Ist eine antibiotische Prophylaxe wirksam und sicher bei Frauen, die vaginal-operativ entbinden?

Worum geht es?

Wir untersuchten, ob die Verabreichung von Antibiotika an alle Frauen, die vaginal-operativ entbinden (Verwendung von Saugglocke oder Zange), Infektionen bei der Mutter verhindern ohne andere nachteilige Endpunkte bei Mutter und Säugling zu begünstigen.

Warum ist das wichtig?Frauen, die mithilfe einer Saugglocke oder Zange entbinden, könnten anfälliger für Infektionen nach der Geburt sein im Vergleich zu Frauen, die eine spontane vaginale Geburt erleben. Ebenso könnte die Wahrscheinlichkeit einer Wiederaufnahme ins Krankenhaus nach der Geburt erhöht sein. Die Hauptgründe für eine vaginal-operative Entbindung sind eine lange Austreibungsphase, Verdacht auf Schwierigkeiten mit dem Säugling und der Wunsch die Dauer der Austreibungsphase für die Mutter zu verkürzen.

Prophylaktische Antibiotika könnten verwendet werden, um das Risiko für Infektionen zu verringern oder ihm vorzubeugen. Dennoch gibt es Zweifel am Nutzen der Verwendung von prophylaktischen Antibiotika zur Verringerung von Infektionen nach vaginal-operativen Entbindungen.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir suchten im Juli 2017 nach Evidenz und fanden nur eine Studie, die 1989 publiziert wurde. Die Studie schloss 393 Frauen ein, die entweder eine Geburt mit Saugglocke oder eine Zangengeburt hatten. Die Studie verglich Frauen, die das Antibiotikum Cefotetan erhielten mit Frauen, die keine Behandlung erhielten. Es gab keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen im Hinblick auf Alter, vorherige Schwangerschaften und anderen wichtigen Merkmalen. Die einzigen zwei Endpunkte von denen in der Studie berichtet wurde waren Infektion der Gebärmutter (Endometritis) und die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Die Studie berichtete, dass in der Gruppe, die keine Antibiotika erhielt, sieben Frauen eine Infektion der Gebärmutter (Endometritis) hatten. Es wurde berichtet, dass keine Frau in der Antibiotika-Gruppe eine Infektion hatte. Die Verabreichung von Antibiotika hatte keine Wirkung auf die Länge des Krankenhausaufenthaltes der Mütter in beiden Gruppen. Die Qualität der Evidenz für diese zwei Endpunkte wurde als niedrig eingestuft: die Evidenz kommt von einer einzigen Studie, die eine sehr geringe Anzahl an Frauen eingeschlossen hatte und nur über zwei Endpunkte berichtete.

Was bedeutet das?

Die Evidenz dieser Studie lässt vermuten, dass eine antibiotische Prophylaxe im Hinblick auf Endometritis oder Dauer des Krankenhausaufenthalts der Mutter möglicherweise zu einem geringen oder gar keinem Unterschied führen könnte. Es gab keine Daten zu anderen Endpunkten, durch die man die Wirkung von Antibiotika auf die Prävention von Infektionen nach vaginal-operativer Entbindungen hätte ermitteln können. Zukünftige Forschung zu antibiotischer Prophylaxe bei vaginal-operativen Entbindungen wird benötigt, um Evidenz zu erhalten, ob diese Intervention nützlich ist oder nicht.

Übersetzung: 

N. Tittlbach, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information
Share/Save

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.