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Welche Vorteile und Risiken bieten Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen?

Kernaussagen

  • Es ist unsicher, ob im Vergleich zu Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) Medikamente zur Gewichtsreduktion den Body-Mass-Index (der angibt, ob das Gewicht einer Person im gesunden Bereich liegt) sowie das Körpergewicht leicht senken können. Medikamente zur Gewichtsreduktion haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Menschen, bei denen unerwünschte oder gesundheitsschädliche Ereignisse auftreten.

  • Wir wissen nicht, ob Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils wirksamer sind als die alleinige Änderung des Lebensstils - oder ob sie zu unerwünschten Wirkungen führen.

  • Um die Vorteile und Risiken besser zu verstehen, benötigen wir weitere Studien, in denen junge Menschen über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr begleitet und ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden erfasst wird.

Was ist Adipositas?

Adipositas bedeutet, zu viel Körperfett zu haben. Adipositas bei Kindern (0 bis 9 Jahre) und Jugendlichen (10 bis 19 Jahre) erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen, sowohl kurzfristig als auch im Erwachsenenalter. Adipositas wirkt sich auch darauf aus, wie junge Menschen sich selbst wahrnehmen und mit anderen umgehen, was häufig zu geringem Selbstwertgefühl, Ängsten, Depressionen und sozialen Schwierigkeiten führt.

Wie wird Adipositas behandelt?

Adipositas ist ein komplexes Problem, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Kinder und Jugendliche mit Adipositas können von Änderungen ihres Lebensstils profitieren, beispielsweise durch eine verbesserte Ernährung und mehr Bewegung, Beratung und verhaltenstherapeutische Unterstützung. Medikamente zur Gewichtsreduktion kommen in der Regel erst dann in Betracht, wenn eine Umstellung des Lebensstils nicht zum Erfolg geführt hat.

Zur Behandlung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Darunter sind neuere Medikamente, die als GLP-1-Agonisten bezeichnet werden und besser unter deren Markennamen, wie z. B. Wegovy und Ozempic, bekannt sind. Wir haben die Wirkungen aller Medikamente zur Gewichtsreduktion gemeinsam betrachtet.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Medikamente zur Gewichtsreduktion besser wirken als ein Placebo (eine Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) oder als eine Umstellung der Lebensstils bei:

  • Senkung des Body-Mass-Index (BMI) – ein Wert, der aus dem Gewicht und der Körpergröße einer Person berechnet wird und angibt, ob sich das Gewicht in einem gesunden Bereich befindet; er wird in Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²) angegeben;

  • Gewichtsreduzierung (kg);

  • das Wohlbefinden steigern.

Wir wollten außerdem herausfinden, ob diese Medikamente dazu führen, dass:

  • unerwünschte Ereignisse auftreten;

  • Personen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abbrechen;

  • durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme, darunter hoher Blutzucker, Bluthochdruck und ungesunde Blutfettwerte auftreten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen mit Placebo, keiner Behandlung, einem anderen Medikament zur Gewichtsreduktion oder Änderungen des Lebensstils verglichen wurden und die mindestens drei Monate dauerten. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der beteiligten Jugendlichen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 37 Studien mit insgesamt 4218 Jugendlichen einbezogen. Bei 28 Studien handelte es sich ausschließlich um Jugendliche. Acht davon waren Kinder und Jugendliche. Eine Studie sah vor, sowohl Kinder als auch Jugendliche einzubeziehen, machte jedoch keine Angaben zu deren Alter. In 31 Studien wurden Medikamente zur Gewichtsreduktion mit Placebo verglichen. In sechs Studien wurden Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils (Änderungen der Ernährung, der körperlichen Aktivität oder beidem) mit alleinigen Änderungen des Lebensstils verglichen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo können Medikamente zur Gewichtsreduktion:

  • den BMI möglicherweise um durchschnittlich 1,8 kg/m² senken, basierend auf 25 Studien mit 3091 jungen Menschen. Dies ist nur eine geringfügige Verringerung, die die Gesundheit junger Menschen möglicherweise nicht wesentlich verbessert;

  • möglicherweise zu einer Gewichtsabnahme von durchschnittlich 5,47 kg führen (20 Studien, 2380 Personen);

  • wahrscheinlich kaum oder gar nicht auf das Wohlbefinden junger Menschen Einfluss nehmen (4 Studien, 741 Personen);

  • wahrscheinlich kaum oder gar nicht die Zahl der Personen beeinflussen, bei denen unerwünschte Ereignisse auftraten - was in beiden Gruppen häufig vorkam: Bei 872 von 1000 Personen, denen Medikamente zur Gewichtsreduktion verabreicht wurden, und bei 846 von 1000 Personen, denen ein Placebo verabreicht wurde, traten unerwünschte Ereignisse auf (8 Studien, 1877 Personen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Zahl der Personen nehmen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abbrechen: Von 1000 Personen, denen das Medikament verabreicht wurde, verließen 36 die Studie vorzeitig, verglichen mit 24 von 1000 Personen, denen ein Placebo verabreicht wurde (13 Studien, 2213 Personen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme haben (1 Studie, 51 Personen).

Bei den verschiedenen Medikamenten zur Gewichtsreduktion gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Senkung des BMI und des Gewichts.

Wir sind uns sehr unsicher, welche Wirkungen Medikamente zur Gewichtsreduktion in Kombination mit Änderungen des Lebensstils im Vergleich zu alleinigen Änderungen des Lebensstils auf folgende Aspekte haben:

  • Veränderung des BMI;

  • Veränderung des Gewichts;

  • die Anzahl der Personen, die aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig die Studie abbrechen.

In keiner der in diesem Vergleich berücksichtigten Studien wurden das Wohlbefinden der Jugendlichen, die Anzahl derjenigen, die unerwünschte Ereignisse erlebt haben, sowie durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme erfasst.

Was schränkt die Evidenz ein?

Bei beiden Vergleichen war unser Vertrauen in die Evidenz für die meisten Endpunkte eingeschränkt, da die Studien Methoden verwendeten, die wahrscheinlich zu Fehlern in den Ergebnissen führten.

Was Medikamente zur Gewichtsreduktion im Vergleich zu Placebos betrifft , so war unser Vertrauen in die Evidenz für BMI und Körpergewicht ebenfalls eingeschränkt, da die Studienergebnisse variierten. Wir hatten wenig Vertrauen in die Evidenz zur Anzahl der Personen, die Studien aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig abgebrochen hatten, da diese sich nur auf wenige Fälle stützten. Wir hatten nur moderates Vertrauen in die Evidenz zum Thema Wohlbefinden, da es zu wenige Studien gab, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2023. Im Juni 2025 haben wir den Stand der laufenden Studien überprüft und die Ergebnisse entsprechend aktualisiert.

Anmerkungen zur Übersetzung

S.Gerstlauer, A.Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Gerardi C, Allocati E, Prutsky G, Carrano FM, Romano E, De Giorgi S, Metzendorf MI, Calcaterra V, Di Lorenzo N, Banzi R. Pharmacological interventions for the treatment of obesity in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 5. Art. No.: CD015986. DOI: 10.1002/14651858.CD015986.

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