Erhöhung des Bettkopfteils gegenüber einem flachen Bett zur Vorbeugung von beatmungsassoziierten Pneumonien bei Erwachsenen, die maschinell beatmet werden müssen

Hintergrund

Erwachsene, die schwer krank sind, benötigen oft eine Maschine, die ihnen dabei hilft, ihre Atmung aufrechtzuerhalten. Eine Nebenwirkung dieser Maschinen ist ein erhöhtes Risiko für eine Lungenentzündung. Diese wird als beatmungsassoziierte Pneumonie bezeichnet. Sie ist eine der Haupttodesursachen bei schwer kranken Patienten und kann zudem die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Kosten der Gesundheitsversorgung erhöhen. Der Winkel, in dem die beatmeten Patienten liegen, könnte eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung einer Lungenentzündung spielen.

Fragestellungen des Reviews

Eine Anhebung des Kopfendes des Bettes durch Erhöhung des Neigungswinkels des Krankenbettes könnte verhindern, dass eine Infektionsquelle in die Lunge gelangt. Wir untersuchten den Nutzen und Schaden einer halbsitzenden Lagerung zur Vorbeugung von beatmungsassoziierten Pneumonien bei schwer kranken erwachsenen Patienten, die eine maschinelle Beatmung benötigen. Ebenso untersuchten wir den besten Winkel der Kopfteil-Erhöhung bei einer halbsitzenden Position.

Studienmerkmale

Wir identifizierten 10 Studien mit 878 Teilnehmern. Bei 28 Teilnehmern konnte keine Nachbeobachtung durchgeführt werden. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. Oktober 2015. Alle Teilnehmenden wurden aus Intensivstationen rekrutiert und wurden länger als 48 Stunden maschinell beatmet.

Hauptergebnisse und Qualität der Evidenz

Evidenz von moderater Qualität aus acht Studien mit 759 Teilnehmern zeigte, dass eine halbsitzende (30º bis 60º) Position den klinischen Verdacht auf eine beatmungsassoziierte Pneumonie um 25,7 % verringert, verglichen mit einer Rückenlage von 0° bis 10°. Auf Grundlage dieses Ergebnisses würden wir erwarten, dass von 1000 schwerkranken erwachsenen Patienten, die länger als 48 Stunden in einer halbsitzenden Position (30º bis 60º) versorgt werden, 145 Patienten eine klinisch auffällige beatmungsassoziierte Pneumonie entwickeln würden, verglichen mit 402 Patienten, die in Rückenlage von 0° bis 10° versorgt werden. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Positionen bei der Verringerung der mikrobiologisch bestätigten beatmungsassoziierten Pneumonien (sehr niedrige Qualität der Evidenz), der Sterblichkeit (niedrige Qualität der Evidenz), der Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation (moderate Qualität der Evidenz), des Krankenhausaufenthalts (sehr niedrige Qualität der Evidenz), der Dauer der Beatmung oder der Verwendung von Antibiotika. Die hauptsächlichen Einschränkungen der Evidenz waren die geringe Anzahl an Teilnehmenden, die Daten zu den Analysen beisteuerten, und dass die Wissenschaftler bei einigen Studien wussten, aus welcher Behandlungsgruppe die Teilnehmenden kamen (Verzerrungsrisiko).

Nur zwei Studien mit 91 Teilnehmern verglichen verschiedene Winkel der Kopfteilerhöhung (45° gegenüber 25° bis 30° halbsitzende Position). Evidenz von sehr niedriger Qualität zeigte keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den Auswirkungen von beatmungsassoziierten Pneumonien (klinisch vermutet und mikrobiologisch bestätigt), der Sterblichkeit (Intensivstation und Krankenhaus), der Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation oder der Verwendung von Antibiotika. Nur eine Studie berichtete über das unerwünschte Ereignis eines Druckgeschwürs (Dekubitus) und fand keinen Unterschied zwischen der 45° halbsitzenden und der 10° liegenden Position. Es wurden keine weiteren unerwünschten Ereignisse wie Thromboembolien oder Nebenwirkungen auf Herzfrequenz oder Blutdruck berichtet.

Das Gleichgewicht zwischen Nutzen und Schaden einer halbsitzenden Lagerung bleibt aufgrund der begrenzten Anzahl von Studien und der niedrigen Qualität der vorhandenen Evidenz unklar. Es besteht ein Bedarf an weiterer qualitativ hochwertiger Evidenz zu den Auswirkungen der halbsitzenden gegenüber der liegenden Position und zu den optimalen Körperpositionen.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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