Videofeedback zur Förderung der Feinfühligkeit von Eltern und der Bindung von Kindern an ihre Eltern

Hintergrund

Kinder, die an mindestens ein Elternteil sicher gebunden sind, können sich in Stresssituationen von diesem Elternteil trösten lassen und ihre Umwelt selbstbewusster erkunden, da dieses Elternteil ihnen einen „sicheren Hafen“ bietet. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine sichere Bindung alle Aspekte der kindlichen Entwicklung positiv beeinflusst. Die Förderung einer sicheren Bindung ist daher ein Ziel vieler Programme, die darauf abzielen, Kinder und Familien in den ersten Lebensjahren des Kindes zu unterstützen. Bei einem Videofeedback werden Eltern kurze Momente der auf Video aufgenommenen Interaktion (Wechselbeziehung) zwischen ihnen und ihrem Baby gezeigt, um ihre Feinfühligkeit (Sensitivität) für die Signale des Babys zu stärken und so die Bindung zu verbessern.

Fragestellung

Ziel des Reviews war die Bewertung der Wirkungen von Videofeedback auf die elterliche Feinfühligkeit und die Bindungssicherheit bei Kindern im Alter unter fünf Jahren, bei denen ein Risiko für Entwicklungsstörungen besteht, im Vergleich zu keiner Intervention (keine Behandlung), einer Scheinbehandlung (wie z. B. einem Telefonanruf) oder der üblichen Behandlung.

Eingeschlossene Studien

In diesen Review wurden 22 Studien mit 1889 randomisierten Eltern-Kind-Paaren oder Familien eingeschlossen. Nicht alle dieser Studien konnten in einer Metaanalyse statistisch zusammengefasst werden (eine Metaanalyse ist ein statistisches Verfahren, bei dem Daten aus mehreren Studien zusammengefasst werden, um zu einer einzigen, aussagekräftigeren Schlussfolgerung zu gelangen). Wir fassten Daten aus 20 Studien (mit 1757 Eltern-Kind-Paaren) statistisch zusammen, um die Wirkungen von Videofeedback auf die elterliche Feinfühligkeit zu untersuchen. Wir fassten Daten aus einer geringeren Anzahl von Studien statistisch zusammen, um die Bindungssicherheit, elterlichen Stress, elterliche Angst und das Verhalten von Kindern zu betrachten.

Die eingeschlossenen Studien wurden hauptsächlich in Kanada, den Niederlanden, Großbritannien und den USA durchgeführt. Einzelne Studien wurden in Italien, Deutschland, Litauen, Norwegen und Portugal durchgeführt.

Für fast alle Studien wurde eine Form der externen Förderung, entweder von einer Wohltätigkeitsorganisation (n = 7) und/oder einer öffentlichen Einrichtung (n = 18), berichtet.

Ergebnisse

Die Ergebnisse erbringen Evidenz für eine Verbesserung der elterlichen Feinfühligkeit nach einem Videofeedback. Die Ergebnisse in Bezug auf die Bindungssicherheit waren gemischt: Eine Metaanalyse zeigte, dass die Behandlungsgruppe sicherer gebunden war, während die zweite Metaanalyse, in der die Bindungssicherheit auf eine andere Art erhoben wurde, keine Evidenz für eine Wirkung zeigte. Es gab keine Evidenz für Wirkungen auf elterliche Ängste oder Stress. Die elterliche Reflexionsfunktion wurde in keiner Studie untersucht. Es gab keine Evidenz für Wirkungen auf das Verhalten von Kindern.

Vertrauenswürdigkeit der Studien

Wir bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz (d. h. das Ausmaß unseres Vertrauens in die Richtigkeit und Angemessenheit der Ergebnisse) als moderat für die elterliche Feinfühligkeit und als niedrig oder sehr niedrig für die anderen untersuchten Endpunkte. Das bedeutet: Wir sind hinreichend sicher, dass Videofeedback die elterliche Feinfühligkeit kurzfristig verbessert, aber wir sind nicht sehr sicher, wie sich Videofeedback auf unsere anderen Ergebnisse auswirkt.

Schlussfolgerungen der Autoren

Videofeedback kann eine hilfreiche Methode zur Verbesserung der elterlichen Feinfühligkeit sein, aber es gibt zurzeit nur wenige oder gar keine Evidenz dafür, dass es die Bindungssicherheit des Kindes, elterlichen Stress, elterliche Ängste oder das Verhalten des Kindes verbessert. Es besteht ein Bedarf an weiteren Untersuchungen zu den Wirkungen von Videofeedback auf andere Aspekte, einschließlich der elterlichen Reflexionsfunktion und Wirkungen speziell auf Väter.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

K. Jones, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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