Kernaussagen
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Bei Erwachsenen, deren Blutfluss in einer verschlossenen Hirnarterie wiederhergestellt wurde, erhöht eine sehr intensive Blutdrucksenkung – in den meisten Studien unter 140 mmHg – im Vergleich zu den üblichen Blutdruckzielen von etwa unter 180 mmHg nicht die Wahrscheinlichkeit, drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben zu können. „Selbstständig leben“ bedeutet, ohne Hilfe gehen und die meisten alltäglichen Aufgaben bewältigen zu können.
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Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Risiko zu sterben und sich nach dem Schlaganfall schlecht zu erholen. Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen führt sie möglicherweise zu keinem oder nur einem geringen Unterschied.
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Die meisten Studienteilnehmenden wurden in Krankenhäusern mit spezialisierten Schlaganfallversorgung in Ländern mit oberem mittlerem oder hohem Einkommen behandelt. Wir wissen nicht, ob die Ergebnisse auch in Ländern mit weniger Ressourcen oder für alle Menschen mit ischämischem Schlaganfall gelten.
Was ist ein ischämischer Schlaganfall?
Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Bei einem ischämischen Schlaganfall wird diese Unterbrechung durch ein Blutgerinnsel verursacht, das eine Arterie im Gehirn verstopft. Dies kann verschiedene neurologische Beschwerden verursachen, etwa Schwäche, ein vermindertes Gefühl in einzelnen Körperteilen, Koordinationsprobleme und Schwierigkeiten beim Sprechen.
Wie wird ein Schlaganfall behandelt?
Ärzt*innen können die verstopfte Arterie manchmal wieder öffnen, indem sie über eine Vene ein Medikament verabreichen, das das Blutgerinnsel auflöst. Alternativ können sie das Gerinnsel mithilfe eines dünnen, durch die Blutgefäße vorgeschobenen Schlauchs entfernen. Dieses Verfahren wird mechanische Thrombektomie genannt. Beide Verfahren werden als Reperfusionsbehandlungen bezeichnet, weil sie die Durchblutung des Gehirns wiederherstellen.
Nach der Reperfusion haben viele Menschen einen sehr hohen Blutdruck, der das Risiko für eine Hirnblutung erhöhen kann. Wird der Blutdruck jedoch zu stark oder zu schnell gesenkt, kann dies die Blutversorgung von noch gefährdetem Hirngewebe beeinträchtigen und dadurch das Gehirn schädigen.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob eine intensive Blutdrucksenkung nach einer Reperfusionsbehandlung im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle:
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die Genesung und die Fähigkeit zu einem selbstbestimmten Leben verbessert;
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die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert;
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die Überlebensrate verbessert;
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das Auftreten von Hirnblutungen erhöht oder verringert;
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die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt;
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die Häufigkeit anderer unerwünschter Wirkungen beeinflusst.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach klinischen Studien, in denen Erwachsene mit ischämischem Schlaganfall nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugeteilt wurden. Sie hatten eine Reperfusionsbehandlung mit einem gerinnselauflösenden Medikament, einer mechanischen Thrombektomie oder beidem erhalten. Kurz nach der Reperfusion wurden niedrigere Blutdruckziele von unter 160 mmHg mit den üblichen Zielwerten von unter 180 mmHg verglichen.
Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und ausgewertet. Wir berücksichtigten außerdem, wie die Studien durchgeführt wurden, wie viele Personen daran teilnahmen und wie ähnlich oder unterschiedlich die Studien waren. So beurteilten wir, wie verlässlich die Ergebnisse sind.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden neun Studien mit insgesamt 4.381 Erwachsenen mit ischämischem Schlaganfall, die eine Reperfusionsbehandlung erhielten. Die meisten Teilnehmenden wurden in Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen behandelt, eine geringere Anzahl in Krankenhäusern in Ländern mit mittlerem Einkommen. Keine der Studien fand in Ländern mit niedrigem Einkommen statt. In den meisten Studien sollte der systolische Blutdruck – also der obere Wert bei der Blutdruckmessung – bei der intensiven Strategie unter 140 mmHg und bei der üblichen Strategie unter etwa 180 mmHg gehalten werden.
Hauptergebnisse
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Eine intensive Blutdrucksenkung hat im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle kaum oder keinen Einfluss darauf, ob Menschen etwa drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben können.
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Eine intensive Blutdrucksenkung hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.
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Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen, die mit einer Verschlechterung der Beschwerden einhergehen, gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied zur üblichen Blutdruckkontrolle.
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Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Sterberisiko und wahrscheinlich auch das Risiko einer schlechten Genesung nach einem Schlaganfall.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Senkung des Blutdrucks auf sehr niedrige Zielwerte nach der Reperfusion wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen bringt und manchen Menschen möglicherweise schadet.
Was schränkt die Evidenz ein?
Die Evidenz weist mehrere wichtige Einschränkungen auf. So nahmen an einigen Studien nur relativ wenige Personen teil, wodurch die Ergebnisse weniger verlässlich sind. Zudem wurden die meisten Teilnehmenden in spezialisierten Zentren in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen behandelt; es liegt keine Evidenz aus Ländern mit niedrigem Einkommen vor. Bestimmte Personengruppen waren in den Studien möglicherweise nur unzureichend vertreten, etwa ältere Menschen mit mehreren weiteren Erkrankungen. Außerdem berichteten viele Studien die Ergebnisse nicht getrennt für Frauen und Männer.
Aufgrund dieser Einschränkungen sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Weitere Forschung ist nötig, um herauszufinden, ob bestimmte Personengruppen von anderen Blutdruckzielen profitieren könnten.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf dem Stand von März 2025.
B. Schindler, S. Gerstlauer, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.