Kernaussagen
Im Vergleich zu Levonorgestrel, einer häufig verwendeten Pille zur Notfallverhütung, führt Mifepriston wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften. Mifepriston ist wahrscheinlich auch wirksamer zur Schwangerschaftsverhütung als die Yuzpe-Methode (eine Kombination aus Notfallverhütungspillen).
Die wichtigste unerwünschte Wirkung von Mifepriston ist eine Verzögerung der nächsten Monatsblutung. Sie tritt bei höheren Dosierungen häufiger auf.
Zukünftige Studien sollten untersuchen, ob der Zeitraum zwischen ungeschütztem Geschlechtsverkehr und der Einnahme von Mifepriston (beispielsweise ein Tag im Vergleich zu fünf Tagen oder mehr) die Wirksamkeit beeinflusst. Außerdem sollte untersucht werden, wie Frauen die verschiedenen Methoden der Notfallverhütung bewerten und akzeptieren.
Was bedeutet Notfallverhütung?
Die Notfallverhütung wird eingesetzt, um eine Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, nach dem Versagen einer anderen Verhütungsmethode (z. B. einem gerissenen Kondom) oder nach sexueller Gewalt zu verhindern. Zu den gängigen Methoden der Notfallverhütung gehören Kupfer-Intrauterinpessare (IUP, auch als Kupferspirale bekannt) und Tabletten, die sogenannte „Pille danach“.
IUPs sind kleine, T-förmige Kunststoffkörper, die in die Gebärmutter eingesetzt werden. Sie verhindern eine Schwangerschaft, indem sie die Beweglichkeit der Spermien einschränken und dadurch die Befruchtung der Eizelle erschweren. Sie sind sehr wirksam bei der Verhütung einer Schwangerschaft. Allerdings kann es schwierig sein, rechtzeitig ein IUP einsetzen zu lassen, da dies durch eine medizinische Fachkraft erfolgen muss.
Pillen zur Notfallverhütung wirken, indem sie den Eisprung verhindern oder verzögern. Sie umfassen:
Mifepriston, das das für eine Schwangerschaft notwendige Hormon Progesteron blockiert;
Levonorgestrel, das den Eisprung vorübergehend verhindert oder verzögert;
die Yuzpe-Methode, bei der zwei hohe Dosen einer herkömmlichen Antibabypille im Abstand von etwa 12 Stunden eingenommen werden.
Einige Notfallverhütungspillen sind teuer und nicht überall erhältlich.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten herausfinden, wie wirksam Mifepriston im Vergleich zu anderen Methoden der Notfallverhütung Schwangerschaften verhindert. Außerdem haben wir diese Methoden verglichen, um festzustellen, ob sie sich hinsichtlich folgender Aspekte unterscheiden:
unerwünschte Wirkungen (wie Übelkeit und Erbrechen);
dem Zeitpunkt der nächsten Menstruation der Frauen.
Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien, in denen Mifepriston mit anderen Notfallverhütungspillen oder IUPs verglichen wurde. Untersucht wurden Frauen im gebärfähigen Alter, die Notfallverhütung zur Verhinderung einer Schwangerschaft (nicht zum Abbruch einer bereits bestehenden Frühschwangerschaft) einsetzten.
Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik der Studien und der Anzahl der beteiligten Frauen.
Was fanden wir heraus?
Wir haben 87 Studien mit rund 36.000 Frauen einbezogen. Die meisten wurden zwischen 1992 und 2015 in China durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 16 Frauen, die größte 4.000. Fast die Hälfte (42 Studien) verglich zwei verschiedene Dosierungen von Mifepriston, während 41 Studien Mifepriston mit Levonorgestrel verglichen. Fünf Studien verglichen Mifepriston mit der Yuzpe-Methode oder mit Spiralen.
Hauptergebnisse
Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg) wahrscheinlich:
zu weniger Schwangerschaften: Wenn 35 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei Mifepriston etwa 23 von 1.000 Frauen (27 Studien, 6.052 Frauen);
zu einer Verringerung des Risikos von unerwünschten Wirkungen (17 Studien, 4.350 Frauen);
zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (17 Studien, 3.615 Frauen).
Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine niedrige Dosis Mifepriston (unter 25 mg):
zu weniger Schwangerschaften: Wenn 20 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 15 von 1.000 (14 Studien, 8.752 Frauen);
wahrscheinlich zu einer Verringerung des Risikos unerwünschter Wirkungen (3 Studien, 609 Frauen);
wahrscheinlich zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (10 Studien, 7.618 Frauen).
Im Vergleich zur Yuzpe-Methode führt Mifepriston (jede Dosis):
wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften: Wenn 25 von 1.000 Frauen, denen die Yuzpe-Pillenkombination verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 3 von 1.000 Frauen (3 Studien, 2.144 Frauen);
wahrscheinlich zu deutlich weniger unerwünschten Wirkungen (2 Studien, 1.693 Frauen);
zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (3 Studien, 1.912 Frauen).
Im Vergleich zu Spiralen sind wir uns hinsichtlich der Wirkungen von Mifepriston auf die Anzahl der Schwangerschaften, unerwünschte Wirkungen und verspätete Regelblutungen unsicher (2 Studien).
Im Vergleich zu einer niedrigen Dosis Mifepriston (unter 25 mg) führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg):
zu etwas weniger Schwangerschaften: Wenn bei 16 von 1.000 Frauen, die eine niedrige Mifepriston-Dosis erhalten, eine Schwangerschaft eintritt, wären es bei einer mittleren Mifepriston-Dosis etwa 13 von 1.000 (26 Studien, 12.358 Frauen);
möglicherweise zu kaum oder gar keinem Unterschied beim Risiko für unerwünschte Wirkungen (12 Studien, 2.908 Frauen);
zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (22 Studien, 11.733 Frauen).
Was schränkt die Evidenz ein?
Wir haben in die meisten Ergebnisse moderates oder hohes Vertrauen. Allerdings beschrieben viele Studien ihre Methoden nicht ausreichend klar, sodass unser Vertrauen in einige Ergebnisse eingeschränkt ist. Die meisten Studien wurden in China durchgeführt, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Frauen in anderen Teilen der Welt übertragbar sind. Wir fanden keine Studien, in denen Mifepriston mit Ulipristalacetat, einer sehr wirksamen Pille zur Notfallverhütung, verglichen wurde.
Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.
S. Gerstlauer, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.




