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Ist der Prostata-spezifische Antigen-(PSA)-Test im Blut eine wirksame Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs?

Kernaussagen

  • Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs senkt wahrscheinlich leicht das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. Möglicherweise verringert er auch das Sterberisiko insgesamt. Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss darauf, wie häufig fortgeschrittener Prostatakrebs diagnostiziert wird. Möglicherweise senkt er jedoch die Zahl der Diagnosen von metastasiertem Prostatakrebs – also Krebs, der bereits in andere Körperbereiche gestreut hat.

  • Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs erhöht wahrscheinlich die Zahl der Männer, bei denen Prostatakrebs festgestellt wird – insbesondere Krebs im Frühstadium. Dadurch besteht das Risiko, dass manche Männer eine Diagnose und Behandlung für einen Krebs erhalten, der ihnen im Laufe ihres Lebens möglicherweise keine Beschwerden oder gesundheitlichen Probleme verursacht hätte.

  • Ein neuerer Screening-Ansatz kombiniert den PSA-Test mit weiteren Blutmarkern und bildgebenden Untersuchungen der Prostata. Er entdeckt wahrscheinlich mehr Fälle von Prostatakrebs als kein Screening. Ob dadurch weniger Männer an Prostatakrebs oder insgesamt sterben, ist jedoch unklar.

Was ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs?

Prostatakrebs entsteht in der Prostata. Diese kleine Drüse liegt unterhalb der Blase und produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten bei Männern und betrifft vor allem Männer über 50 Jahre. Wenn Prostatakrebs frühzeitig erkannt wird, lässt sie sich in der Regel erfolgreich behandeln. Früherkennungsuntersuchungen sollen Prostatakrebs möglichst früh erkennen, wenn möglicherweise noch keine Symptome vorliegen, oder bevor langsam wachsende Tumore Probleme verursachen.

Der PSA-Bluttest misst die Menge des sogenannten Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut. Erhöhte PSA-Werte können auf Prostatakrebs hinweisen. Bei Männern mit erhöhtem PSA-Wert wird häufig eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe aus der Prostata entnommen und auf Krebs untersucht. Anschließend werden Behandlungen wie Operationen oder Bestrahlungen durchgeführt. Diese Behandlungen können jedoch unerwünschte Wirkungen verursachen, zum Beispiel Harninkontinenz, häufigen oder starken Harndrang, Erektionsstörungen oder Darmprobleme.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Früherkennung von Prostatakrebs mit dem PSA-Test bei Männern ohne Beschwerden das Risiko senkt, an Prostatakrebs oder aus anderen Ursachen zu sterben. Wir wollten außerdem herausfinden, ob die PSA-Untersuchung:

  • Schaden verursacht;

  • die Lebensqualität von Männern beeinträchtigt; und

  • ob sich die Früherkennung darauf auswirkt, wie häufig Prostatakrebs diagnostiziert wird und in welchem Stadium der Krebs entdeckt wird – ob er noch auf die Prostata begrenzt ist, bereits über die Prostata hinausgewachsen ist oder sich auf andere Körperteile ausgebreitet hat (metastasiert ist).

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die PSA-Screening bei Männern ohne Krebsbeschwerden mit keinem Screening verglichen. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten, wie vertrauenswürdig die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Studienmethoden und die Anzahl der eingeschlossenen Männer.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit insgesamt 789.086 Männern. Die meisten Teilnehmer waren weiß. Die Studien wurden in Kanada, Europa und den USA durchgeführt. Die Männer waren zwischen 45 und 80 Jahre alt und wurden über einen Zeitraum von 3,2 bis 23 Jahren beobachtet.

Hauptergebnisse

Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs:

  • verringert wahrscheinlich das Risiko, innerhalb einer Nachbeobachtung von 23 Jahren an Prostatakrebs zu sterben: Pro 1000 untersuchte Männer sterben 2 Männer weniger an Prostatakrebs (Evidenz aus einer Studie mit 162.241 Männern);

  • verringert möglicherweise das Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben: Pro 1000 untersuchte Männer sterben möglicherweise 5 weniger an Prostatakrebs (4 Studien, 675.121 Männer);

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Männer mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen, wie Todesfällen infolge einer Biopsie oder einer Behandlung von Prostatakrebs (1 Studie, 408.721 Männer);

  • beeinflusst möglicherweise kaum oder gar nicht die Lebensqualität der Männer (1 Studie, 969 Männer).

Was die Diagnose von Prostatakrebs betrifft, gibt es Evidenz aus einer Studie mit 162.236 Männern, dass der PSA-Test:

  • wahrscheinlich die Zahl der Männer erhöht, bei denen Prostatakrebs oder lokal begrenzter Prostatakrebs diagnostiziert wird: Pro 1000 untersuchte Männer wird bei 36 weiteren Männern Prostatakrebs jeglicher Art und bei 34 weiteren Männern lokal begrenzter Krebs diagnostiziert;

  • wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Diagnose von fortgeschrittenem Prostatakrebs hat;

  • möglicherweise die Zahl der Diagnosen von metastasierendem Krebs senkt: möglicherweise 5 Männer weniger pro 1000 gescreenten Männern.

Wir fanden keine Evidenz zu weiteren unerwünschten Wirkungen der Früherkennung. Dazu gehörten Probleme nach Biopsien, wie schwere Infektionen oder Krankenhausaufenthalte, sowie Beschwerden nach Behandlungen, zum Beispiel Harnwegsprobleme, Erektionsstörungen oder Darmprobleme.

In einer Studie mit 60.745 Männern wurde ein neuerer Screening-Ansatz untersucht. Dabei wurde der PSA-Bluttest mit weiteren Bluttests und bildgebenden Untersuchungen der Prostata kombiniert. Dieser Ansatz macht im derzeit überblickten Zeitraum von gut drei Jahren wahrscheinlich bei der Zahl der Prostatakrebsdiagnosen nur einen kleinen Unterschied im Vergleich zu keinem Screening In dieser Studie wurde nicht berichtet, ob sich das Screening auf die Zahl der Todesfälle ausgewirkt hat.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben moderates Vertrauen in die Evidenz einer großen, gut durchgeführten Langzeitstudie. In die Evidenz aus den übrigen fünf Studien haben wir weniger Vertrauen, da es Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Studien gibt und sich ihre Ergebnisse unterscheiden.

Diese Übersichtsarbeit liefert nur wenige Informationen zu den unerwünschten Wirkungen der Früherkennung. Die eingeschlossenen Studien erfassten solche Daten meist nicht – insbesondere nicht seltene oder erst später auftretende Folgen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung unseres Reviews aus dem Jahr 2013. Die Evidenz ist auf den Stand vom 19. November 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Franco JVA, Hwang EC, Jung JH, Vaimberg O, Ilic D, Cleves A, Dahm P. Prostate-specific antigen (PSA) test for prostate cancer screening. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 5. Art. No.: CD004720. DOI: 10.1002/14651858.CD004720.pub4.

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