind Aufklärung zu Bewegung, gezieltes Training, Physiotherapie, Gewichtsabnahme, Medikamente und Spritzen ins Gelenk.

Wenn die Arthrose fortgeschritten ist, kann manchmal eine Kniegelenkersatzoperation erforderlich werden. Bei einer Kniegelenkersatzoperation werden die abgenutzten Gelenkflächen im Knie entfernt und durch künstliche Teile ersetzt. Diese bestehen meist aus Metall und Kunststoff und betreffen das Schienbein, den Oberschenkelknochen und manchmal auch die Kniescheibe. Um die reibungslose Bewegung des Gelenks zu unterstützen, wird außerdem ein Abstandshalter aus Kunststoff zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen eingesetzt.

Für Kniearthrose gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche davon am besten geeignet ist, hängt von der einzelnen Person ab. Damit Menschen mit Kniearthrose die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut verstehen, brauchen sie klare und verlässliche Informationen über die möglichen Vorteile und Risiken – sowohl nicht-operativer Maßnahmen als auch von Knieersatzoperationen. So können sie eine Behandlung wählen, die am besten zu ihren persönlichen Werten, Zielen und ihrem Lebensstil passt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlung (Kniegelenkersatzoperation, nicht-operative Behandlungen, Scheinbehandlung) bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose am besten wirkt.

Außerdem wollten wir herausfinden, ob Erwachsene, die sich einer Kniegelenkersatzoperation, einer nicht-operativen Behandlung oder einer Scheinbehandlung unterzogen hatten, unerwünschte Wirkungen hatten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach veröffentlichten Studien der letzten 15 Jahre gesucht, in denen eine Kniegelenkersatzoperation im Vergleich zu nicht-operativen Behandlungen oder Scheinbehandlungen bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose untersucht wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und verglichen und unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben nur eine einzige Studie gefunden, an der 100 Erwachsene mit überwiegend moderater bis schwerer Kniearthrose teilnahmen. In der Studie wurde untersucht, ob eine Kniegelenkersatzoperation in Kombination mit einem anschließenden 12-wöchigen nicht-operativen Behandlungsprogramm bessere Ergebnisse erzielt als das 12-wöchige nicht-operative Behandlungsprogramm allein. In der Gruppe mit OP waren 32 von 50 Erwachsenen Frauen (64 %). Das Durchschnittsalter betrug 66 Jahre. In der Gruppe, die nicht operiert wurde, waren 30 von 50 Erwachsenen Frauen (60 %). Das Durchschnittsalter betrug ebenfalls 66 Jahre.

Hauptergebnisse

Kniegelenkersatzoperation mit anschließendem 12-wöchigen nicht-operativen Behandlungsprogramm im Vergleich zu alleiniger 12-wöchiger nicht-operativer Behandlung:

  • verringert die Schmerzen nach einem Jahr möglicherweise spürbar;

  • verbessert die körperliche Funktion nach einem Jahr möglicherweise nur geringfügig (im Alltag nicht spürbar);

  • verringert möglicherweise die Notwendigkeit einer OP am Knie (Revisions- oder Folgeoperation am Knie bzw. Erstoperation am Knie);

  • führt wahrscheinlich nach einem Jahr zu keinem Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Es gab keine Evidenz für die Zufriedenheit der Patient*innen mit den Behandlungsergebnissen.

Es ist unklar, ob eine Kniegelenkersatzoperation mit anschließendem 12-wöchigem nicht-operativem Behandlungsprogramm das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen nach einem Jahr oder von Abbrüchen wegen unerwünschter Wirkungen im Vergleich zu dem alleinigen nicht-operativen Programm verändert.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist nur moderat bis sehr niedrig, da wir lediglich eine kleine Studie aus den Jahren 2011 bis 2013 gefunden haben. Es war unklar, nach welchen Kriterien die Ärzt*innen entschieden, wer für eine Kniegelenkersatzoperation infrage kommt. Eine kleine Anzahl der Studienteilnehmer*innen hatte leichte statt mittelschwere bis schwere Arthrose. Personen, die in der Woche zuvor starke Schmerzen hatten, wurden nicht in die Studie aufgenommen, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Außerdem wussten die Studienteilnehmenden, welche Behandlung sie erhielten, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Pacheco-Brousseau L, Abdelrazeq S, Kelly SE, Pardo Pardo J, Dervin G, Stacey D, Wells GA. Total and partial knee arthroplasty versus non-surgical interventions of the knee for moderate to severe osteoarthritis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 1. Art. No.: CD015378. DOI: 10.1002/14651858.CD015378.pub2.

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