Gebärmutterhalsverschluss (Cerclage) in Kombination mit anderen Behandlungen zur Verhinderung spontaner Frühgeburten bei Einlingsschwangerschaften

Wir haben die Ergebnisse randomisierter, kontrollierter Studien über die Auswirkungen der Cerclage in Kombination mit anderen Behandlungen zur Verlängerung der Schwangerschaft bei Frauen mit hohem Risiko für einen Schwangerschaftsverlust und mit einem einzigen Kind analysiert. Weitere Behandlungen erfolgten in demselben Zeitraum, in dem die Cerclage chirurgisch eingesetzt wurde.

Worum geht es?

Der Gebärmutterhals ist ein zylinderförmiger Gewebehals, der die Vagina mit der Gebärmutter verbindet. Der Gebärmutterhals sollte während der Schwangerschaft geschlossen bleiben. Jedoch haben manche Schwangere eine Gebärmutterhalsschwäche, die zu einer schmerzfreien Öffnung des Gebärmutterhalses führt. Dies kann zu einer späten Fehlgeburt oder einer Frühgeburt vor der 37 Schwangerschaftswoche führen. Eine Cerclage ist ein chirurgischer Eingriff, der im zweiten Trimester durchgeführt wird, indem eine Naht um den Gebärmutterhals gesetzt wird, die der Frau helfen soll, die Schwangerschaft bis zur 37 Woche auszutragen. Andere Behandlungen, die mit der Cerclage kombiniert werden können, sind Antibiotika, vaginale Stützeinlagen (Pessare), das Einsetzen einer zweiten Cerclage, Mittel zur Entspannung der Gebärmutter (Tokolytika), Progesteron (Hormonpräparate), langkettige mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren und Bettruhe.

Warum ist das wichtig?

Die Diagnose der Gebärmutterhalsschwäche wird anhand der Vorgeschichte der Frau mit Schwangerschaftsverlusten oder Frühgeburten im zweiten Trimester, einer Ultraschalluntersuchung oder einer körperlichen Untersuchung gestellt. Die Verhinderung von Frühgeburten ist eine Priorität im Gesundheitswesen, da sie weltweit die Hauptursache für Krankheit und Todesfällen von Säuglingen sind. Eine Cerclage in Kombination mit anderen Behandlungen könnte dazu beitragen, Frühgeburten bei Frauen mit Einlingsschwangerschaften zu verhindern, da ein einzelne Cerclage bei schwangeren Frauen mit früheren Frühgeburten und kurzer Gebärmutterhalslänge oder -schwäche möglicherweise nicht ausreicht.

Was wurde in dem Review untersucht?

Wir wollten wissen, ob eine Cerclage zusätzlich zu einer der verschiedenen Behandlungen (Verabreichung von Antibiotika, vaginales Pessar, verstärkte oder zweite Cerclage, Uterusrelaxanzien oder Progesteron) die Schwangerschaft bei Frauen mit Einlingsschwangerschaften und einem hohen Risiko für einen Schwangerschaftsverlust verhindern kann.

Welche Evidenz fanden wir?

Wir haben die Literatur bis zum 26. September 2019 nach Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien durchsucht. Es wurden nur zwei Studien mit insgesamt 73 Frauen identifiziert. Nur eine Studie mit 50 Mutter-Baby-Paaren lieferte Ergebnisse, die in dieses Review eingeschlossen wurde. In der Studie wurde die Cerclage in Kombination mit Indometacin (Tokolytikum) und den Antibiotika Cefazolin oder Clindamycin mit der Cerclage allein verglichen. Die Frauen wussten, welche Behandlung sie erhielten.

Wir sind uns über die Auswirkungen der Massnahmen nicht im Klaren, da wir für die folgenden wichtigsten Ergebnisse in diesem Review sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz fanden: schwerwiegende Komplikationen, Verlust des Babys (nur Daten für Fehl- und Totgeburten - für die Anzahl der Babys, die innerhalb von 28 Tagen nach der Geburt starben, waren keine Daten verfügbar) oder Frühgeburt vor der 34. vollendeten Schwangerschaftswoche. Es gab keine Totgeburten (Tod im Mutterleib nach 24 oder mehr Wochen).

Daten über den Tod des Neugeborenen bei der Entlassung oder über die Anzahl der gesund nach Hause entlassenen Babys waren nicht verfügbar.

Was bedeutet das?

Wir fanden keine ausreichende Evidenz, um die Wirkung einer Kombination aus einem Tokolytikum (Indomethacin) und Antibiotika (Cefazolin/Clindamycin) mit dem Einsetzen einer Cerclage im Vergleich zum alleinigen Einsetzen einer Cerclage zur Verhinderung spontaner Frühgeburten bei Frauen mit Einlingsschwangerschaften zu bewerten.

Wir haben keine Studien gefunden, in denen andere Behandlungen in Kombination mit dem Setzen einer Cerclage untersucht wurden. Weitere Forschungsarbeiten müssen sich auf die Rolle anderer Massnahmen konzentrieren, wie beispielsweise ein vaginales Stützpessar (Medizinprodukt), das Setzen von verstärkenden oder zweiten Cerclages, 17-alpha-Hydroxyprogesteron-Caproat, Dydrogesteron oder vaginales mikronisiertes Progesteron, eine Supplementierung mit langkettigen mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und Bettruhe.

Künftige Studien sollten eine ausreichende Zahl von Frauen einschliessen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Die sollten auch das Risiko des Todes des Babys kurz nach der Geburt sowie die Zahl der Babys, die gesund nach Hause entlassen werden, untersuchen.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

S.A. Genier, A. Walther, freigegeben durch Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA (www.fondation-sana.ch)

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