Kernaussagen
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Bei Menschen, die an Parodontitis (Zahnbettentzündung, eine schwere Form der Zahnfleischerkrankung) leiden, ist unklar, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung im Vergleich zur üblichen Beratung allein einen spürbaren Nutzen haben.
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Auch bei Menschen mit Gingivitis (einer Zahnfleischentzündung, einer milderen Form der Zahnfleischerkrankung) ist die Evidenz sehr unsicher, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung im Vergleich zur üblichen Beratung allein einen spürbaren zusätzlichen Nutzen haben.
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Künftige Studien sind nötig, um besser zu verstehen, ob Verhaltensansätze Menschen mit Zahnfleischerkrankung unterstützen können.
Was ist eine Zahnfleischerkrankung?
Zu den Symptomen einer Zahnfleischerkrankung gehören Zahnfleischbluten, geschwollenes Zahnfleisch und Mundgeruch. Eine Gingivitis ist eine milde Form der Zahnfleischerkrankung, die sich auf das Zahnfleisch beschränkt. Wenn eine Gingivitis nicht behandelt wird, kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln, einer schwereren Form der Zahnfleischerkrankung. Eine Parodontitis kann das Weichgewebe und den Kieferknochen um die Zähne herum bleibend schädigen. In einigen Fällen verlieren Betroffene ihre Zähne.
Wie wird eine Zahnfleischerkrankung behandelt?
Eine Zahnfleischerkrankung wird in der Regel durch Zahnärzt*innen oder Dentalhygieniker*innen behandelt, zum Beispiel durch eine professionelle Reinigung der Zähne und Zahnfleischtaschen. Bei stärkeren oder länger bestehenden Entzündungen können zusätzliche Behandlungen nötig sein, etwa Antibiotika oder ein operativer Eingriff. Die Symptome einer Zahnfleischerkrankung lassen sich durch eine gute Mundhygiene lindern. Dazu gehören mindestens zweimal tägliches Zähneputzen sowie die Reinigung der Zahnzwischenräume, zum Beispiel mit Zahnseide oder anderen geeigneten Hilfsmitteln. Eine gute Mundhygiene ist wichtig und eine Voraussetzung dafür, dass eine Zahnfleischentzündung erfolgreich behandelt werden kann. Auch wenn Menschen mit Zahnfleischerkrankungen von zahnärztlichem Fachpersonal zur Mundhygiene beraten werden, gelingt es nicht allen, diese Maßnahmen ausreichend umzusetzen, um ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob verhaltensorientierte Ansätze in der Mundhygieneberatung wirksamer sind als die übliche Beratung allein, um die Mundhygienegewohnheiten von Erwachsenen mit Zahnfleischerkrankungen zu verbessern. Zu verhaltensorientierten Ansätzen zählen Techniken zur Verhaltensänderung, die Menschen dabei unterstützen sollen, ihre gewohnten Verhaltensmuster zu verändern.
Wir untersuchten insbesondere Blutungen nach leichtem Sondieren oder Druck, Entzündungszeichen wie gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, Plaque (einen klebrigen Bakterienfilm auf den Zähnen), die Tiefe der Zahnfleischtaschen sowie die Festigkeit des Zahnhalteapparats. Wir untersuchten außerdem, ob die Studienteilnehmenden häufiger über verbesserte Mundhygienegewohnheiten berichteten und ob verhaltenstherapeutische Ansätze mit Schäden verbunden waren.
Was genau haben wir gemacht?
Wir suchten nach Studien, an denen Erwachsene mit Zahnfleischerkrankung teilnahmen. Wir schlossen Studien ein, die verhaltensorientierte Ansätze zur Mundhygieneberatung mit der üblichen Beratung allein verglichen. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und verglichen sie getrennt für Personen mit Parodontitis und Personen mit Gingivitis. Bei Personen mit Parodontitis wurden die Ergebnisse danach getrennt ausgewertet, ob sie zuvor noch nie wegen einer Zahnfleischerkrankung behandelt worden waren (aktive Behandlung) oder eine Langzeitbehandlung erhielten (unterstützende Behandlung). Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethodik und Studiengröße.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden 25 Studien mit 1422 Personen. Neunzehn Studien betrafen nur Menschen mit Parodontitis, fünf Studien betrafen nur Menschen mit Gingivitis, und eine Studie betraf beide Formen.
In den eingeschlossenen Studien wurden unterschiedliche Verhaltensansätze verwendet, um die Mundhygienegewohnheiten der Menschen zu ändern. Zu den verschiedenen Ansätzen gehörten zum Beispiel Handy-Apps, die Informationen zur Mundhygiene bereitstellen oder an die Zahnpflege erinnern. Außerdem kamen intraorale Kameras oder Spiegel zum Einsatz, mit denen Menschen Rückmeldungen zum Verlauf ihrer Erkrankung erhalten konnten. Weitere Maßnahmen waren eine ausführlichere und individuell angepasste Beratung, die Bereitstellung von Mundhygieneprodukten für die Anwendung zu Hause sowie Gespräche mit Beratungs- oder motivierenden Interviewtechniken, die dabei helfen sollen, das eigene Verhalten zu verändern. Teilweise führten die Teilnehmenden auch ein Tagebuch, das später bei Zahnarztterminen besprochen wurde.
Hauptergebnisse
Bei Erwachsenen mit Parodontitis ist unklar, ob verhaltenstherapeutische Maßnahmen Blutungen, Entzündungen, Plaque oder die Tiefe der Zahnfleischtaschen besser reduzieren können als die üblichen Ratschläge allein. Es ist auch unklar, ob Personen, die verhaltenstherapeutische Maßnahmen erhalten, eher über eine Verbesserung ihrer Mundhygienegewohnheiten berichten als Personen, die nur die übliche Beratung erhalten. Dieses Ergebnis gilt sowohl für Personen mit aktiver Behandlung als auch für Personen mit unterstützender Behandlung.
Bei Erwachsenen mit Gingivitis ist ebenfalls unklar, ob verhaltenstherapeutische Ansätze besser geeignet sind, die Symptome der Gingivitis zu lindern oder die Mundhygienegewohnheiten zu verbessern, als die übliche Beratung allein.
Zum Zeitpunkt unserer Suche fanden wir keine Studien, die Informationen über die Festigkeit des Zahnhalteapparats oder über mögliche Schäden der verhaltenstherapeutischen Ansätze enthielten.
Was schränkt die Evidenz ein?
Die Evidenz ist von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, weil:
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Die Teilnehmenden wussten möglicherweise, welche Behandlung sie erhielten. Das könnte die Ergebnisse beeinflusst haben.
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Die Studien lieferten nicht immer alle Informationen, die wir benötigten.
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Die meisten Studien umfassten nur sehr wenige oder nicht ausreichend viele Teilnehmende, sodass die Ergebnisse nicht mit ausreichender Sicherheit bewertet werden können.
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Die Studien waren unterschiedlich aufgebaut, und sie kamen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2024.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.