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Hilft persönliche Psychoedukation Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen?

Kernaussagen

  • Psychoedukation – also persönliche Gespräche mit einer Fachkraft, in denen Eltern verständliche Informationen über die Erkrankung erhalten – verbessert möglicherweise das psychische, emotionale und soziale Wohlbefinden von Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen kurz- und mittelfristig. Außerdem verringert sie möglicherweise kurzfristig Ängste der Eltern.

  • Die Evidenz zur Wirkung der Psychoedukation auf die Lebensqualität der Eltern und ihre Erfahrungen mit der Betreuung ihrer Kinder ist sehr unsicher.

  • Insgesamt ist die verfügbare Evidenz begrenzt. Um besser zu verstehen, wie Psychoedukation die Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen unterstützen kann, sind weitere Forschungen erforderlich.

Wie wirkt sich eine schwere psychische Erkrankung des Kindes auf die Eltern aus?

Von einer schweren psychischen Erkrankung spricht man, wenn Denken, Gefühle oder Verhalten einer Person so stark beeinträchtigt sind, dass sie ihren Alltag nur noch sehr eingeschränkt bewältigen kann. Sie kann die Fähigkeit einer Person, zu arbeiten, für sich selbst zu sorgen, Beziehungen zu pflegen oder an anderen wichtigen Lebensbereichen teilzuhaben, stark einschränken. Schwere psychische Erkrankungen sind beispielsweise Schizophrenie, bipolare Störungen und schwere Depressionen. Solche Erkrankungen dauern oft lange an und beeinträchtigen den Alltag erheblich. Die Betreuung eines Kindes mit einer schweren psychischen Erkrankung ist für Eltern häufig sehr belastend und mit Stress, Sorgen und Traurigkeit verbunden. Eltern können dadurch auch selbst gesundheitliche Probleme entwickeln und sich isoliert oder überfordert fühlen.

Was ist Psychoedukation?

Psychoedukation ist die verständliche Aufklärung von Betroffenen und ihren Angehörigen durch Fachpersonen über eine psychische Erkrankung. Dabei geht es zum Beispiel um typische Symptome, wie Behandlungen wirken, wie sich die Krankheit voraussichtlich entwickelt und wie der Alltag mit der Erkrankung gestaltet werden kann. Psychoedukation kann dazu beitragen, dass Eltern sich sicherer fühlen und die Herausforderungen bei der Betreuung ihres Kindes besser bewältigen – unabhängig vom Alter des Kindes. Zur Psychoedukation gehören in der Regel Gruppentreffen mit anderen Eltern. Die Teilnehmenden erhalten dort Informationen, können Erfahrungen austauschen und gegenseitige Unterstützung erfahren. In dieser Übersicht haben wir nur Studien berücksichtigt, in denen Psychoedukation persönlich angeboten wurde und nicht online durchgeführt wurde.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Eltern durch persönliche Psychoedukation – angeboten von Fachpersonen oder speziell geschulten Personen – besser mit der schweren psychischen Erkrankung ihres Sohnes oder ihrer Tochter zurechtkommen. Andere Formen der Unterstützung durch Betreuungspersonen wurden nicht berücksichtigt.

Wir verglichen Psychoedukation mit "inaktiven" Interventionen (z. B. keine Maßnahme, Warteliste, übliche Versorgung) oder aktiven Behandlungen (z. B. Medikamente). Uns interessierte vor allem, wie sich die Psychoedukation kurzfristig auf das psychosoziale Wohlbefinden der Eltern (also ihre psychische, emotionale und soziale Gesundheit) und auf ihre Lebensqualität auswirkt. Außerdem betrachteten wir, ob es zu unerwünschten Ereignissen oder negativen Wirkungen kam.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, die die Auswirkungen persönlicher Psychoedukation auf Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen untersuchten. Wir haben die Ergebnisse der Studien kombiniert und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz beurteilt.

Was fanden wir heraus?

Wir haben fünf Studien mit insgesamt 304 Teilnehmenden identifiziert. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen über 45 Jahre. Die erkrankten Personen hatten meist Schizophrenie. Die Studien wurden in Asien (Iran, Indonesien, Japan und China) durchgeführt und zwischen 2006 und 2020 veröffentlicht. Die psychoedukativen Interventionen dauerten 3 bis 12 Wochen, mit 4 bis 12 Sitzungen.

In den Studien wurden nur die Durchschnittswerte am Ende der Intervention angegeben; die Ergebnisse wurden nicht als "jegliche Veränderung" oder "klinisch wichtige Veränderung" angegeben. Keine der Studien berichtete von unerwünschten Ereignissen. Daher waren für diesen wichtigen Endpunkt keine Daten verfügbar. In den Studien wurden jedoch einige andere wichtige Endpunkte gemessen.

Hauptergebnisse

Psychoedukation für Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen im Vergleich zu keiner Maßnahme:

  • führt möglicherweise kurzfristig zu einer deutlichen Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens der Eltern (3 Studien, 150 Teilnehmende);

  • führt möglicherweise mittelfristig zu einer deutlichen Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens der Eltern (1 Studie, 37 Teilnehmende);

  • die kurzfristigen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Eltern sind ungewiss (1 Studie, 40 Teilnehmende);

  • verbessert möglicherweise kurzfristig die Ängste der Eltern deutlich (1 Studie, 73 Teilnehmende); und

  • die kurzfristigen Auswirkungen auf die Erfahrungen der Eltern bei der Betreuung ihres Kindes sind ungewiss (1 Studie, 36 Teilnehmende).

Im Vergleich zu anderen nicht-medikamentösen Angeboten ist sehr unklar, ob Psychoedukation das psychosoziale Wohlbefinden der Eltern kurz- oder mittelfristig verbessert (1 Studie, 37 Teilnehmende).

Es gab keine Studien, die Psychoedukation mit Medikamenten verglichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

In diesem Review wurde die persönliche Psychoedukation für Eltern von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen untersucht. Die Evidenz war begrenzt, da nur fünf kleine Studien aus Asien über kurzfristige Wirkungen berichteten. Die meisten Teilnehmenden waren Mütter von Menschen mit Schizophrenie; Väter waren unterrepräsentiert. Langfristige Endpunkte und unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet. Die Interventionen und Vergleiche waren unterschiedlich, und häufig fehlten wichtige Informationen zu den Teilnehmenden. Die Ergebnisse sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Es werden größere, gut konzipierte Studien benötigt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz basiert auf Recherchen, die bis zum 11. November 2024 durchgeführt wurden.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Jimenez Tejero E, Lopez-Alcalde J, Carralero-Montero A, Álvarez-Díaz N, García Sastre M, Asenjo-Esteve ÁL, Castro-Molina FJ, Muriel A, Maravilla Herrera P, Monge Martín D, Cuesta-Lozano D. Face-to-face psychoeducation for the parents of people with severe mental illness. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 2. Art. No.: CD014532. DOI: 10.1002/14651858.CD014532.pub2.

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