Kernaussagen
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Die Chance nach einem IVF-Zyklus (In-vitro-Fertilisation) auf ein lebend geborenes Kind verbessert sich möglicherweise geringfügig, wenn der Embryo an Tag 5 bis 6 (Blastozystenstadium) statt an Tag 3 (Furchungsstadium) übertragen wird, und zwar bei Frauen mit einer "guten Prognose" (d. h. mit Eigenschaften, die eine Schwangerschaft erleichtern). Die Lebendgeburtenrate pro IVF-Zyklus bezieht sich dabei auf alle Transfers von Eizellen, die aus einem Stimulationszyklus stammen – unabhängig davon, ob sie frisch oder eingefroren waren.
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Betrachtet man nur die Ergebnisse für frisch transferierte Embryonen, die einige Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingesetzt werden, so erhöht wahrscheinlich der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Furchungsstadium die Chance auf ein Baby.
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Der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium statt im Furchungsstadium erhöht wahrscheinlich das Risiko für eine Frühgeburt (32. bis 36. Schwangerschaftswoche) im Vergleich zu einer Geburt zum regulären Termin (etwa 40 Wochen).
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Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Wirkungen zu verstehen, insbesondere bei Menschen mit einer geringeren Chance auf eine erfolgreiche IVF.
Was ist assistierte Befruchtung?
Assistierte Empfängnis umfasst medizinische Behandlungen, die eine Schwangerschaft ermöglichen sollen, wenn sie auf natürlichem Weg nicht zustande gekommen ist. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden einer Frau Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit Spermien befruchtet. Einer oder mehrere der daraus entstandenen Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter eingesetzt. Die Embryonen können einige Tage nach der Befruchtung (Furchungsstadium, Tag 2 bis 3) oder etwas später (Blastozystenstadium, Tag 5 bis 6) übertragen werden.
Beim Transfer im Blastozystenstadium ist der Zeitpunkt zwischen Embryo und Gebärmutter möglicherweise besser abgestimmt, was die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen könnte. Bei manchen Menschen kann es jedoch passieren, dass Embryonen verloren gehen, die sich im Labor nicht bis zum fünften Tag weiterentwickeln, sich aber im Mutterleib möglicherweise hätten entwickeln können. Wir wissen noch nicht, ob eine der beiden Strategien insgesamt zu besseren Ergebnissen über den gesamten Behandlungsverlauf führt oder ob sie das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen beeinflusst.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten wissen, welche Wirkungen der Transfer von Embryonen im Blastozystenstadium im Vergleich zum Transfer von Embryonen im Furchungsstadium hat:
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auf die Chance einer Lebendgeburt, wenn alle Embryonen aus einem Zyklus verwendet werden, also sowohl frische als auch eingefrorene und später aufgetaute Embryonen. Dies wird auch als Chance „pro Zyklus“ oder „kumulativ“ bezeichnet;
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die Chance auf eine Lebendgeburt nach einem einzelnen Transfer eines frischen Embryos;
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das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt (z. B. Frühgeburt);
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Schwangerschaftsraten;
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das Risiko einer Fehlgeburt;
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wie viele Embryonen zur späteren Verwendung eingefroren werden können; und
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auf die Möglichkeit, dass kein Embryo übertragen werden kann.
Was genau haben wir gemacht?
Wir haben nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, die den Embryotransfer im Blastozysten- und im Furchungsstadium bei Frauen, die sich einer IVF unterziehen, vergleichen. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und unser Vertrauen in sie bewertet. Unsere Einschätzungen der Vertrauenswürdigkeit der Evidenz werden im Folgenden in Klammern wiedergegeben.
Was fanden wir heraus?
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Wir haben 36 Studien mit 8389 Frauen einbezogen. Die meisten Studien wurden in spezialisierten IVF-Kinderwunschkliniken durchgeführt und schlossen Frauen mit guten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft ein, zum Beispiel jüngere Frauen, die mehrere Embryonen entwickelten.
Chance, ein Kind zu bekommen (Lebendgeburt)
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Pro IVF-Zyklus mit frischen und tiefgefrorenen Embryonen (kumulative Lebendgeburtenrate) erhöht der Blastozystentransfer möglicherweise geringfügig die Chance auf ein Baby (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
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Nach einem einzigen Transfer eines frischen Embryos: Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Chance, ein Baby zu bekommen. Wenn nach einem Embryonentransfer im Furchungsstadium 32 von 100 Frauen ein Baby bekommen, wären es nach einem Embryonentransfer im Blastozystenstadium etwa 37 bis 43 von 100 Frauen (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Frühgeburt
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Der Blastozystentransfer erhöht wahrscheinlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby zwischen der 32. und 36. Woche (späte Frühgeburt) geboren wird (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Chance, schwanger zu werden ("klinische Schwangerschaft")
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Der Blastozystentransfer erhöht möglicherweise die Chance auf eine Schwangerschaft nach einem frischen Transfer (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Fehlgeburt
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Möglicherweise gibt es nur einen geringen oder gar keinen Unterschied zwischen dem Blastozystentransfer und dem Transfer im Furchungsstadium in Bezug auf die Rate an Fehlgeburten (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Einfrieren von überzähligen Embryonen
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Der Blastozystentransfer verringert möglicherweise die Wahrscheinlichkeit, dass Embryonen für eine spätere Verwendung eingefroren werden können (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Anteil der Fälle, in denen kein Embryo übertragen werden konnte
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Der Blastozystentransfer führt möglicherweise dazu, dass es häufiger zu keinem Embryotransfer kommt, zum Beispiel weil sich im Labor kein Embryo bis zum 5. Tag weiterentwickelt (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat bis niedrig. Viele Studien waren klein, und die Art der IVF-Behandlung war unterschiedlich. Die Teilnehmenden wussten, ob ihr Embryo im Spaltstadium oder im Blastozystenstadium übertragen wurde. Dieses Wissen könnte die Ergebnisse beeinflusst haben. In einigen Studien erhielten die meisten Frauen nur einen frischen Embryotransfer. Die Ergebnisse könnten daher anders aussehen, wenn man sie erst später bewertet, nachdem auch eingefrorene Embryonen verwendet wurden. In den meisten Studien nahmen Frauen teil, die gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft hatten. Die Ergebnisse gelten daher möglicherweise nicht für Frauen mit Merkmalen, die eine Schwangerschaft erschweren.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz beruht auf Studien, nach denen bis Oktober 2024 gesucht wurde.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.