Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms mittels zielgerichteter Therapie („targeted therapy“)

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Basierend auf niedriger bis hoher Vertrauenswürdigkeit der Evidenz scheinen mehrere Kombinationen von Immunkontrollpunkt-Inhibitoren hinsichtlich PFS und OS und mit einem günstigen AE-Profil einer zielgerichteten Einzeltherapie überlegen zu sein. Einige zielgerichtete Monotherapien zeigten im Vergleich zu anderen eine ähnliche oder verbesserte onkologische Wirkung; innerhalb dieser Gruppe wurden für den Endpunkt AE geringfügige Abweichungen beobachtet. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz variierte von hoch bis sehr niedrig, und alle Vergleiche basierten auf Einzelstudien.

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Hintergrund: 

Seit der Publikation eines Cochrane Reviews zu zielgerichteten Therapien (targeted therapy) bei metastasiertem Nierenzellkarzinom im Jahr 2008 sind mehrere vergleichende randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) durchgeführt worden, in denen die Kombinationen von Tyrosinkinaseinhibitoren (TKIs) und Immuncheckpointinhibitoren untersucht worden sind. Dieser Review stellt eine Aktualisierung des ursprünglichen Reviews dar.

Zielsetzungen: 

Ziel dieses Reviews ist es, die Wirkungen zielgerichteter Therapien bei Patienten mit klarzelligem metastasiertem Nierenzellkarzinom (mNZK) ohne vorherige Systemtherapie zu untersuchen.

Suchstrategie: 

Wir führten eine umfassende Suche ohne Einschränkungen bezüglich der Sprache oder des Publikationsstatus durch. Das Datum der aktuellsten Suche war der 18.06.2020.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen randomisierte, kontrollierte Studien ein, für die Patienten mit klarzelligem mNZK ohne vorherige Systemtherapie rekrutiert wurden. Die Indexintervention war jegliche TKI-basierte zielgerichtete Therapie.

Datensammlung und ‐analyse: 

Zwei Review-Autoren bewerteten unabhängig voneinander die eingeschlossenen Studien und extrahierten die Daten für die primären Endpunkte: Progressionsfreies Überleben (progression-free survial, PFS), Gesamtüberleben (overall survival, OS) und schwerwiegende Nebenwirkungen (severe adverse events, SAEs); sowie die sekundären Endpunkte: Gesundheitsbezogene Lebensqualität (health-related quality of life, QoL), Ansprechrate und geringfügige Nebenwirkungen (adverse events, AEs). Wir führten die statistischen Analysen mittels des Random-Effects-Modells durch und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz mit dem GRADE-Ansatz.

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen 18 RCTs mit insgesamt 11.590 Teilnehmern ein, die 18 Vergleichen randomisiert zugeteilt wurden. Der Fokus dieser Zusammenfassung liegt auf den primären Endpunkten für ausgewählte Vergleiche.

1. Pazopanib vs. Sunitinib

Pazopanib bewirkt möglicherweise lediglich einen geringfügigen bis keinen Unterschied im Endpunkt PFS im Vergleich zu Sunitinib (Hazard Ratio (HR) 1,05; 95% Konfidenzintervall (KI) 0,9-1,23; 1 Studie, 1.110 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 420 je 1.000 nach 12 Monaten entspricht dieses Ergebnis 18 je 1000 Teilnehmern weniger, die progressionsfrei bleiben (95% KI 76 weniger bis 38 mehr). Pazopanib bewirkt möglicherweise lediglich einen geringfügigen bis keinen Unterschied im OS im Vergleich zu Sunitinib (HR 0,92; 95% KI 0,8-1,06; 1 Studie, 1.110 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 550 je 1.000 nach 12 Monaten entspricht dieses Ergebnis 27 je 1.000 Teilnehmern mehr, die überleben (95% KI 19 weniger bis 70 mehr). Pazopanib bewirkt möglicherweise lediglich einen geringfügigen bis keinen Unterschied im Auftreten von SAEs im Vergleich zu Sunitinib (Risk Ratio (RR) 1,01; 95% KI 0,94-1,09; 1 Studie, 1.102 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 734 je 1.000 entspricht dieses Ergebnis 7 je 1.000 Teilnehmern mehr, die ein SAE erleiden (95% KI 44 weniger bis 66 mehr).

2. Sunitinib vs. Avelumab und Axitinib

Sunitinib reduziert wahrscheinlich das PFS im Vergleich zu Avelumab und Axitinib (HR 1,45, 95% KI 1,17-1,80; 1 Studie, 886 Teilnehmer; moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 550 pro 1.000 nach 12 Monaten entspricht dieses Ergebnis 130 je 1000 Teilnehmern weniger, die progressionsfrei bleiben (95% KI 209 bis 53 weniger). Sunitinib bewirkt möglicherweise lediglich einen geringfügigen bis keinen Unterschied im OS im Vergleich zu Avelumab und Axitinib (HR 1,28; 95% KI 0,92-1,78; 1 Studie, 886 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 890 je 1000 nach 12 Monaten entspricht dieses Ergebnis 29 je 1000 Teilnehmern weniger, die überleben (95%KI 78 weniger bis 8 mehr). Sunitinib bewirkt möglicherweise lediglich einen geringfügigen bis keinen Unterschied im Auftreten von SAEs im Vergleich zu Avelumab und Axitinib (RR 1,01; 95% KI 0,93-1,10; 1 Studie, 873 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 705 je 1.000 entspricht dieses Ergebnis 7 je 1.000 Teilnehmern mehr, die ein SAE erleiden (95%KI 49 weniger bis 71 mehr).

3. Sunitinib vs. Pembrolizumab und Axitinib

Sunitinib reduziert wahrscheinlich das PFS im Vergleich zu Pembrolizumab und Axitinib (HR 1,45, 95%KI 1,19-1,76; 1 Studie, 861 Teilnehmer; moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 590 je 1.000 nach 12 Monaten entspricht dieses Ergebnis 125 je 1.000 Teilnehmern weniger ,die progressionsfrei bleiben (95% KI 195 bis 56 weniger). Sunitinib reduziert wahrscheinlich das OS im Vergleich zu Pembrolizumab und Axitinib (HR 1,90; 95% KI 1,36-2,65; 1 Studie, 861 Teilnehmer; moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 880 je 1.000 nach 12 Monaten entspricht dieses Ergebnis 96 je 1.000 Teilnehmern weniger, die überleben (95% KI 167 bis 40 weniger). Sunitinib reduziert möglicherweise das Auftreten von SAEs im Vergleich zu Pembrolizumab und Axitinib, obwohl das Konfidenzintervall auch die Möglichkeit keines Effektes mit einschließt (RR 0,90; 95% KI 0,81-1,02; 1 Studie, 854 Teilnehmer; geringe niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 604 je 1.000 entspricht dieses Ergebnis 60 je 1.000 Teilnehmern weniger, die ein SAE erleiden (95% KI 115 weniger bis 12 mehr).

4. Sunitinib vs. Nivolumab und Ipilimumab

Sunitinib reduziert möglicherweise PFS im Vergleich zu Nivolumab und Ipilimumab (HR 1,35; 95% KI 1,11-1,52; 1 Studie, 874 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 280 je 1.000 nach 30 Monaten Nachbeobachtungszeit entspricht dieses Ergebnis 89 je 1.000 Teilnehmern weniger, die progressionsfrei bleiben (95% KI 136 bis 37 weniger). Sunitinib reduziert das OS im Vergleich zu Nivolumab und Ipilimumab (HR 1,52; 95% KI 1,23-1,89; 1 Studie, 874 Teilnehmer; hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 600 pro 1.000 nach 30 Monaten entspricht dieses Ergebnis 140 je 1.000 Teilnehmern weniger, die überleben (95% KI 219 bis 67 weniger). Sunitinib erhöht wahrscheinlich das Auftreten von SAEs im Vergleich zu Nivolumab und Ipilimumab (RR 1,37; 95% KI 1,22-1,53; 1 Studie, 1.082 Teilnehmer; moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Basierend auf dem Kontroll-Ereignisrisiko in dieser Studie von 457 je 1.000 entspricht dieses Ergebnis 169 je 1.000 Teilnehmern mehr, die ein SAE erleiden (95% KI 101 bis 242 mehr).

Übersetzung: 

L. Kranz, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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