Kernaussagen
• Die Behandlung einer Blinddarmentzündung erfolgt in der Regel durch minimalinvasive Chirurgie (laparoskopische Operation oder Schlüssellochchirurgie). Diese Operation kann mit mehreren Schnitten oder mit einem einzigen Schnitt durchgeführt werden. Derzeit gibt es keinen Konsens darüber, welcher Ansatz besser ist.
• Die Entfernung des Blinddarms über einen einzigen Schnitt führt wahrscheinlich zu einem besseren kosmetischen Ergebnis, also zu einem günstigeren optischen Erscheinungsbild des Bauches. Allerdings muss während des Eingriffs möglicherweise häufiger von der ursprünglich geplanten Vorgehensweise abgewichen werden: Es werden dann zwei oder mehr zusätzliche Schnitte nötig oder es muss auf eine offene Operation mit einem größeren Schnitt umgestellt werden.
• Das Risiko für Komplikationen ist wahrscheinlich ähnlich, unabhängig davon, ob der Blinddarm über einen einzigen oder über mehrere Schnitte entfernt wird. Die beiden Verfahren sind wahrscheinlich auch hinsichtlich der Dauer des Krankenhausaufenthalts, der Geschwindigkeit der Rückkehr zu normalen Aktivitäten und der Schmerzen in den ersten 24 Stunden nach der Operation vergleichbar.
Was ist eine Blinddarmentzündung und wie wird sie behandelt?
Eine Blinddarmentzündung ist eine Entzündung des Blinddarms, die verschiedene Ursachen haben kann. Wenn eine Blinddarmentzündung nicht behandelt wird, kann der Blinddarm platzen und zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen. Die häufigste Behandlung einer Blinddarmentzündung ist die operative Entfernung des Blinddarms. Antibiotika können für manche Patientinnen und Patienten eine sinnvolle Alternative sein, doch den meisten wird weiterhin eine Operation empfohlen. Die Operation wird meist laparoskopisch durchgeführt, was auch als „Schlüssellochchirurgie” bekannt ist. Die Operation erfolgt über kleine Schnitte, durch die Instrumente und eine Videokamera in den Bauch eingeführt werden können.
Was wollten wir herausfinden?
Die laparoskopische Operation wird in der Regel über mehrere kleine Schnitte durchgeführt. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass sie auch über einen einzigen Schnitt möglich ist. Befürworter*innen dieser Technik gehen davon aus, dass sie für die Patient*innen und Patienten mit weniger Schmerzen verbunden ist. Deshalb wollten wir herausfinden:
1) Ist die Operation mit einem einzigen Schnitt mit weniger Schmerzen und einem besseren kosmetischen Ergebnis verbunden?
2) Ist die Operation mit einem einzigen Schnitt genauso sicher wie die mit mehreren Schnitten?
Wie sind wir vorgegangen?
Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, in denen die beiden Techniken zur Behandlung einer vermuteten Blinddarmentzündung verglichen wurden. Dabei werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeteilt. Wir haben die Studienergebnisse verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien bewertet.
Was haben wir herausgefunden?
Wir fanden 11 Studien mit insgesamt 1373 Teilnehmenden: 689 wurden einer Operation mit einem einzigen Schnitt zugeteilt, 684 einer Operation mit mehreren Schnitten. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war niedrig bis moderat, dass die Patient*innnen in der Gruppe mit einem einzigen Schnitt ein besseres kosmetisches Ergebnis und eine ähnliche Häufigkeit unerwünschter Wirkungen hatten als in der herkömmlichen Gruppe mit mehreren Schnitten. In der Gruppe mit einem einzigen Schnitt war das Risiko höher, dass während der Operation auf mehrere Schnitte oder auf eine offene Operation mit einem größeren Schnitt umgestellt werden musste. Manchmal waren auch zusätzliche Schnitte nötig, um weitere Zugänge für den Eingriff zu schaffen. Es zeigte sich kein Unterschied bei den Schmerzen nach der Operation, bei der Zahl von Darm- oder Gefäßverletzungen, Wundinfektionen, Blutungen im Bauchraum, einem paralytischen Ileus (einer vorübergehenden Lähmung der Darmbewegung), der Dauer des Krankenhausaufenthalts oder der Zeit bis zur Rückkehr zu normalen Aktivitäten.
Was schränkt die Evidenz ein?
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering bis moderat. Die geringe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist darauf zurückzuführen, dass manche Ergebnisse in den Studien unterschiedlich gemessen wurden und dass die Studien nicht verblindet waren.Das bedeutet, dass die Teilnehmenden wussten, welche Art von Operation sie bekommen hatten. Dadurch kann es sein, dass sich Teilnehmende oder Behandlungsteam anders verhalten haben, weil die Gruppenzugehörigkeit bekannt war.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand von 20. Januar 2024.
Übersetzende der Universität Heidelberg, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland