Wahrnehmung und Erfahrungen von Gesundheitsfachkräften in Bezug auf den Einsatz von mHealth-Technologien zur Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen in der Primärversorgung: eine qualitative Evidenzsynthese

Was war das Ziel dieses Reviews?

Ziel dieses Cochrane-Reviews zu qualitativer Forschung war es, zu untersuchen, wie Gesundheitsfachkräfte die Nutzung von Mobiltelefonen und Tablets bei der Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen in der Primärversorgung wahrnehmen und erleben. Um diese Frage zu beantworten, analysierten wir 43 Studien über die Ansichten und Erfahrungen von Gesundheitsfachkräften in Bezug auf mobile Gesundheitsprogramme (mHealth).

Hauptaussagen

Gesundheitsfachkräfte bewerteten den Nutzen von mHealth positiv und beschrieben, wie sie Mobiltelefone nutzten, um ihre Arbeit und ihre Beziehungen untereinander und zu ihren Klienten zu verbessern. Sie sahen sich jedoch auch mit Herausforderungen konfrontiert, darunter eine schlechte Netzabdeckung und ein mangelnder Zugang zur Stromversorgung. Menschen, die mHealth-Programme umsetzen, sollten versuchen, diese Herausforderungen anzugehen und auf den positiven Erfahrungen der Gesundheitsfachkräfte aufzubauen.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Gesundheitsfachkräfte verwenden häufig Mobiltelefone und Tablets, um Dienstleistungen zu erbringen. Es ist wichtig zu verstehen, was das Gesundheitspersonal über diese Geräte denkt, da dies die Qualität der Dienstleistungen beeinflussen kann. Wir suchten nach Studien, die die Ansichten und Erfahrungen von Gesundheitsfachkräften mit dem Einsatz mobiler Geräte in der Primärversorgung untersuchten.

Was sind die Hauptergebnisse dieses Reviews?

Wir überprüften stichprobenartig 43 der 53 in diesen Review eingeschlossenen Studien. Die meisten kamen aus Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen und schlossen sowohl Laien als auch Gesundheitsfachkräfte ein. In vielen der Studien wurden Mobiltelefone oder Tablets im Rahmen der Gesundheitsversorgung von Müttern, Kindern oder Neugeborenen verwendet. Viele der mobilen Geräte verfügten über Software, die den Gesundheitsfachkräften dabei half, bei der Vermittlung von Dienstleistungen die richtigen Schritte zu befolgen. Gesundheitsfachkräfte nutzten auch Mobiltelefone zur Kommunikation mit Klienten und zur Aufzeichnung der Gesundheitsinformationen von Klienten.

Wir haben ein moderates oder hohes Vertrauen in die folgenden Ergebnisse.

mHealth veränderte die Art und Weise, wie Gesundheitsfachkräfte miteinander arbeiteten : Gesundheitsfachkräfte schätzten es, mehr mit Kollegen verbunden zu sein, und waren der Meinung, dass dies die Koordination und die Qualität der Versorgung verbesserte. Einige beschrieben jedoch Probleme, wenn ältere Kollegen nicht oder verärgert reagierten. Einige bevorzugten den persönlichen Kontakt mit Kollegen. Einige glaubten, dass mHealth ihre Berichterstattung verbesserte, während andere es mit "big brother watching" verglichen.

mHealth veränderte die Art und Weise, wie Gesundheitsfachkräfte Versorgungsleistungen durchführten : Gesundheitsfachkräfte schätzten es, wie mHealth es ihnen ermöglichte, neue Aufgaben zu übernehmen, flexibel zu arbeiten und Klienten in schwer zugänglichen Gebieten zu erreichen. Sie schätzten mHealth, wenn es das Feedback, die Geschwindigkeit und den Arbeitsablauf verbesserte, aber nicht, wenn es langsam oder zeitraubend war. Einige des Gesundheitsfachkräfte fanden Software zur Unterstützung von Entscheidungen nützlich; andere meinten, sie bedrohe ihre klinischen Fähigkeiten. Die meisten Gesundheitsfachkräfte fanden mHealth als besser als papierbasierte Abläufe, andere jedoch sahen mHealth als Schaffung von mehr Arbeit.

mHealth führte zu neuen Formen des Engagements und der Beziehungen zu Klienten und Gemeinschaften : Gesundheitsfachkräfte waren der Meinung, dass die Kommunikation mit den Klienten per Mobiltelefon die Betreuung und ihre Beziehungen zu den Klienten verbesserte, fanden aber, dass einige Klienten persönlichen Kontakt benötigten. Die Gesundheitsfachkräfte waren sich der Bedeutung des Schutzes vertraulicher Klienteninformationen bei der Verwendung mobiler Geräte bewusst. Einige Gesundheitsfachkräfte hatten nichts dagegen, von Klienten außerhalb der Arbeitszeit kontaktiert zu werden, während andere sich Grenzen wünschten. Die Gesundheitsfachkräfte beschrieben, wie einige Menschen innerhalb der Gemeinschaft Gesundheitskräften vertrauten, das mHealth einsetzte, während andere skeptisch waren. Die Gesundheitsfachkräfte wiesen auf Probleme hin, wenn Kunden ein eigenes Telefon besitzen mussten.

Der Einsatz und die Wahrnehmung von mHealth durch Gesundheitsfachkräfte könnte durch Faktoren beeinflusst werden, die mit den Kosten, dem Gesundheitspersonal, der Technologie, dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft, einem unzureichenden Netzzugang und einem mangelnden Zugang zur Stromversorgung zusammenhängen : Einige Gesundheitsfachkräfte hatten nichts dagegen, zusätzliche Kosten zu übernehmen. Andere beschwerten sich darüber, dass das Telefonguthaben nicht rechtzeitig geliefert wurde. Gesundheitsfachkräfte, die es gewohnt waren, Mobiltelefone zu benutzen, standen mHealth manchmal positiver gegenüber. Andere, die weniger Erfahrung hatten, waren manchmal verlegen, weil sie vor Klienten Fehler machten, oder sorgten sich um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Die Gesundheitsfachkräfte wünschten sich Schulungen, technische Unterstützung, benutzerfreundliche Geräte und Systeme, die in bestehende elektronische Gesundheitssysteme integriert waren. Die größten Herausforderungen für die Gesundheitsfachkräfte waren unzureichende Netzwerkverbindungen, der Zugang zur Stromversorgung und die Kosten für das Aufladen der Telefone. Weitere Probleme waren beschädigte Telefone. Auch Faktoren außerhalb des Gesundheitssystems beeinflussten die Art und Weise, wie Gesundheitsfachkräfte mHealth erlebten, darunter Sprache, Geschlecht und Armutsaspekte. Die Gesundheitsfachkräfte hatten das Gefühl, dass ihre Einsatzbereitschaft für die Klienten ihnen dabei half, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir suchten nach Studien, die bis Januar 2018 veröffentlicht wurden.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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