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Wie wirksam sind Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Menschen im Krankenhaus?

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Kernaussagen

  • Eine maßgeschneiderte Aufklärung, die sich an Personal, Patient*innen und Angehörige richtet und mehrere Maßnahmen kombiniert, senkt wahrscheinlich die Zahl der Stürze und das Risiko zu stürzen.

  • Organisatorische Veränderungen in der Versorgung – also Veränderungen daran, wie ein Krankenhaus die Versorgung mit dem Ziel der Sturzprävention organisiert – senken in Akutkrankenhäusern wahrscheinlich die Zahl der Stürze.

  • Multifaktorielle Interventionen – also Maßnahmenpakete, bei denen nach einer individuellen Einschätzung des Sturzrisikos zwei oder mehr Arten von Maßnahmen kombiniert werden – senken wahrscheinlich die Zahl der Stürze und das Risiko zu stürzen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht ganz eindeutig: Es ist auch möglich, dass diese Interventionen keine Wirkung haben oder die Zahl der Stürze sogar leicht erhöhen.

  • Körperliche Aktivität hat insgesamt möglicherweise nur geringe oder keine Wirkungen auf das Sturzrisiko im Krankenhaus.

  • Über alle Interventionsarten hinweg senken Sturzpräventionsprogramme möglicherweise die Zahl der Stürze bei älteren Menschen im Krankenhaus, wenn sie gut in die Abläufe vor Ort eingebunden sind, an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Patient*innen angepasst werden und Patient*innen sowie Angehörige oder Betreuungspersonen aktiv einbeziehen.

  • Es sind weitere Studien nötig, um besser beurteilen zu können, wie wirksam die verschiedenen Maßnahmen zur Sturzprävention in Krankenhäusern sind. Das gilt besonders für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen – also Gedächtnis- oder Denkproblemen – sowie für Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

Warum ist es wichtig, Stürze älterer Menschen in Krankenhäusern zu reduzieren?

Stürze bei älteren Menschen im Krankenhaus kommen häufig vor. Sie können dazu führen, dass Betroffene ihre Selbstständigkeit verlieren, sich verletzen oder in manchen Fällen sogar sterben. Wirksame Maßnahmen zur Sturzprävention sind daher wichtig.

Wie werden die Maßnahmen zur Erfassung von Stürzen beschrieben?

Studien zu Maßnahmen zur Verringerung von Stürzen bei älteren Menschen werden nach Art der Intervention gruppiert. Dabei dient ein Klassifizierungssystem zur Sturzprävention (Taxonomie), das vom „Prevention of Falls Network Europe“ (ProFaNE) entwickelt wurde, als Orientierung.

Interventionen werden in drei Gruppen eingeteilt: einzelne, multifaktorielle und kombinierte Maßnahmen.

  • Einzelne Maßnahmen: Eine bestimmte Art von Maßnahme wird allen Teilnehmenden der Gruppe angeboten. Zu dieser Kategorie gehören körperliche Aktivität, Maßnahmen zur Verbesserung der Medikamentenverordnung (Medikamentenoptimierung), Anpassungen der Umgebung oder unterstützende Technologien, Aufklärung sowie organisatorische Veränderungen in der Versorgung, also Änderungen daran, wie ein Krankenhaus die Versorgung organisiert, um Stürze zu verringern. Maßnahmen zur Aufklärung über Stürze und deren Vorbeugung für Personal, Patient*innen und/oder Angehörige werden als eigene Gruppe zusammengefasst.

  • Multifaktorielle Maßnahmen: Nach einer Einschätzung des individuellen Sturzrisikos werden zwei oder mehr Arten von Maßnahmen gezielt ausgewählt und kombiniert. 

  • Kombinierte Maßnahmen: Alle Teilnehmenden erhalten dieselbe Kombination von Interventionen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Maßnahmen Stürze bei älteren Menschen im Krankenhaus verringern – sowohl die Zahl der Stürze (Sturzrate) als auch die Wahrscheinlichkeit, zu stürzen (Sturzrisiko). Außerdem untersuchten wir, wie sich die Maßnahmen auf das Risiko für Knochenbrüche, mögliche unerwünschte Wirkungen und die Kosten auswirken.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Ergebnisse von Personen untersucht wurden, die an Maßnahmen zur Sturzprävention teilnahmen, und verglichen diese mit den Ergebnissen von Personen ohne solche Maßnahmen. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studiengröße und Methoden.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 55 Studien mit insgesamt 104.474 Teilnehmenden gefunden. Im Durchschnitt waren die Teilnehmenden 79 Jahre alt, und 45 % waren Frauen.

  • Aufklärung – für Personal, Patient*innen und Angehörige sowie als Teil von Maßnahmenpaketen – senkt wahrscheinlich die Zahl der Stürze und das Risiko zu stürzen.

  • Änderungen in der Versorgungsorganisation von Akutkrankenhäusern senken wahrscheinlich die Sturzrate. Wir sind uns nicht sicher, ob sich Änderungen in der Versorgungsorganisation auf das Sturzrisiko auswirken. Es wurden keine Studien gefunden, die die Umstellung des Versorgungsmodells in Einrichtungen der subakuten Versorgung untersucht haben.

  • Wir sind uns nicht sicher, welche Wirkungen körperliche Aktivität auf die Sturzrate hat. Körperliche Aktivität hat insgesamt möglicherweise nur geringe oder keine Wirkungen auf das Sturzrisiko im Krankenhaus.

  • Wir sind uns nicht sicher, welche Wirkungen eine Optimierung der Medikamenteneinnahme auf Stürze hat.

  • Multifaktorielle Maßnahmen senken wahrscheinlich die Sturzrate und das Sturzrisiko. Die Ergebnisse lassen jedoch auch die Möglichkeit offen, dass sie keine Wirkung haben oder die Sturzhäufigkeit leicht erhöhen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist begrenzt und reicht von mäßig bis sehr gering. Das lag unter anderem daran, dass die Teilnehmenden in den meisten Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten, und dass nicht alle Studien zu allen für uns wichtigen Endpunkten berichteten. Zudem gab es bei einigen Studien Probleme mit der Art und Weise, wie die Daten erhoben wurden.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung von früheren Versionen des Reviews aus den Jahren 2010, 2012 und 2018. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 28. Oktober 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
McLennan C, Dyer SM, Kwok WS, Suen J, Marin TS, Haley M, Murray GR, Sutcliffe K, Kneale D, Sherrington C, Cameron ID. Interventions for preventing falls in older people in hospitals. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 5. Art. No.: CD016065. DOI: 10.1002/14651858.CD016065.

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