Psychologische Interventionen zur Stärkung der Resilienz von Auszubildenden im Gesundheitswesen

Hintergrund
Auszubildende (einschließlich Studierender) im Gesundheitswesen (z.B. in Medizin, Pflege, Geburtshilfe, Rettungswesen, Physiotherapie oder sozialer Arbeit) haben eine hohe Lern-Arbeitslast, müssen Prüfungen bestehen und sind menschlichem Leiden ausgesetzt. Dies kann nachteilige Auswirkungen auf ihre körperliche und seelische Gesundheit haben. Interventionen (Behandlungen), die sie vor solchen Belastungen zu schützen sollen, werden Resilienz-Interventionen genannt. Vorausgegangene systematische Reviews deuten darauf hin, dass Resilienz-Interventionen Auszubildenden dabei helfen können, mit Stress umzugehen und sie vor nachteiligen Auswirkungen auf ihre körperliche und seelische Gesundheit zu schützen.

Fragestellung
Verbessern psychologische Interventionen zur Förderung der Resilienz die Resilienz, die seelische Gesundheit und andere, mit der Resilienz von Auszubildenden im Gesundheitswesen verbundene Faktoren?

Datum der Suche
Die Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2019. Die Ergebnisse einer aktualisierten Suche in vier wichtigen Datenbanken im Juni 2020 sind noch nicht in den Review eingeschlossen worden.

Studienmerkmale
Wir fanden 30 randomisierte kontrollierte Studien (Studien, in denen die Teilnehmer anhand eines Verfahrens ähnlich dem Werfen einer Münze entweder einer Interventionsgruppe oder einer Kontrollgruppe (Vergleichsgruppe) zugeteilt werden). Die Studien untersuchten eine Reihe von Resilienz-Interventionen bei Teilnehmern, die durchschnittlich zwischen 19 und 38 Jahre alt waren.

Auszubildende im Gesundheitswesen waren im Fokus von 22 Studien mit insgesamt 1315 Teilnehmern (für zwei Studien gab es keine Angaben). Acht Studien schlossen gemischte Stichproben (1365 Teilnehmer) von Auszubildenden im Gesundheitswesen und Auszubildenden außerhalb des Gesundheitswesens ein.

Acht der eingeschlossenen Studien verglichen eine auf Achtsamkeit basierende Resilienz-Intervention (d.h. eine Intervention, die die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment fördert, ohne Urteile) mit unspezifischen Vergleichen (z.B. dem Verbleib auf einer Warteliste, mit Durchführung der Intervention nach einer Wartezeit). Die meisten Interventionen (17/30) wurden in Gruppen durchgeführt, mit einer hohen Behandlungsintensität von mehr als 12 Stunden oder Sitzungen (11/30), und wurden „face-to-face“ durchgeführt (d.h. in direktem Kontakt mit „face-to-face“-Treffen zwischen der Person, die die Intervention durchführte, und den Teilnehmern; 17/30).

Die eingeschlossenen Studien wurden aus unterschiedlichen Quellen (z.B. Universitäten, Stiftungen) oder einer Kombination unterschiedlicher Quellen finanziert (vier Studien). Sieben Studien nannten keinen Förderer, und drei Studien erhielten keine finanzielle Unterstützung.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Eine Reihe von Faktoren verringert das Vertrauen in die Antwort auf die Frage, ob Resilienz-Interventionen wirksam sind. Dazu zählen Einschränkungen der methodischen Gestaltung der Studien, unterschiedliche Ergebnisse der Studien, die kleine Teilnehmerzahl der meisten Studien und die Tatsache, dass die Ergebnisse auf bestimmte Teilnehmer, Interventionen und Vergleiche beschränkt waren.

Hauptergebnisse
Für Auszubildende im Gesundheitswesen verbessert ein Resilienz-Training möglicherweise die Resilienz sowie Angst- und Stresssymptome direkt nach Behandlungsende. Resilienz-Interventionen scheinen depressive Symptome nicht zu verringern und das Wohlbefinden nicht zu verbessern. Die in diesem Review enthaltene Evidenz ist jedoch begrenzt und sehr ungewiss. Dies bedeutet, dass wir momentan sehr wenig Vertrauen darin haben, dass Resilienz-Interventionen einen Unterschied in den untersuchten Endpunkten bewirken, und dass sich die Ergebnisse durch weitere Forschung mit hoher Wahrscheinlichkeit ändern werden.

Nur sehr wenige Studien berichteten über den kurz- und mittelfristigen Einfluss von Resilienz-Interventionen. Langfristige Nachuntersuchungen waren für keinen Endpunkt verfügbar. In den Studien wurde eine Vielzahl verschiedener Endpunkte und Interventionsformen untersucht, was das Formulieren allgemeiner Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen erschwert. Unerwünschte Ereignisse wurden nur in vier Studien untersucht, von denen drei keine unerwünschten Wirkungen ergaben und eine keine Ergebnisse berichtete. Weitere Forschung, von hoher methodischer Qualität und mit verbesserter Studiengestaltung, ist erforderlich.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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