Kernaussagen
- Bei Menschen mit Sorgen um ihr Denkvermögen oder Gedächtnis ist ungewiss, ob Ginkgo den allgemeinen Zustand nach sechs Monaten deutlicher verbessert als ein Placebo (Scheinbehandlung).
- Bei Menschen mit Multipler Sklerose und Denk- oder Gedächtnisproblemen verbessert Ginkgo das Denken nach drei Monaten wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo.
- Bei Menschen, bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung, jedoch keine Demenz diagnostiziert wurde, ist Ginkgo nach sechs Monaten wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo, um den Gesamtzustand, das Denkvermögen oder die Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben zu verbessern.
- Bei Menschen, bei denen eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde, verbessert Ginkgo nach sechs Monaten möglicherweise den Allgemeinzustand, das Denkvermögen insgesamt sowie die Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben stärker als ein Placebo. Die einzelnen Studien kamen jedoch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Wirkungen von Ginkgo. Daher ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen.
- Studien, in denen Ginkgo bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz mit einem Placebo verglichen wurde, zeigen, dass Ginkgo wahrscheinlich nicht mit einem erhöhten Risiko für Schäden verbunden ist.
Was sind kognitive Beeinträchtigungen und Demenz?
Eine kognitive Beeinträchtigung bedeutet, dass das Denken nicht mehr so gut funktioniert wie gewohnt, beispielsweise beim Lernen, Erinnern oder Entscheiden. Auch die Stimmung, das Verhalten oder die Motivation können sich verändern. Demenz ist ein Oberbegriff für schwere kognitive Beeinträchtigungen, die den Alltag und die gewohnten Aktivitäten deutlich einschränken. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Die häufigste Form der Demenz bei älteren Erwachsenen ist die Alzheimer-Krankheit.
Wie werden kognitive Beeinträchtigungen und Demenz behandelt?
Es ist nicht erwiesen, dass die verfügbaren Behandlungen das Fortschreiten von kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz aufhalten können. Medikamente wie Cholinesterase-Hemmer können bestimmte Symptome verbessern. Zusätzlich können zur Unterstützung nicht-medikamentöse Maßnahmen hilfreich sein.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Medikamente aus den Blättern von Ginkgo biloba (Ginkgo-Baum) bei der Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz helfen können, insbesondere bei der Verbesserung der Denkfähigkeit und der Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Wir wollten auch wissen, ob diese pflanzlichen Mittel Menschen helfen können, die sich Sorgen um ihre geistige Leistungsfähigkeit machen oder Denkprobleme haben, die im Zusammenhang mit Multipler Sklerose auftreten.
Wie gingen wir vor?
Wir haben nach Studien gesucht, in denen Ginkgo-Präparate bei Menschen mit Denkproblemen oder der Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung oder Demenz getestet wurden. Die Menschen mussten mindestens drei Monate lang behandelt werden. Wir haben die Ergebnisse dieser Studien getrennt für verschiedene Arten von kognitiven Beeinträchtigungen oder Diagnosen zusammengefasst. Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Qualität der Studien, der Größe der Studien und der Frage, ob verschiedene Studien zu ähnlichen oder unterschiedlichen Ergebnissen kamen.
Was fanden wir heraus?
Wir fanden 82 Studien mit 10 613 Personen, die sich Sorgen um ihre geistige Leistungsfähigkeit machten, bei denen Denkprobleme im Zusammenhang mit Multipler Sklerose auftraten oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz diagnostiziert wurde. In den Studien wurden Ginkgo-Präparate mit Placebo (Scheinbehandlung) oder mit anderen Arzneimitteln verglichen, oder Ginkgo-Präparate wurden zusätzlich zu anderen Behandlungen angewendet. Mehr als die Hälfte der Studien wurde in China durchgeführt.
Hauptergebnisse
Bei Menschen, die sich Sorgen um ihr Gedächtnis und ihr Denkvermögen machen, ist es ungewiss, ob Ginkgo-Präparat nach sechs Monaten ihren Gesamtzustand deutlicher als ein Placebo verbessern. In einer Studie wurde nach sechs Monaten kein Unterschied zwischen einem Ginkgo-Präparat und Placebo in Bezug auf mögliche schädliche Auswirkungen festgestellt. Eine andere Studie mit einer Laufzeit von nur drei Monaten zeigte jedoch, dass ein Ginkgo-Präparat insgesamt mit mehr schädlichen Wirkungen verbunden war als ein Placebo.
Bei Menschen mit kognitiven Problemen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose bringt eine dreimonatige Behandlung mit einem Ginkgo-Präparat im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich nur einen sehr kleinen oder keinen messbaren Vorteil für die Denkfähigkeit. Keine der eingeschlossenen Studien berichtete, wie viele Personen insgesamt Schäden erlitten. In einer Studie traten bei zwei Personen schwerwiegende Schäden auf, die wahrscheinlich nicht auf das Ginkgo-Präparat zurückzuführen waren.
Bei Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung führt eine sechsmonatige Behandlung mit einem Ginkgo-Präparat im Vergleich zu einem Placebo wahrscheinlich zu keinem oder nur zu einem geringen Unterschied beim allgemeinen Gesundheitszustand, der Denkfähigkeit und den Fähigkeiten für den Alltag. Zwischen einem Ginkgo-Präparat und einem Placebo gibt es möglicherweise über den Zeitraum von bis zu 12 Monaten nur einen geringen oder gar keinen Unterschied im Risiko von Schäden und kein Unterschied bei schweren Schäden.
Bei Menschen mit diagnostizierter Demenz kann eine sechsmonatige Behandlung mit Ginkgo im Vergleich zu einem Placebo den allgemeinen Gesundheitszustand, das Denkvermögen und die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, möglicherweise etwas verbessern. Zwischen Ginkgo und Placebo gibt es wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Unterschied beim Risiko von Schäden innerhalb von bis zu 12 Monaten. Auch beim Risiko schwerer Schäden besteht möglicherweise nur ein geringer oder gar kein Unterschied.
Was schränkt die Evidenz ein?
Bei vielen Studien gab es methodische Probleme. Zudem waren die Ergebnisse der einzelnen Studien uneinheitlich, was die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigt. Nur wenige Studien untersuchten Ginkgo bei Demenz länger als sechs Monate, so dass der potenzielle Nutzen und Schaden einer längerfristigen Einnahme bei Demenz unbekannt ist.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2024.
B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.