Kernaussagen
• Es ist möglich, dass TEG (Thromboelastographie) und ROTEM (Thromboelastometrie), die Aufschluss über den Transfusionsbedarf geben, die Sterblichkeit, die Menge des verlorenen Bluts und den Bedarf an Blutprodukten sowie die Notwendigkeit weiterer Operationen verringern können. Dies ist jedoch sehr unsicher. Diese Erkenntnisse beziehen sich vor allem auf Menschen mit Herzoperation.
• Uns lagen keine Informationen über unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit dieser Diagnostik vor (bspw. Überdiagnostik, die dazu führt, dass Therapien zu früh eingeleitet werden).
• Die Evidenz ist sehr lückenhaft und es sind weitere Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl erforderlich, insbesondere bei Kindern und Personen in anderen Kontexten als der Herzchirurgie.
Was sind TEG und ROTEM?
Die Thromboelastographie (TEG) und die Thromboelastometrie (ROTEM) sind Blutanalysegeräte für den Einsatz am Krankenbett, die zur Überwachung der Blutgerinnung und zur Steuerung von Transfusionen von Blutprodukten eingesetzt werden. Starke Blutungen und Gerinnungsstörungen sind schwerwiegende klinische Zustände, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergehen.
Zu den Blutprodukten zählen rote Blutkörperchen, frisch gefrorenes Plasma (FFP = fresh frozen plasma), Gerinnungsfaktorkonzentrate, spezielle Gerinnungsfaktorkonzentrate wie ein Kryopräzipitat oder Thrombozyten.
Warum ist das für Menschen mit starken Blutungen wichtig?
Probleme mit starken Blutungen und der Blutgerinnung können durch eine Reihe von Faktoren verursacht werden, die jeweils unterschiedlich behandelt werden müssen. Bei Menschen mit Blutungen infolge einer Operation, eines Traumas (schwere körperliche Verletzung) oder einer Entbindung lässt sich die Gerinnungsfähigkeit des Blutes mithilfe von TEG- und ROTEM-Tests überwachen. Diese Untersuchungen werden am Krankenbett durchgeführt, um Informationen in Echtzeit zu liefern.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten die Nutzen und Risiken des TEG- oder ROTEM-gesteuerten Einsatzes von Blutprodukten bei der Behandlung von Menschen mit schweren Blutungen und Blutgerinnungsstörungen untersuchen. Dies wurde mit der Verwendung von Standard-Labortests und dem klinischen Urteil der Ärzte verglichen.
Uns interessierten die Wirkungen auf:
• Todesfälle jeglicher Ursache;
• die Verwendung von Blutprodukten;
• die Menge des Blutverlusts;
• die Notwendigkeit einer weiteren Operation;
• die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus;
- jegliche unerwünschte Wirkungen.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob Blutgerinnungsanalysegeräte (TEG oder ROTEM) zur Steuerung der Transfusion von Blutprodukten bei Erwachsenen oder Kindern mit schweren Blutungen im Krankenhaus die Sterblichkeit senken. Die Analysegeräte wurden mit oder ohne weitere Laboruntersuchungen eingesetzt und mit Transfusionsentscheidungen verglichen, die auf klinischer Einschätzung, standardmäßiger Labortests oder beidem basierten.
Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz basierend auf Faktoren wie der Studienmethodik und der Anzahl der Teilnehmenden bewertet.
Was fanden wir heraus?
Wir haben 35 Studien (randomisierte kontrollierte Studien) gefunden, an denen 3096 Erwachsene teilnahmen. Bei den meisten dieser Patienten traten nach einer geplanten Herzoperation starke Blutungen auf.
Hauptergebnisse
Die Anwendung einer TEG- oder ROTEM-gesteuerten Behandlung bei Patienten mit schweren Blutungen könnte im Zusammenhang stehen mit:
• einer niedrigeren Sterblichkeit (19 Studien, 1868 Personen).
• einem geringeren Bedarf an Blutprodukten: frisch gefrorenes Plasma (18 Studien, 1536 Personen) oder Thrombozyten (20 Studien, 1607 Personen).
• keinem Unterschied in der Menge der Erythrozytenkonzentrate (21 Studien, 2003 Teilnehmer).
• weniger erneuten Operationen (13 Studien, 1204 Personen).
• weniger Blutverlust (19 Studien, 1523 Personen).
In keiner der Studien wurden die Risiken einer TEG- oder ROTEM-gesteuerten Behandlung untersucht.
Wir sind sehr unsicher bezüglich dieser Ergebnisse.
Was schränkt die Evidenz ein?
• Die TEG- oder ROTEM-gesteuerte Behandlung muss an einer größeren Anzahl von Patienten, einschließlich Kindern, und bei verschiedenen Blutungsursachen untersucht werden, damit wir mehr Gewissheit über die Ergebnisse gewinnen können.
• Die Anzahl der Todesfälle (Mortalität) war das wichtigste Ergebnis dieses Reviews, jedoch hatte keine der einzelnen Studien ausreichend Teilnehmende, um einen Nutzen dafür nachzuweisen, da er selten auftritt.
• Viele der Studien schlossen Teilnehmende mit geplanter Herzoperation ein, bei der der Blutkreislauf während des Eingriffs außerhalb des Körpers aufrechterhalten wird. Die Ergebnisse könnten je nach Ursache der starken Blutung variieren.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.
S. Gerstlauer, A.Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.