Verwendung von qualitativer Evidenz zur Identifikation von Faktoren, die Pflegende in Intensivstationen beeinflussen, Leitlinien zu nutzen, um Erwachsene und Kinder von künstlicher Beatmung zu entwöhnen

Hintergrund

Viele schwerkranke Erwachsene und Kinder, die in Intensivstationen behandelt werden, können nicht selbst atmen. In dem Fall, werden sie an ein mechanisches Beatmungsgerät angeschlossen, welches ihnen hilft zu atmen. Zu lange an einem Beatmungsgerät zu hängen erhöht die Wahrscheinlichkeit schädlicher Auswirkungen, einschließlich Trauma und Lungeninfektionen sowie Komplikationen aufgrund langanhaltender Immobilität, wie Blutgerinnsel in den Beinen oder der Lunge. Deshalb suchen Forscher Möglichkeiten, bei Patienten, sobald dies gefahrlos möglich ist, die Beatmungsgeräte abzuschalten (das heißt sie zu entwöhnen). Eine Möglichkeit besteht darin, Leitlinien oder Protokolle zu nutzen.Zwei kürzlich veröffentlichte Cochrane Reviews fassten die Evidenz verschiedener Studien zusammen. Einige Studien zeigten, dass Protokolle erfolgreich die Zeit am Beatmungsgerät reduzierten, wohingegen andere Studien zeigten, dass der Gebrauch von Protokollen zu keinem Unterschied in der Zeit am Beatmungsgerät führt. Diese gegensätzlichen Ergebnisse könnten durch viele Faktoren verursacht worden sein. Die Forscher, die diese Faktoren untersucht haben, bedienten sich qualitativer Forschungsmethoden. Diese umfassen für gewöhnlich das Reden mit Menschen oder das Beobachten ihres Verhaltens, oder beides.

Fragestellung des Reviews

Was sind die Faktoren, die beeinflussen wie medizinisches Fachpersonal Protokolle nutzt, um Erwachsene und Kinder von künstlicher Beatmung zu entwöhnen?

Methoden

Um Studien zu bestimmen, die qualitative Methoden anwenden, recherchierten wir im Februar 2015 in relevanten elektronischen Datenbanken von Journals. Wir durchsuchten auch die Referenzlisten von Artikeln, kontaktierten die Autoren aller Studien, die in den beiden früheren Reviews und in unserem qualitativen Review enthalten waren, und kontaktieren Experten im Feld der künstlichen Beatmung. Wir kombinierten die Ergebnisse der relevanten Studien, um einen Review der Evidenz darüber zu erhalten, was medizinisches Fachpersonal darin beeinflusst, Protokolle zu nutzen. Wir kombinierten dann unseren Review mit den Ergebnissen der beiden früheren Reviews, um erklären zu können, warum einige der Studien gezeigt haben, dass die Protokolle wirkungsvoll sind und andere, dass sie es nicht sind. Wir erreichten dies, indem wir Erklärungen dafür fanden, wie verschiedene Faktoren zusammenspielen, um den Gebrauch von Protokollen entweder zu fördern oder zu hindern. Wir stellten diese Erklärungen in einem "Logikmodell" dar.

Wichtigste Ergebnisse

Unser Review enthielt 11 Studien, mit ungefähr 267 Teilnehmern; fünf weitere Studien müssen noch klassifiziert werden. Wir identifizierten mehrere potentielle Faktoren, die die Nutzung von Protokollen hindern beziehungsweise fördern. Erstens benutzen Ärzte nur unter bestimmten Umständen Protokolle, andernfalls bevorzugten sie es anhand ihres eigenen Wissens und Könnens zu Entwöhnen. Relativ unerfahrenen Pflegern fehlte es oft an Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Ein Protokoll könnte ihr Mitwirken bei der Entwöhnung fördern, weil es klare Anweisungen gab und sie sich dadurch auch sicherer fühlten. Obwohl erfahrenere Pfleger diese positiven Eigenschaften auch sahen, kritisierten sie die Protokolle. Diese gäben ihnen zuweilen vor, die Entwöhnung entgegen ihrem eigenen klinischen Ermessen durchzuführen. Zweitens könnten die praktischen Versorgungsregelungen in einer Intensivstation dem medizinischen Fachpersonal entweder helfen oder es daran hindern zusammenzuarbeiten und dabei beeinflussen, wie (gut) ein Protokoll angewendet wird. Drittens zeigte der Gebrauch des Protokolls, wie medizinisches Fachpersonal generell miteinander interagiert. Beispielsweise konnte der Erfahrungsgrad eines Pflegers oder eines Arztes andere in ihrer Zuversicht darin beeinflussen, ob sie sicher entwöhnen könnten. Aus diesem Grund neigten Ärzte dazu, Pfleger weniger einzubeziehen, welche sie in der Entwöhnung als relativ unerfahren einschätzen, auch wenn es ein Protokoll gab. Des weiteren war es für Pfleger schwierig in die Entwöhnung einbezogen zu werden, weil Ärzte einen höheren beruflichen Status oder Rang innehatten, auch mit Nutzung eines Protokolls. Außer der Arzt, mit dem der Pfleger zusammenarbeitete, stimmte dem zu.

Qualität der Evidenz

Wir entwickelten 35 zusammenfassende Aussagen. Unser Vertrauen in 17 der 35 Aussagen war ‘niedrig’, größtenteils weil die Evidenz, anhand derer sie erstellt wurden nur aus einer kleinen Anzahl von Studien kam. Unser Vertrauen in 13 der Aussagen war ‘moderat’, größtenteils weil die Evidenz, anhand derer sie erstellt wurden aus sehr gut durchgeführten Studien kam. Unser Vertrauen in fünf der Aussagen war hoch, größtenteils weil die Evidenz, anhand derer sie erstellt wurden aus der Mehrheit der Studien kam.

Übersetzung: 

H. Treiber, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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