Kernaussagen
Bei der Behandlung der Endometriose (einer Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst) zeigten Studien, in denen ein Progesteronrezeptor-Modulator (PRM; ein Medikament, das die Wirkung des Hormons Progesteron im Körper verändert) mit einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) verglichen wurde, dass der PRM Mifepriston schmerzhafte Regelblutungen lindern kann. Allerdings kann es zu Hitzewallungen kommen.
Ein PRM namens Gestrinon ist bei schmerzhaften Regelblutungen möglicherweise weniger wirksam als sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga (Medikamente, die die von den Eierstöcken produzierte Östrogenmenge senken), kann jedoch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Gestrinon verursacht zudem möglicherweise weniger Hitzewallungen. Wir wissen nicht, wie Gestrinon im Vergleich zu Danazol nicht menstruationsbedingte Schmerzen, schmerzhafte Regelblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beeinflusst. Wir wissen nicht, ob Gestrinon oder Danazol mehr unerwünschte Wirkungen verursacht.
Künftige Studien sollten Progesteronrezeptor-Modulatoren mit Medikamenten vergleichen, die derzeit zur Behandlung von Endometriosebeschwerden eingesetzt werden. Außerdem sollten Schmerzen mit anerkannten und zuverlässigen Methoden erfasst werden. Zudem sind größere und sorgfältig konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und die unerwünschten Wirkungen weiterer Progesteronrezeptor-Modulatoren neben Mifepriston und Gestrinon zu untersuchen.
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Endometriose ist von Östrogen abhängig und tritt daher vor allem im gebärfähigen Alter auf. Sie kann Schmerzen im Bauchraum verursachen, die vor allem während der Periode (Menstruation) oder beim Geschlechtsverkehr auftreten.
Zur Behandlung der Endometriose stehen verschiedene medikamentöse und chirurgische Verfahren zur Verfügung. Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) sind Arzneimittel, die die Wirkungsweise des Hormons Progesteron im Körper verändern. Zu den PRMs gehören Mifepriston, Gestrinon, Ulipristalacetat, Vilaprisan und Asoprisnil. Da sie das Wachstum von Gebärmutterschleimhautgewebe verlangsamen oder hemmen können, wurden sie als mögliche Behandlung der Endometriose vorgeschlagen.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten wissen, ob PRMs bei Patientinnen mit Endometriose Schmerzen besser lindern als ein Placebo (Scheinbehandlung), keine Behandlung oder andere Medikamente. Dabei betrachteten wir Schmerzen insgesamt, Schmerzen während der Menstruation und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Außerdem wollten wir wissen, welche unerwünschten Wirkungen diese Medikamente haben. Dazu untersuchten wir beispielsweise, wie häufig Hitzewallungen und Übelkeit auftraten.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, die untersuchten, wie wirksam PRMs bei Endometriosebeschwerden sind und welche unerwünschten Wirkungen sie haben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.
Was fanden wir heraus?
Wir schlossen neun Studien mit 922 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren ein. In den meisten Studien wurden die PRMs Mifepriston oder Gestrinon getestet. Eine Studie untersuchte Asoprisnil, wurde jedoch nur als kurze Zusammenfassung ohne verwertbare Ergebnisse veröffentlicht. In zwei Studien wurden keine der für unsere Fragestellung relevanten Ergebnisse erfasst.
Hauptergebnisse
Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu Placebo
Im Vergleich zu einem Placebo kann Mifepriston:
möglicherweise nach dreimonatiger Behandlung schmerzhafte Regelblutungen verringern (basierend auf einer Studie mit 342 Frauen);
möglicherweise mehr unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen verursachen (1 Studie, 360 Frauen);
möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf haben, ob Übelkeit auftritt (1 Studie, 360 Frauen); und
Wir sind unsicher, ob Mifepriston Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert (1 Studie, 223 Frauen).
Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu anderen medikamentösen Behandlungen
Im Vergleich zu Danazol ergab eine Studie mit 38 Frauen Folgendes:
Wir nicht wissen, ob Gestrinon die Schmerzsymptomatik nach sechsmonatiger Behandlung verbessert (1 Studie, 38 Frauen);
Wir wissen nicht, ob Gestrinon mehr oder weniger Hitzewallungen verursacht oder ob es keinen Unterschied gibt (2 Studien, 302 Frauen); und
Gestrinon und Danazol verursachen möglicherweise in ähnlichem Maße Übelkeit, die Ergebnisse sind jedoch sehr ungewiss (2 Studien, 302 Frauen).
Im Vergleich zu einem GnRH-Analogon (Leuprorelin) ergab eine Studie mit 55 Frauen Folgendes:
Gestrinon ist möglicherweise bei der Behandlung von schmerzhaften Regelblutungen nach sechsmonatiger Behandlung weniger wirksam (1 Studie, 55 Frauen); aber
Gestrinon lindert möglicherweise Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (1 Studie, 52 Frauen);
Gestrinon ist hinsichtlich der Schmerzen insgesamt möglicherweise mit Leuprorelin vergleichbar (1 Studie, 55 Frauen);
Gestrinon verursacht möglicherweise weniger Hitzewallungen und ein ähnliches Ausmaß an Übelkeit (1 Studie, 55 Frauen).
Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering, vor allem weil einige Studien eines oder mehrere der folgenden Probleme hatten:
Es nahmen nur wenige Personen an den Studien teil;
sie wurden in bestimmten Versorgungssituationen oder Bevölkerungsgruppen durchgeführt;
sie verwendeten Methoden, die wahrscheinlich zu Fehlern in ihren Ergebnissen führten;
sie berichteten nicht eindeutig darüber, wie sie durchgeführt wurden;
sie berichteten nicht eindeutig darüber, ob die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhalten hatten, was die Studienergebnisse beeinflusst haben könnte.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Dieser Review ist die Aktualisierung einer früheren Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.
S. Gerstlauer, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.




