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Hilft körperliches Training bei Depressionen?

Kernaussagen

  • Im Vergleich zu keiner Therapie verringert körperliches Training möglicherweise die Symptome einer Depression in moderatem Ausmaß.

  • Die Evidenz deutet darauf hin, dass es nur einen geringen bis gar keinen Unterschied in der Verringerung der Depressionssymptome durch körperliches Training im Vergleich zu Psychotherapien oder Antidepressiva geben könnte. Diese Schlussfolgerung stützt sich allerdings auf wenige kleine Studien.

  • In den Studien wurden die Ergebnisse am Ende der Behandlung gemessen; die meisten Teilnehmenden wurden nicht längerfristig nachbeobachtet.

  • Unerwünschte Wirkungen des körperlichen Trainings traten nur selten auf und betrafen nur eine kleine Anzahl von Teilnehmenden.

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine psychische Störung, die sich durch eine anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit (Anhedonie) sowie mangelnden Antrieb äußert. Depressionen sind weit verbreitet: Weltweit sind über 100 Millionen Menschen davon betroffen. Depressionen können erhebliche Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Wie wird eine Depression behandelt?

Forschungen haben gezeigt, dass sowohl Medikamente (Antidepressiva) als auch psychotherapeutische Behandlungen, bei denen die Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen der Menschen beeinflusst werden sollen, bei Depressionen wirksam sein können. Viele Menschen möchten jedoch auch alternative Methoden ausprobieren. (Anmerkung: Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression (Version 3.2.2022) empfiehlt sportliche Aktivitäten als mögliche unterstützende Maßnahme bei Depressionen.)

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob körperliches Training die Symptome einer Depression verringert und die Lebensqualität von Menschen mit Depressionen verbessert. Wir wollten auch herausfinden, wie körperliches Training im Vergleich zu Medikamenten, Psychotherapie und alternativen Behandlungen abschneidet. Wir wollten außerdem herausfinden, ob körperliches Training mit unerwünschten Wirkungen einhergeht und ob der gesundheitliche Nutzen in einem guten Verhältnis zu den Kosten steht. Dieser Review ist eine Aktualisierung der Version aus dem Jahr 2013.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), d. h. Studien, in denen Personen nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungsgruppe zugewiesen wurden und in denen die die Wirksamkeit von körperlichem Training zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen (ab 18 Jahren) untersucht wurde. In den Studien wurde körperliches Training entweder mit einer anderen aktiven Behandlung (z. B. Medikamenten oder Psychotherapie) oder mit einer inaktiven Intervention verglichen, z. B. keine Behandlung, Warteliste oder einer Scheinbehandlung. Alle Studien schlossen Erwachsene mit einer Depressionsdiagnose ein, und die durchgeführte körperliche Aktivität musste unserer Definition von "körperlichem Training" entsprechen.

Wir haben die Studienergebnisse systematisch beschrieben, bewertet und zusammengefasst. Unser Vertrauen in die Evidenz haben wir auf der Grundlage von Faktoren wie der Größe der Studien und den verwendeten Methoden beurteilt. Wir haben in medizinischen Datenbanken nach Studien bis November 2023 gesucht.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 73 Studien, an denen 4985 Erwachsene mit Depressionen beteiligt waren. Das Risiko einer systematischen Verzerrung war bei einigen der Studien hoch, was unser Vertrauen in die Ergebnisse einschränkte.

Körperliches Training führt im Vergleich zu keiner Therapie möglicherweise zu einer Verringerung der depressiven Symptome. Allerdings ist die Evidenz zu langfristigen Wirkungen unsicher.

Wahrscheinlich gibt es bei den depressiven Symptomen nur geringe oder keine Unterschiede zwischen Menschen, die körperlich trainieren, und solchen, die eine Psychotherapie erhalten. Möglicherweise gibt es bei den depressiven Symptomen nur geringe oder keine Unterschiede zwischen Menschen, die körperlich trainieren, und solchen, die Medikamente (Antidepressiva) erhalten.

Es scheint keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Interventionen hinsichtlich ihrer Akzeptanz als Behandlung zu geben, gemessen an der Zahl der Teilnehmenden, die die Studien abschlossen.

Der Nutzen von körperlichem Training in Bezug auf die Lebensqualität ist im Vergleich zu keiner Behandlung, Psychotherapie oder medikamentöser Therapie uneinheitlich und unsicher.

Unerwünschte Ereignisse durch das körperliche Training waren nicht häufig. Die wenigen Teilnehmenden, die unerwünschte Wirkungen angaben, berichteten überwiegend über Muskel- und Gelenkbeschwerden oder eine Verschlechterung der depressiven Symptome.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der Studien umfassten eine relativ kleine Anzahl von Personen und zeigten in methodischer Hinsicht ein hohes Risiko für systematische Verzerrungen. Außerdem wurde in den meisten Studien die Wirkung von körperlichem Training nur über einen kurzen Zeitraum untersucht. Diese Faktoren schränken unser Vertrauen in die Ergebnisse dieses Reviews ein. Künftige Studien sollten die methodische Qualität verbessern, herausfinden, welche Arten von körperlichem Training für unterschiedliche Personengruppen wirksam sind, und sicherstellen, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen eingeschlossen werden, um Aspekte der gesundheitlichen Chancengleichheit angemessen zu berücksichtigen.

Zielsetzungen

Ziel ist es zu prüfen, wie wirksam körperliches Training bei der Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen ist: im Vergleich zu keiner Intervention, einer Wartelistenkontrolle oder einem Placebo, oder als Zusatz zu einer bereits etablierten Behandlung, die beide Gruppen (Trainierende und Nicht-Trainierende) gleichermaßen erhalten.

Wir wollten auch herausfinden, wie wirksam körperliches Training bei Erwachsenen mit Depressionen im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen (z. B. Psychotherapie, Medikamente oder andere Maßnahmen wie Lichttherapie) ist.

Suchstrategie

Wir durchsuchten das Cochrane Depression, Anxiety and Neurosis Review Group's Controlled Trials Register (CCDANCTR) bis November 2013. Wir haben MEDLINE, Embase, PsycINFO und das Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL) von 2013 bis November 2023 durchsucht. Es wurden keine Datums- oder Sprachbeschränkungen angewandt.

Schlussfolgerungen der Autoren

Körperliches Training ist möglicherweise bei der Verringerung der Symptome von Depressionen moderat wirksamer als eine Kontrollintervention. Körperliches Training wirkt möglicherweise ähnlich gut wie Psychotherapien oder Medikamente. Diese Aussage beruht jedoch nur auf wenigen kleinen Studien. Langzeitwirkungen sind noch unklar, da nur wenige Studien Nachbeobachtungen einschlossen.

Die Aufnahme von 35 weiteren randomisierten Studien (mit mindestens 2526 Teilnehmenden) änderte die Einschätzung des Nutzens von körperlichem Training bei depressiven Symptomen nur sehr geringfügig. Weitere gut gemachte Studien sind nötig, um zu klären, welche Bewegungsformen für welche Menschen helfen und welche Rolle gesundheitliche Chancengleichheit dabei spielt.

Finanzierung

Diese Aktualisierung erfolgte ohne finanzielle Unterstützung. Die Reviewautor*innn AC, JH, CH und CW wurden vom National Institute for Health and Care Research Applied Research Collaboration North West Coast (NIHR ARC NWC) teilfinanziert. Die geäußerten Ansichten sind die der Autoren und nicht unbedingt die des NHS, NIHR oder des Ministeriums für Gesundheit und Soziales.

Registrierung

Protokolle und frühere Versionen: DOI 10.1002/14651858.CD004366; DOI 10.1002/14651858.CD4366.pub2; DOI 10.1002/14651858.CD4366.pub3; DOI 10.1002/14651858.CD4366.pub4; DOI 10.1002/14651858.CD4366.pub5; DOI 10.1002/14651858.CD4366.pub6

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS, Harris C, Smith CJ, Lightbody CE, Dwan K, Cooney GM, Mead GE, Watkins CL. Exercise for depression. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 1. Art. No.: CD004366. DOI: 10.1002/14651858.CD004366.pub7.

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