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Welche Vorteile und Risiken hat eine Behandlung mit Melatonin bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie?

Kernaussagen

- Die neonatale Enzephalopathie (eine Funktionsstörung des Gehirns in den ersten Lebenstagen) gehört zu den Hauptursachen für Tod und Behinderung bei Kindern.

- Unsere Übersichtsarbeit zeigte, dass die Evidenz für eine Behandlung mit Melatonin bei neonataler Enzephalopathie sehr unsicher ist.

- Es sind weitere Studien erforderlich, um zu beurteilen, ob Melatonin bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie eingesetzt werden sollte.

Was ist eine neonatale Enzephalopathie?

Die neonatale Enzephalopathie ist eine Störung der Gehirnfunktion in den ersten Lebenstagen. Sie wird durch Sauerstoffmangel oder eine verminderte Durchblutung des Gehirns vor oder um die Geburt herum verursacht. Nach einem Sauerstoff- oder Blutmangel können Gehirnzellen bei Neugeborenen noch lange weiter geschädigt werden, auch wenn die normale Versorgung bereits wiederhergestellt ist.

Wie sieht die übliche Behandlung der neonatalen Enzephalopathie aus?

Die übliche Behandlung der neonatalen Enzephalopathie umfasst eine intensivmedizinische Betreuung, meist auf einer Neugeborenen-Intensivstation. In Ländern mit hohem Einkommen, etwa den USA, Australien und Großbritannien, gehört auch eine Kühltherapie (therapeutische Hypothermie) dazu. Während in Ländern mit hohem Einkommen bei Neugeborenen mit mittelschwerer bis schwerer neonataler Enzephalopathie eine Kühltherapie (therapeutische Hypothermie) eingesetzt wird, gehört diese Behandlung in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen nicht zur üblichen Versorgung.

Inwiefern könnte Melatonin Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie helfen?

Eine Behandlung mit Melatonin, einem Hormon, das der Körper selbst bildet, könnte weitere Schäden an den Gehirnzellen verhindern, wenn sie kurz nach der Geburt begonnen wird. Melatonin kann entweder oral oder über eine Infusion direkt in die Vene verabreicht werden. Wenn Melatonin wirksam wäre, könnte seine Gabe bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie dazu beitragen, dass mehr Kinder überleben und mehr Kinder ohne körperliche oder kognitive Beeinträchtigungen überleben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob eine Behandlung mit Melatonin zu besseren Ergebnissen bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie führt. Wir verglichen zwei Behandlungsmöglichkeiten: Melatonin zusätzlich zur Kühltherapie mit der alleinigen Kühltherapie sowie Melatonin allein mit der Standardbehandlung ohne Kühltherapie.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen die Wirkungen einer Behandlung mit Melatonin mit der Standardbehandlung (mit oder ohne Kühltherapie) bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie verglichen wurden. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz – zum Beispiel danach, wie gut die Studien geplant und durchgeführt wurden und wie viele Neugeborene daran teilgenommen haben.

Was waren unsere wichtigsten Ergebnisse?

Wir fanden vier Studien mit insgesamt 155 Teilnehmenden, in denen eine Behandlung mit Melatonin mit einer Standardbehandlung mit oder ohne Kühltherapie verglichen wurde.

Wir sind uns sehr unsicher, welche Wirkungen eine Behandlung mit Melatonin hat auf

  • den kombinierten Endpunkt aus Tod oder Behinderung, gemessen im Alter von 18 Monaten oder später;

  • Tod im ersten Lebensmonat;

  • Behinderung, gemessen im Alter von 18 Monaten oder später; und

  • Anomalien bei einer MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) des Gehirns (gemessen in den Bereichen der grauen und weißen Substanz des Gehirns) im ersten Lebensmonat.

In keiner Studie wurde über die Wirkungen einer Behandlung mit Melatonin berichtet auf

  • Multiorganversagen; oder

  • den Bedarf an Medikamenten gegen Krampfanfälle.

Insgesamt ist die Evidenz sehr unsicher. Daher können wir keine Schlussfolgerungen darüber ziehen, ob eine Behandlung mit Melatonin die Ergebnisse für Neugeborene mit neonataler Enzephalopathie verbessern kann oder nicht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur vier kleine Studien in diese Übersichtsarbeit einbezogen. Viele der Endpunkte, die wir für wichtig erachteten, wurden nur teilweise oder gar nicht erwähnt. Daher wissen wir nicht, ob eine Behandlung mit Melatonin bei Neugeborenen mit neonataler Enzephalopathie besser wirkt als die Standardbehandlung mit oder ohne Kühltherapie.

Es sind weitere Studien nötig, um zu klären, wie sich Melatonin nach einer neonatalen Enzephalopathie auf wichtige gesundheitliche Endpunkte auswirkt.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Hurley T, O'Dea M, Aslam S, Stewart PA, Aly H, Cooper C, Robertson NJ, Molloy E. Melatonin treatment for neonatal encephalopathy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 4. Art. No.: CD013754. DOI: 10.1002/14651858.CD013754.pub2.

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