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Hilft Kühlen nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks?

Hilft Kühlen nach Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks – und gibt es Risiken?

Kernaussagen

Verglichen mit einer Scheinbehandlung kann die Anwendung von Kälte auf das Knie nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks möglicherweise helfen: den Blutverlust zu verringern, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit des Kniegelenks zu verbessern und kurzfristig Schwellungen am Knie zu reduzieren. Weniger sicher ist die Wirkung von Kühlen auf den Bedarf an Bluttransfusionen, die Kniegelenksfunktion, die Schmerzlinderung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Lebensqualität oder das Aktivitätsniveau. In den Studien wurden insgesamt nur wenige unerwünschte Ereignisse berichtet. Es gab keinen Hinweis auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, allerdings ist die Evidenz sehr unsicher.

Was ist eine Kniearthrose und wann kann ein Gelenkersatz notwendig werden?

Eine Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, zum Beispiel des Kniegelenks. Eine Arthrose im Kniegelenk kann Schmerzen verursachen, die Kniegelenksfunktion einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose kann ein Gelenkersatz die Beschwerden langfristig verbessern. In den ersten Monaten nach der Operation – die Erholungsphase kann bis zu sechs Monate dauern – fühlen sich viele Betroffene jedoch geschwächt und im Alltag eingeschränkt. Bei einer „Kältetherapie“ (Kryotherapie) wird die Haut rund um eine Verletzung oder eine Operationswunde gezielt gekühlt, also mit niedrigen Temperaturen behandelt. Die Kühlung kann zum Beispiel mit Eisbeuteln erfolgen. Es gibt aber auch spezielle Geräte, die kaltes Wasser durch eine Manschette oder ein Polster rund um das Knie leiten.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Kryotherapie in den ersten 48 Stunden nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks den Blutverlust, die Schmerzen und die Funktion des Kniegelenks beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine Kryotherapie nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit einer Scheinbehandlung (Placebo) verglichen wurde. Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen, verglichen sie und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz – zum Beispiel danach, wie gut die Studien geplant und durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilgenommen haben.

Was fanden wir?

Wir schlossen 22 Studien ein, in denen Patient*innen nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit einer beliebigen Form von Kryotherapie (mit oder ohne andere Behandlungen) behandelt und mit Patient*innen verglichen wurden, die keine Kryotherapie erhielten. Insgesamt umfassten die Studien 1839 Teilnehmende im Alter zwischen 64 und 74 Jahren. Uns interessierten vor allem Ergebnisse aus der akuten Phase – also aus den ersten 48 Stunden nach der Operation. Einige Studien beobachteten die Teilnehmenden jedoch länger und erfassten Ergebnisse noch bis zu 12 Wochen nach dem Eingriff.

Hauptergebnisse

Blutverlust

Bei den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, war der Blutverlust im Zeitraum bis 13 Tage nach dem Eingriff möglicherweise im Mittel um 264 ml geringer.

- Die Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, verloren im Mittel 561 ml Blut.

- Die Teilnehmenden, die keine Kryotherapie erhielten, verloren im Mittel 825 ml Blut.

Schmerzen (niedrigere Werte bedeuten eine niedrigere Schmerzintensität)

Zwei Tage nach der Operation bewerteten die Teilnehmenden mit Kryotherapie ihre Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 im Durchschnitt im Mittel möglicherweise um 1,6 Punkte niedriger als die Vergleichsgruppe.

- Die Teilnehmenden mit Kryotherapie bewerteten ihre Schmerzen im Durchschnitt mit 3,2 von 10 Punkten.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie gaben ihre Schmerzen im Durchschnitt mit 4,8 von 10 Punkten an.

Bluttransfusionen

Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, bekamen im Zeitraum bis 13 Tage nach dem Eingriff möglicherweise 42 von 100 mehr eine Bluttransfusion.

- Von 100 Personen, die eine Kryotherapie erhielten, bekamen möglicherweise 79 eine Bluttransfusion

- Von 100 Personen ohne Kryotherapie bekamen möglicherweise 37 eine Bluttransfusion.

Beweglichkeit des Kniegelenks

Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus konnten die Teilnehmenden mit Kryotherapie ihr Knie möglicherweise um etwa 8 Grad weiter beugen als diejenigen ohne Kryotherapie.

- Die Teilnehmenden mit Kryotherapie konnten ihr Knie bei der Entlassung möglicherweise bis etwa 71 Grad beugen.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie konnten ihr Knie bei der Entlassung bis etwa 63 Grad beugen.

Kniegelenksfunktion

Die Kniegelenksfunktion war bei den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, zwei Wochen nach der Operation auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten möglicherweise um 13,2 Punkte besser.

- Die Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, erreichten möglicherweise einen durchschnittlichen Funktionswert von 88,6 Punkten.

- Die Teilnehmenden ohne Kryotherapie erreichten möglicherweise einen durchschnittlichen Funktionswert von 75,4 Punkten.

Unerwünschte Ereignisse insgesamt

In den ersten 30 Tagen nach der Operation berichtete niemand in der Kryotherapie-Gruppe über mehr unerwünschte Ereignisse (0 von 100).

- Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, berichteten 2,7 von 100 über das Auftreten von unerwünschten Ereignissen.

- In der Gruppe ohne Kryotherapie berichteten etwa 2 von 100 Personen über unerwünschte Ereignisse.

Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse

Sehr wenige Personen brachen die Studien wegen unerwünschter Wirkungen ab. Der Unterschied zwischen den Gruppen war sehr klein und die Evidenz sehr unsicher.

- Von den Teilnehmenden, die eine Kryotherapie erhielten, schieden 0,4 von 100 aus den Studien aus.

- Von den Teilnehmenden, die keine Kryotherapie erhielten, schieden 0,2 von 100 aus den Studien aus.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist gering, dass die Kältetherapie den Blutverlust, die Schmerzen und die Beweglichkeit des Kniegelenks leicht verbessert. Wir sind uns sehr unsicher, ob die Kältetherapie den Bedarf an Bluttransfusionen beeinflusst, die Kniegelenksfunktion verbessert oder das Risiko für unerwünschte Ereignisse verändert. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für diese Endpunkte ist sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz ist eingeschränkt, weil viele Studien methodische Schwächen hatten. So wurden Teilnehmende nicht immer zufällig den Behandlungen zugeteilt, manche schieden vorzeitig aus, und häufig wussten die Teilnehmenden, welche Behandlung sie erhielten. Zudem gab es nur wenige Studien oder Teilnehmende, und die Ergebnisse unterschieden sich teilweise deutlich zwischen den Studien.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. Mai 2022.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Zitierung
Aggarwal A, Adie S, Harris IA, Naylor J. Cryotherapy following total knee replacement. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 10. Art. No.: CD007911. DOI: 10.1002/14651858.CD007911.pub4.

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