Kernaussagen
Hausbesuche durch medizinisches Fachpersonal oder Ehrenamtliche nach der Entlassung von zu Frühgeborenen oder Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht aus dem Krankenhaus erhöhen wahrscheinlich die Zahl der Kinder, die gestillt werden. Das kann dazu beitragen, dass mehr Kinder ausschließliche gestillt werden, verglichen mit Situationen ohne Hausbesuche.
Intensivere Hausbesuche durch speziell geschultes medizinisches Fachpersonal senken im Vergleich zu weniger intensiven Hausbesuchen wahrscheinlich das Risiko, dass Neugeborene sterben oder schwer an einer bakteriellen Infektion erkranken.ntensivere Hausbesuche bedeuten, dass das Fachpersonal die Familien häufiger oder länger besucht. Es ist beispielsweise speziell für die Betreuung von Frühgeborenen geschult und unterstützt die Eltern beim Hautkontakt mit ihrem Kind (Känguru-Methode).
Es sind weitere, größere Studien erforderlich, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen.
Was sind Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht?
Neugeborene, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gelten als Frühgeborene. Solche, die bei der Geburt weniger als 2,5 kg wiegen, gelten als Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht. Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht haben häufiger gesundheitliche Probleme als termingerecht geborene oder normalgewichtige Neugeborene, insbesondere im ersten Lebensjahr. Auch für die Eltern oder Betreuungspersonen kann die Versorgung dieser Kinder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden sin.
Was sind Hausbesuche und warum können sie sinnvoll sein?
Bei Hausbesuchen besuchen geschulte Gesundheitsfachkräfte, Ehrenamtliche oder Pflegekräfte die Familien zu Hause, nachdem das Neugeborene aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Sie zeigen den Eltern, wie sie ihr Neugeborenes zu Hause versorgen und in seiner Entwicklung fördern können. Außerdem achten sie darauf, ob gesundheitliche Probleme auftreten. Hausbesuche können sich darin unterscheiden, wie häufig und wie lange sie stattfinden, wer sie durchführt und welche Art von Betreuung die Familien erhalten.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Hausbesuche nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Gesundheit der Neugeborenen und die psychische Gesundheit ihrer Eltern und Betreuungspersonen verbessern sowie die Bindung zum Kind stärken können.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, in denen Folgendes miteinander verglichen wurde:
Hausbesuche bei Familien mit Frühgeborenen oder Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht im Vergleich zu keinen Hausbesuchen; oder
intensivere Hausbesuche im Vergleich zu weniger intensiven Hausbesuchen im Rahmen der Regelversorgung.
Intensivere Hausbesuche konnten bedeuten, dass die Besuche häufiger stattfanden oder länger dauerten, speziell geschulte Gesundheitsfachkräfte eingesetzt wurden oder zusätzliche Betreuungsangebote vorgesehen waren. Dazu gehörte beispielsweise die Unterstützung beim Hautkontakt zwischen Eltern und Kind (Känguru-Methode).
Was fanden wir heraus?
Wir fanden 35 Studien. Davon lieferten 28 Studien mit insgesamt 12.021 Neugeborenen und 10.056 Eltern oder Betreuungspersonen Daten, die wir für unsere Auswertung nutzen konnten. Die Studien wurden weltweit durchgeführt, allerdings nur wenige davon in Ländern mit niedrigem Einkommen.
Hausbesuche im Vergleich zu keinen Hausbesuchen
Wir wissen nicht, ob Hausbesuche das Risiko senken, dass Neugeborene im ersten Lebensjahr sterben (1 Studie, 79 Neugeborene).
Hausbesuche haben möglicherweise nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Neugeborenen (3 Studien, 287 Neugeborene) und wahrscheinlich nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf ihre motorischen Fähigkeiten (1 Studie, 127 Neugeborene).
Wir wissen nicht, ob Hausbesuche das Risiko für Durchfall bei Neugeborenen senken (1 Studie, 179 Neugeborene).
Hausbesuche haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Wachstum der Neugeborenen im Alter von sechs Monaten (1 Studie, 179 Neugeborene).
Hausbesuche erhöhen wahrscheinlich den Anteil der Neugeborenen, die im Alter von sechs Monaten gestillt werden (4 Studien, 1.217 Neugeborene). Sie führen möglicherweise auch dazu, dass deutlich mehr Neugeborene in diesem Alter ausschließlich gestillt werden, also nur Muttermilch und keine anderen Nahrungsmittel oder Getränke erhalten (3 Studien, 1.129 Neugeborene).
Intensivere Hausbesuche im Vergleich zu weniger intensiven Hausbesuchen (im Rahmen der Regelversorgung)
Intensivere Hausbesuche, bei denen die Eltern auch bei der Känguru-Methode unterstützt werden, senken wahrscheinlich das Risiko, dass die Neugeborenen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate sterben (1 Studie, 8.402 Neugeborene).
Intensivere Hausbesuche haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die kognitiven oder motorischen Fähigkeiten der Kinder im Alter von einem Jahr (jeweils 1 Studie mit 552 Kindern).
Intensivere Hausbesuche mit Unterstützung bei der Känguru-Methode senken wahrscheinlich geringfügig das Risiko, dass die Kinder im Alter von drei Monaten an Durchfall erkranken (1 Studie, 7.654 Neugeborene) oder innerhalb der ersten 28 Lebenstage eine schwere bakterielle Infektion entwickeln (1 Studie, 8.384 Neugeborene).
Intensivere Hausbesuche haben wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf das Körpergewicht der Kinder (1 Studie, 7.086 Neugeborene). Sie verringern wahrscheinlich geringfügig den Anteil der Kinder, die im Alter von sechs Monaten stark untergewichtig sind (1 Studie, 6.641 Neugeborene).
Intensivere Hausbesuche haben möglicherweise kaum oder keinen Einfluss auf das Stillen nach sechs Monaten (1 Studie, 308 Neugeborene). Die Wirkung auf das ausschließliche Stillen ist unklar (3 Studien, 7.091 Neugeborene).
Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von moderat bis sehr gering, da viele Studien nur wenige Teilnehmende einschlossen und methodische Schwächen aufwiesen.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.
S. Gerstlauer, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.




