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Wie beeinflussen Marketing und Werbung der Pharmaunternehmen das Verschreibungsverhalten von Ärzten?

Kernaussagen

  • Geschenke und Zahlungen von Pharmaunternehmen an Ärzte führen zu einer Zunahme unangemessener Verschreibungen und der Anzahl der von Ärzten verordneten Arzneimittel; wahrscheinlich erhöhen sie auch die Kosten. Werbung und Fortbildung von Pharmaunternehmen können zu unangemessenen Verschreibungen und höheren Verschreibungskosten führen; diese Aktivitäten erhöhen wahrscheinlich die Anzahl der von Ärzten ausgestellten Verschreibungen.

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten, die die Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten einschränken oder steuern, verbessern wahrscheinlich die Angemessenheit der Verschreibung und können möglicherweise die Anzahl der Verschreibungen verringern.

  • Es sind weitere Studien erforderlich, die untersuchen, wie kostenlose Arzneimittelproben von Pharmaunternehmen das Verschreibungsverhalten beeinflussen und welche Auswirkungen unangemessene Verschreibungen auf die Gesundheit der Menschen haben.

Was versteht man unter Marketing und Werbung von Pharmaunternehmen?

Pharmaunternehmen interagieren auf vielfältige Weise mit Fachkräften im Gesundheitswesen, um für die von ihnen hergestellten Arzneimittel zu werben. Zu diesen Interaktionen gehören Besuche von Pharmareferenten, gesponserte Fortbildungsangebote, Werbesendungen per Post, Anzeigen in medizinischen Fachzeitschriften und das Sponsoring von Veranstaltungen auf Konferenzen. Pharmaunternehmen gewähren Ärzten zudem Geschenke und Zahlungen. Darunter gehören Einladungen zu Speisen und Getränke, die Übernahme von Reisekosten, kostenlose Arzneimittelproben, Personal für Praxen sowie Honorare für die Mitgliedschaft in einem Unternehmensbeirat.

Welche Bedenken bestehen hinsichtlich dieser Interaktionen?

Diese Interaktionen können Fachkräften im Gesundheitswesen helfen, sich über neue Behandlungsmethoden zu informieren. Allerdings wollen Pharmaunternehmen auch den Absatz ihrer Produkte steigern. Diese Motivation steht möglicherweise nicht immer im Einklang mit dem Ziel, für jeden Patienten das am besten geeignete oder kostengünstigste Arzneimittel zu verschreiben. Es bestehen Bedenken, dass diese Interaktionen die Verschreibungsentscheidungen von Ärzten beeinflussen. Pharmaunternehmen gaben 2016 in den USA fast 30 Milliarden US-Dollar für Marketing und Werbung aus.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Interaktionen zwischen Ärzten (und anderen Fachkräften im Gesundheitswesen, die Patienten Arzneimittel verschreiben) und Pharmaunternehmen die Verschreibungspraxis beeinflussen. Um diese Frage zu beantworten, haben wir vier Indikatoren untersucht:

  • Angemessenheit: Haben die Interaktionen beeinflusst, ob Ärzte Arzneimittel angemessen verschrieben haben?

  • Anzahl: Hat sich die Anzahl der Verschreibungen verändert?

  • Kosten: Haben sich die Kosten für Verschreibungen verändert?

  • Haben sich die Anträge von Ärzten auf Aufnahme von Arzneimitteln in die Arzneimittelliste des Krankenhauses verändert?

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, wie sich Interaktionen von Pharmaunternehmen mit verschreibenden Ärzten im Vergleich zu keinen oder weniger Interaktionen auf die Angemessenheit, die Anzahl und die Kosten der verschriebenen Arzneimittel sowie auf die Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste auswirkten.

Wir analysierten die Ergebnisse der Studien, indem wir die Interaktionen in vier Gruppen einteilten:

  • Werbung und Fortbildung;

  • Geschenke und Zahlungen;

  • kostenlose Arzneimittelproben;

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten: Vorgaben, die Interaktionen zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen einschränken oder steuern.

Wir bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden, den Umfang der Evidenz und der Stärke der von uns beobachteten Effekte.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 93 Studien, die sich mit unserer Fragestellung befassten: 82 wurden in den USA durchgeführt, die restlichen 11 im Vereinigten Königreich und in Europa. Wir fanden Evidenz zu allen vier Arten von Interaktionen:

  • Werbung und Fortbildung (hauptsächlich Besuche von Außendienstmitarbeitenden bei ärztlichem Personal): 16 Studien;

  • Geschenke und Zahlungen: 62 Studien;

  • Gratisproben: 7 Studien;

  • Richtlinien zu Interessenkonflikten: 8 Studien.

Hauptergebnisse

Werbung und Fortbildung von Pharmaunternehmen, die sich an Ärzte richten, im Vergleich zu keiner oder geringerer Exposition:

  • können möglicherweise zu einer Zunahme unangemessener Verschreibungen führen (6 Studien, 1.335 Ärzte);

  • erhöhen wahrscheinlich die Anzahl der Verschreibungen (7 Studien, 151.399 Ärzte);

  • können möglicherweise die Kosten für Verschreibungen erhöhen (2 Studien, 986 Ärzte);

  • können Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste erhöhen, doch die Evidenz war sehr ungewiss (1 Studie, 105 Ärzte).

Geschenke und Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte:

  • erhöhen die Zahl unangemessener Verschreibungen (10 Studien, 2,9 Millionen Ärzte);

  • erhöhen die Anzahl der Verschreibungen (39 Studien, 3,8 Millionen Ärzte);

  • erhöhen wahrscheinlich die Verschreibungskosten (25 Studien, 2,5 Millionen Ärzte);

  • können Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste erhöhen, doch die Evidenz war sehr ungewiss (1 Studie, 105 Ärzte).

Wir sind uns sehr unsicher, ob kostenlose Arzneimittelproben von Pharmaunternehmen an Ärzte die Angemessenheit, die Anzahl und die Kosten der Verschreibungen oder die Anträge auf Aufnahme in die Arzneimittelliste beeinflussen.

Richtlinien zu Interessenkonflikten, die die Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten einschränken oder steuern:

  • verbessern wahrscheinlich die Angemessenheit der Verschreibung (2 Studien, 3.065 Ärzte);

  • können möglicherweise die Verschreibungsmenge verringern (6 Studien, 110.470 Ärzte);

  • haben ungewisse Wirkungen auf die Kosten (2 Studien, 33.975 Ärzte).

Keine der Studien, die diese Richtlinien untersuchten, erfasste Veränderungen bei den Anträgen auf Aufnahme in die Arzneimittelliste.

Was schränkt die Evidenz ein?

Alle Studien wurden in den USA, im Vereinigten Königreich und in Europa durchgeführt. Daher wissen wir nicht, wie sich Marketing und Werbung der Pharmaunternehmen auf das Verschreibungsverhalten von Ärzten in anderen Regionen auswirken.

Aufgrund der Methodik der Studien lässt sich nicht feststellen, ob das Marketing und die Werbemaßnahmen der Pharmaunternehmen ursächlich zu Veränderungen im Verschreibungsverhalten der Ärzte geführt haben. Wir haben jedoch großes Vertrauen darin, dass unangemessene Verschreibungen bei Ärzten, die Geschenke und Zahlungen erhielten, häufiger auftraten und dass diese Ärzte mehr Verschreibungen ausstellten als Ärzte, die keine Geschenke und Zahlungen erhielten. Die Studien zeigten zudem ein einheitliches Muster: Je häufiger Ärzte mit Pharmaunternehmen in Kontakt standen, desto weniger angemessen war ihr Verschreibungsverhalten und desto mehr Arzneimittel verordneten sie.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2025.

Anmerkungen zur Übersetzung

A. Zink, S. Gerstlauer, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Mintzes B, Lexchin J, Grundy Q, Fabbri A, Spurling GKP, Qureshi R, Bero L. Pharmaceutical industry information and promotional strategies aimed at prescribers. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 10. Art. No.: CD013423. DOI: 10.1002/14651858.CD013423.pub3.

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