Kernaussagen
Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen haben möglicherweise kurzfristig einen geringen positiven Einfluss auf die Knochenentwicklung und die Gewichtszunahme.
Bewegungsprogramme haben möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf die Zunahme der Körperlänge bei Frühgeborenen.
Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramm das Risiko von Frakturen (Knochenbrüchen) beeinflussen, und wir verfügen nicht über ausreichende Informationen, um langfristig den Nutzen oder mögliche Risiken zu bewerten.
Was versteht man unter einer beeinträchtigten Knochenentwicklung und einem verminderten Wachstum bei Frühgeborenen?
Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren) werden häufig so versorgt, dass körperliche Aktivität möglichst vermieden wird, um Stress und damit verbundene Komplikationen zu verringern. Ein Mangel an körperlicher Aktivität könnte jedoch die Knochenentwicklung und das Knochenwachstum beeinträchtigen, insbesondere bei Frühgeborenen mit einem sehr geringen Geburtsgewicht (weniger als 1500 g). Dies könnte langfristige Folgen haben, wie sie auch bei Kindern und Erwachsenen beobachtet werden, die über längere Zeit bettlägerig sind.
Was sind Bewegungsprogramme?
Bewegungsprogramme umfassen tägliche Übungen über mehrere Wochen, bei denen die Gelenke der Arme und Beine für einige Minuten sanft bewegt und belastet werden.
Was bedeutet Knochenmineralisierung?
Bei der Knochenmineralisierung werden Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Phosphor, in das neu gebildete Knochengewebe eingelagert. Dadurch werden die Knochen fest und stabil.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme während des ersten Krankenhausaufenthalts dazu beitragen, dass sich die Knochen von Frühgeborenen besser entwickeln und die Kinder besser wachsen. Wir wollten diese Wirkungen sowohl am Ende des Bewegungsprogramms als auch 12 bis 24 Monate nach dem errechneten Geburtstermin untersuchen. Außerdem wollten wir untersuchen, ob diese Programme das Risiko für Frakturen (Knochenbrüche) beeinflussen.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, in denen Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen mit einer Versorgung ohne strukturiertes Bewegungsprogramm verglichen wurden.
Was fanden wir heraus?
Wir haben 15 kleine Studien mit 434 Frühgeborenen in unsere Übersichtsarbeit einbezogen.
Wir stellten fest, dass Frühgeborene, die über mehrere Wochen täglich Bewegungsübungen erhielten, am Ende des Programms möglicherweise eine geringfügig bessere Knochenmineralisierung und eine etwas stärkere Gewichtszunahme aufwiesen.
Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme den Knochenmineralgehalt langfristig beeinflussen, da keine der eingeschlossenen Studien diese Wirkung untersuchte. Es gab keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Bewegungsprogramm einen Einfluss auf das Längenwachstum haben. Die Evidenz zur Wirkung von Bewegungsprogrammen auf das Risiko für Knochenbrüche (Frakturen) ist sehr unsicher.
Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist gering bis sehr gering, vor allem weil viele der eingeschlossenen Studien nur wenige Teilnehmende hatten oder methodische Schwächen aufwiesen. Wenn die Ergebnisse mehrerer Studien zusammengefasst wurden, waren sie häufig ungenau und unterschieden sich teilweise deutlich voneinander. Aus diesen Gründen sind wir unsicher, ob Bewegungsprogramme die Knochenmineralisierung, die Gewichtszunahme, das Längenwachstum oder das Risiko für Knochenbrüche nennenswert beeinflussen.
Die verfügbare Evidenz beschränkt sich auf Ergebnisse, die während des ersten Krankenhausaufenthalts erhoben wurden. Zu den langfristigen Wirkungen liegen keine Daten vor.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.
S. Gerstlauer, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.




