Welche Medikamente, die durch den Mund eingenommen oder gespritzt werden, eignen sich am besten zur Behandlung der Hauterkrankung Schuppenflechte (Plaque-Psoriasis)?

Hauptaussagen

- Nach einer sechsmonatigen Behandlung scheinen die so genannten "Biologika" am besten geeignet zu sein, um die Flecken der Schuppenflechte auf der Haut zu behandeln.

- Es sind längere Studien erforderlich, um den Nutzen und die potenziellen Schäden einer längeren Behandlung mit Arzneimitteln zu beurteilen, die zur Behandlung der Schuppenflechte gespritzt oder durch den Mund (oral) eingenommen werden.

- Es sind weitere Studien erforderlich, die diese Arten von Arzneimitteln direkt miteinander vergleichen.

Was ist Schuppenflechte?

Schuppenflechte ist eine Immunerkrankung, die die Haut und manchmal auch die Gelenke betrifft. Bei der Schuppenflechte kommt es zu einer beschleunigten Produktion neuer Hautzellen, die sich zu hervorstehenden Flecken auf der Haut, den so genannten "Plaques", zusammenballen. Plaques können auch schuppig sein, jucken und auf weisser Haut rot bzw. auf dunklerer Haut als dunklere Flecken erscheinen. Die Plaque-Psoriasis ist die häufigste Form der Schuppenflechte.

Wie wird Schuppenflechte behandelt?

Die Behandlung der Schuppenflechte hängt davon ab, wie stark die Symptome ausgeprägt sind. Etwa 10% bis 20% der Menschen mit mittelschwerer oder schwerer Schuppenflechte müssen Medikamente einnehmen, um diese zu kontrollieren. Die Medikamente beeinflussen ihr Immunsystem. Diese Medikamente werden als systemische Behandlungen bezeichnet, weil sie den ganzen Körper betreffen. Sie werden in der Regel oral eingenommen oder gespritzt.

Warum haben wir diesen Cochrane Review durchgeführt?

Es gibt drei verschiedene Arten von systemischen Arzneimitteln zur Behandlung von Schuppenflechte:

- „Biologika" - Proteine, wie z. B. Antikörper, die auf Interleukine und Zytokine abzielen (Teile des Immunsystems, die das Verhalten von Zellen beeinflussen);
- kleine Moleküle - organische Verbindungen, die auf Immunzellen einwirken; wie beispielsweise Apremilast; und
- nicht-biologische Arzneimittel, wie Methotrexat, Ciclosporin und Retinoide. Diese werden seit langem zur Behandlung von Schuppenflechte eingesetzt.

Wir wollten herausfinden, welchen Nutzen und welche potenziellen Schäden die Einnahme von systemischen Arzneimitteln zur Behandlung der Schuppenflechte mit sich bringt und ob bestimmte Arzneimittel besser wirken als andere.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen systemische Arzneimittel zur Behandlung der Schuppenflechte getestet wurden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben die Evidenz bis Oktober 2021 berücksichtigt.

Was haben wir gefunden?

Wir haben 167 Studien gefunden, darunter 19 neue Studien seit unserer letzten Suche (Oktober 2021). In den Studien wurden 20 verschiedene Arzneimittel getestet, die 58.912 Menschen mit Schuppenflechte (Durchschnittsalter 44.5 Jahre) einschlossen und eine Laufzeit von zwei bis sechs Monaten hatten. Von den 137 Studien, die ihre Finanzierungsquelle angaben, wurden 127 Studien von einem Pharmaunternehmen finanziert und zehn von nicht-kommerziellen Organisationen oder akademischen Einrichtungen.

In den meisten Studien wurde das systemische Arzneimittel mit einem Placebo verglichen (eine "Scheinbehandlung", die keinen Wirkstoff enthält, aber genauso aussieht wie das getestete Arzneimittel). Sie verwendeten die gängige Messskala namens PASI (Psoriasis Area and Severity Index), um zu vergleichen, wie gut die einzelnen Arzneimittel die Schuppenflechte-Flecken zum Abklingen brachten. Dabei wurde eine 90-prozentige Verbesserung („PASI 90") angestrebt. Nur wenige Studien berichteten über das Wohlbefinden der Teilnehmenden.

Wir haben alle Medikamente mit Hilfe einer mathematischen Methode, der so genannten Netzwerk-Metaanalyse, miteinander verglichen.

Was sind die Hauptergebnisse unseres Reviews?

Alle getesteten Arzneimittel wirkten bei der Behandlung der Schuppenflechte besser als ein Placebo (gemessen als 90%ige Verbesserung des PASI-Wertes).

Biologische Arzneimittel (die auf die Interleukine 17, 23 und 12/23 sowie auf das Zytokin TNF-alpha abzielen) behandelten die Schuppenflechte besser als nicht-biologische Arzneimittel.

Im Vergleich zu Placebo wirkten vier biologische Arzneimittel am besten bei der Behandlung der Schuppenflechte, wobei es kaum Unterschiede zwischen ihnen gab:

- Infliximab (gegen TNF-alpha);

- Ixekizumab und Bimekizumab (gegen Interleukin-17); und

- Risankizumab (gegen Interleukin-23).

Bei keinem der getesteten systemischen Arzneimitteln wurde in der Zahl der schwerwiegenden Nebenwirkungen ein signifikanter Unterschied verglichen mit Placebo festgestellt. Die Studien lieferten jedoch keine konsistenten Ergebnisse zur Sicherheit, z. B. in Bezug auf schwerwiegende Nebenwirkungen. Wir konnten daher kein zuverlässiges Risikoprofil für systemische Arzneimittel erstellen.

Limitationen bezüglich der Evidenz

Wir sind zuversichtlich, was unsere Ergebnisse für die vier biologischen Arzneimittel (Infliximab, Iwekizumab, Bimekizumab und Risankizumab) betrifft, die bei der Behandlung der Psoriasis am besten funktioniert haben. Bei den schwerwiegenden Nebenwirkungen sind wir aufgrund der geringen Zahl der gemeldeten Nebenwirkungen weniger sicher.

Auch bei den nicht-biologischen Arzneimitteln sind wir weniger zuversichtlich, was die Ergebnisse anbelangt, da die Art und Weise, wie einige der Studien durchgeführt wurden, bedenklich war. Weitere Forschung wird diese Ergebnisse wahrscheinlich verändern.

Für einige der 20 Arzneimittel, die wir in unsere Untersuchung einbezogen haben, fanden wir nicht viele Studien. Die Teilnehmenden hatten zu Beginn der Studien häufig eine schwere Schuppenflechte, so dass unsere Ergebnisse für Menschen mit einer weniger schweren Schuppenflechte möglicherweise nicht von Nutzen sind. Unsere Ergebnisse beziehen sich nur auf die Behandlung mit systemischen Medikamenten für maximal sechs Monate.

Anmerkung der Herausgeber: Dies ist ein „Living Systematic Review“. Living Systematic Reviews bieten einen neuen Ansatz für die Aktualisierung, bei dem der Review laufend aktualisiert wird und relevante neue Evidenz eingearbeitet wird, sobald diese verfügbar ist. Bitte sehen Sie in der Cochrane Database of Systematic Reviews nach, um den aktuellen Stand dieses Reviews einzusehen.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

C. Barth, A. Borchard, freigegeben durch Cochrane Schweiz

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