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Welche Vor- und Nachteile haben Medikamente, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen (Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe), wenn sie Frühgeborenen oder Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht in der ersten Lebenswoche verabreicht werden?

Kernaussagen

  • Der frühzeitige Einsatz von Medikamenten, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen, wie Erythropoetin oder Darbepoetin, führt wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden hinsichtlich der Sterblichkeit. Sie verringern möglicherweise mittelschwere bis schwere neurologische Entwicklungsstörungen. Sie haben kaum oder gar keine Wirkungen auf das Auftreten schwerer Augenerkrankungen. Sie verringern möglicherweise den Bedarf an Bluttransfusionen und verringern wahrscheinlich schwere Darmprobleme und schwere Hirnblutungen.

  • Angesichts der Vorteile dieser Medikamente sollte sich künftige Forschung damit befassen, wie diese Medikamente gut in den klinischen Alltag eingeführt und für alle Betroffenen verfügbar und finanziert werden können.

Warum ist eine niedrige Anzahl roter Blutkörperchen ein Problem für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht?

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff durch den Körper und sind für eine gute Gesundheit wichtig. Frühgeborene (Neugeborene, die vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht können unter einem Mangel an roten Blutkörperchen leiden. Infolgedessen haben sie ein erhöhtes Sterberisiko, sind anfälliger für schwere Erkrankungen und benötigen unter Umständen Bluttransfusionen (die Zufuhr von Spenderblut direkt in eine Vene mittels Infusion). Neugeborene, die Bluttransfusionen erhalten, sind jedoch möglicherweise einem erhöhten Risiko für Infektionen, schwere Darmprobleme und Augenerkrankungen ausgesetzt.

Was sind Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe?

Erythropoese-stimulierende Wirkstoffe (ESAs) sind Medikamente, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen. Beispiele für ESA sind Erythropoetin und Darbepoetin.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob die Verabreichung von ESA an Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht in der ersten Lebenswoche Auswirkungen hat auf:

  • den Tod;

  • das Auftreten neurologischer Entwicklungsstörungen;

  • den Bedarf an Bluttransfusionen;

  • das Auftreten einer schweren Augenerkrankung (Frühgeborenen-Retinopathie);

  • das Auftreten schwerwiegender Darmprobleme (nekrotisierende Enterokolitis);

  • das Auftreten schwerer Hirnblutungen (intraventrikuläre Blutungen).

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien zu Frühgeborenen (mit einer Schwangerschaftsdauer von weniger als 37 Wochen) oder Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 Gramm) gesucht, denen in der ersten Lebenswoche ESA verabreicht wurden. Wir haben Studien einbezogen, in denen ESA mit Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand der Studienmethoden und -größen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 37 Studien mit insgesamt 6724 Säuglingen gefunden. Die Studien wurden weltweit durchgeführt; die meisten fanden jedoch in Europa statt (15 Studien). Die Studien umfassten zwischen 22 und 1258 Neugeborene.

Hauptergebnisse

Wir haben festgestellt, dass ESA im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung:

  • wahrscheinlich zu kaum oder gar keinen Unterschieden bei der Sterblichkeit (24 Studien, 5217 Säuglinge) führen;

  • möglicherweise mittelschwere bis schwere neurologische Entwicklungsstörungen verringern (3 Studien, 1707 Säuglinge);

  • möglicherweise den Bedarf an Bluttransfusionen verringern (21 Studien, 3507 Säuglinge);

  • kaum oder gar keine Wirkungen auf schwere Augenerkrankungen haben (14 Studien, 3844 Säuglinge);

  • wahrscheinlich das Risiko schwerwiegender Darmprobleme verringern (20 Studien, 5749 Säuglinge);

  • wahrscheinlich das Risiko schwerer Hirnblutungen verringern (9 Studien, 2458 Säuglinge).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes bis eingeschränktes Vertrauen in die Evidenz. In den Fällen, in denen unser Vertrauen begrenzt war, lag dies daran, dass das medizinische Personal möglicherweise wusste, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und wir über weniger Informationen und Erkenntnisse hinsichtlich der Wirkungen von Darbepoetin verfügen (in 35 Studien wurde Erythropoetin verwendet, während in nur zwei Studien Darbepoetin zum Einsatz kam). Zudem variierten die Behandlungen je nach Altersgruppe, und es ist unklar, wie einige Studien durchgeführt wurden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2025. Dieser Bericht aktualisiert unseren vorherigen Bericht aus dem Jahr 2020.

Anmerkungen zur Übersetzung

S. Gerstlauer, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Anarna K, Fiander M, Mitra S, Supported by the Cochrane Neonatal Group. Early erythropoiesis-stimulating agents in preterm or low-birthweight infants. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 5. Art. No.: CD004863. DOI: 10.1002/14651858.CD004863.pub7.

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