Direkt zum Inhalt

Welche Auswirkungen hat es auf Patient*innen, Behandlungsabläufe und Kosten, wenn im Krankenhaus Pflegefachkräfte bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen?

Auch verfügbar in

Kernaussagen

  • Übernehmen Pflegefachkräfte ausgewählte ärztliche Aufgaben, zeigen sich möglicherweise ähnliche Ergebnisse wie bei einer Durchführung durch Ärztinnen oder Ärzte.

  • Obwohl die wissenschaftliche Evidenz insgesamt unsicher ist, zeigen einzelne Studien Hinweise darauf, dass sich bestimmte Ergebnisse verbessern könnten, wenn Pflegefachkräfte ausgewählte ärztliche Aufgaben übernehmen. Dazu gehören in einigen Fällen klinische Endpunkte (z. B. körperliche und psychische Funktion sowie das Management von Diabetes oder Ekzemen) sowie Aspekte der Versorgungsqualität, etwa die Genauigkeit von Beurteilungen, die Einhaltung von Leitlinien, das Medikamentenmanagement, die Erkennung von Polypen oder die Dauer eines Eingriffs.

  • In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind künftige Studien erforderlich, bei denen Menschen nach dem Zufallsprinzip den Behandlungsgruppen zugewiesen werden.

Was genau ist mit der Übernahme von Versorgungsaufgaben durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärztin oder eines Arztes gemeint?

Eine Versorgung durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärztin oder eines Arztes bedeutet, dass bestimmte ärztliche Aufgaben von entsprechend qualifizierten Pflegefachkräften übernommen werden. Dazu gehören unter anderem die Aufnahme der Krankengeschichte, die Durchführung einer körperlichen Untersuchung, die Anordnung von Tests, die Verschreibung von Medikamenten sowie die Aufklärung der Patient*innen. Die Pflegefachkraft soll sicherstellen, dass die Versorgung der Patient*innen der üblichen ärztlichen Behandlung entspricht. Das Pflegepersonal kann diese Aufgaben entweder unabhängig von der Ärztin/dem Arzt oder unter deren/dessen Aufsicht wahrnehmen.

Das Gesundheitssystem steht stark unter Druck. Eine älter werdende Bevölkerung, mehr chronische Erkrankungen, eine hohe Arbeitsbelastung für das Personal, steigende Behandlungskosten und ein Mangel an Ärztinnen und Ärzten verschärfen die Situation zunehmend. Um eine gute Versorgungsqualität zu sichern und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten, setzen einige Länder verstärkt auf speziell qualifizierte Pflegefachpersonen, die bestimmte Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten übernehmen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob:

  • sich die Versorgung im Krankenhaus unterscheidet, je nachdem, ob sie von einer Pflegefachkraft oder von einer Ärztin bzw. einem Arzt übernommen wird. Dabei haben wir betrachtet, welche Auswirkungen dies auf die Patient*innen, auf den Versorgungsprozess sowie auf wirtschaftliche Aspekte wie Kosten hat.

  • sich die Ergebnisse der Versorgung – wenn sie von einer Pflegefachkraft statt von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt wird – je nach Rahmenbedingungen unterscheiden. Dabei interessierten uns insbesondere folgende Faktoren: die Art der Gesundheitseinrichtung, die Patientengruppe, die Erkrankung, die Art des Eingriffs oder der Behandlung, die Qualifikation und Position der Pflegefachkraft, eine zusätzliche spezialisierte Ausbildung, der Umfang der Verantwortung sowie die konkrete Form, in der ärztliche Aufgaben übernommen wurden (Art der Substitution).

Was haben wir gemacht?

Wir suchten nach Studien, in denen der Vergleich zwischen der Durchführung bestimmter Aufgaben durch eine Pflegefachkraft anstelle einer Ärzt*in im Krankenhaus untersucht wurde. Wir schlossen Studien ein, die folgende Ergebnisse untersuchten: Ergebnisse für Patientinnen und Patienten, zum Beispiel Todesfälle, Sicherheitsereignisse, klinische Ergebnisse, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit; Ergebnisse für den Versorgungsprozess, also wie gut die Behandlung durchgeführt wurde (z. B. Qualität und Genauigkeit der Versorgung), wirtschaftliche Ergebnisse, insbesondere direkte Kosten.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 82 Studien ein, die weltweit durchgeführt wurden, die meisten davon im Vereinigten Königreich (32 Studien). Die Studien umfassten insgesamt 28 041 Teilnehmende, wobei die Zahl der Teilnehmenden zwischen 7 und 1907 lag. Die meisten Studien hatten eine Laufzeit von 12 Monaten, zwei Studien dauerten bis zu fünf Jahre. Mehrere Studien endeten mit der Entlassung des Patienten bzw. der Patientin oder nach dem Eingriff.

Hauptergebnisse

  • Wir haben herausgefunden, dass die Übernahme bestimmter ärztlicher Aufgaben durch Pflegefachkräfte wahrscheinlich nur zu einer geringen bis gar keinen Veränderung der Sterblichkeitsrate und der Patientensicherheit führt. Möglicherweise kommt es zu einer leichten Verbesserung einiger klinischer Endpunkte (physische und psychische Funktion, Diabetes- und Ekzemmanagement). Die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte führt wahrscheinlich zu keinen oder nur geringen Unterschieden bei Lebensqualität und Selbstwirksamkeit der Patient*innen. In einzelnen Studien wurden bei bestimmten Prozessmerkmalen leichte Verbesserungen gesehen, zum Beispiel bei der Genauigkeit von Beurteilungen, der Befolgung von Praxisempfehlungen oder Aspekten des Medikamentenmanagements, dem Erkennen von Polypen oder der Zeit, bis ein Eingriff erfolgt. Es ist unklar, ob sich die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte auf die direkten Kosten auswirkt.

  • In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zeigte sich für die Lebensqualität in einer einzelnen, kleinen Studie möglicherweise ein Vorteil, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. In Ländern mit hohem Einkommen war die „relative Leistung“ bei konkreten Aufgaben und Prozessmaßen (z. B. leitliniengerechte Versorgung oder Zielerreichung) im Durchschnitt möglicherweise eher besser, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Insgesamt ist diese Evidenz wegen sehr unterschiedlicher Studien unsicher.

  • In einer Subgruppenanalyse nach Art der Erkrankung zeigte eine Studie bei Patient*innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dass ambulante Einrichtungen unter Leitung von Pflegefachkräften bei Prozess- und Zielerreichungsmaßen möglicherweise besser abschnitten als ärztlich geleitete Einrichtungen.

  • In von Pflegefachkräften geleiteten Ambulanzen sind die klinischen Ergebnisse möglicherweise geringfügig besser. Bei patient*innenrelevanten Endpunkten zeigte sich wahrscheinlich kaum oder kein Unterschied bei Todesfällen, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Aufgaben übernehmen. Ob sich die relative Leistung (bestimmte Prozess- und Qualitätsmaße) zwischen Pflegefachkräften und Ärzt*innen unterscheidet, ist insgesamt unsicher und variiert je nach Aufgabe und Versorgungskontext.

  • In der Subgruppenanalyse nach Qualifikationsniveau deuteten einzelne Studien darauf hin, dass es möglicherweise weniger Patientensicherheitsereignisse gibt, wenn speziell weitergebildete Pflegefachkräfte ärztliche Aufgaben übernehmen. Zwischen den verschiedenen Qualifikationsniveau zeigten sich keine klaren Unterschiede bei klinischen Endpunkten, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit.

  • Weniger Studien umfassten zusätzliche Qualifikationen für Ärzt*innen oder für fortgeschritten qualifizierte Pflegefachkräfte als für examinierte Pflegefachkräfte. Es zeigten sich keine klaren Unterschiede, wenn zusätzliche Schulungen und das Ausmaß an Verantwortung in den Analysen für die Endpunkte berücksichtigt wurden.

  • In Bezug auf die Art der Übernahme ärztlicher Aufgaben deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass bestimmte Prozess- und Qualitätsmaße (relative Leistung) in der Regelversorgung und in der erweiterten Versorgung möglicherweise eher besser ausfielen, wenn Pflegefachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernahmen; die Evidenz ist jedoch unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Aufgrund der Unterschiede bei den Teilnehmenden, den Interventionen und der Messung der Endpunkte, ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nur moderat oder gering. Außerdem wurden nur wenige Studien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 25. Juni 2024.

Anmerkungen zur Übersetzung

A. Zink, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Butler M, Kirwan M, Mc Carthy VJC, Cole JA, Schultz TJ. Substitution of nurses for physicians in the hospital setting for patient, process of care, and economic outcomes. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 2. Art. No.: CD013616. DOI: 10.1002/14651858.CD013616.pub2.

So verwenden wir Cookies

Wir verwenden notwendige Cookies, damit unsere Webseite funktioniert. Wir möchten auch optionale Cookies für Google Analytics setzen, um unsere Webseite zu verbessern. Solche optionalen Cookies setzen wir nur, wenn Sie dies zulassen. Wenn Sie dieses Programm aufrufen, wird ein Cookie auf Ihrem Gerät platziert, um Ihre Präferenzen zu speichern. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern, indem Sie auf den Link "Cookie-Einstellungen" am Ende jeder Seite klicken.
Auf unserer Seite zu Cookies finden Sie weitere Informationen, wie diese Cookies funktionieren die Seite mit den Cookies.

Alle akzeptieren
Anpassen