Cochrane wurde 1993 in Oxford (Vereinigtes Königreich) gegründet, „um die Erstellung systematischer Reviews über randomisierte kontrollierte Studien in der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.“
Das Cochrane Centre (wie wir damals hießen) gab einem internationalen Gemeinschaftsprojekt eine Form, das schon zuvor in den 1980er-Jahren bahnbrechende Arbeit geleistet hatte, um systematische Reviews über kontrollierte Studien zur Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und im erstem Lebensmonat zu erstellen.
Namensgeber war der schottische Mediziner und Forscher Archie Cochrane, dessen Erfahrungen als Arzt mit knappen Mitteln während des Zweiten Weltkriegs seine Ansichten zur Gesundheitsversorgung wesentlich beeinflussten. Er leistete Pionierarbeit bei der gerechten Verwendung von Ressourcen für Behandlungen, deren Wirksamkeit zuverlässig nachgewiesen wurde. Über Archie Cochrane weiterlesen.
Unsere zehn Gründungsprinzipien waren seinerzeit sehr fortschrittlich und sind auch heute noch Eckpfeiler unserer Arbeit: zusammenarbeiten, auf dem Enthusiasmus des Einzelnen aufbauen, Redundanzen vermeiden, Verzerrung (Bias) minimieren, auf dem Laufenden bleiben, nach Relevanz streben, Zugang fördern, Qualität und Kontinuität sicherstellen und eine breite Beteiligung ermöglichen.
Seitdem haben wir unsere systematischen Reviews und Unterstützung für Gesundheitsevidenz erheblich erweitert. Heute gibt es in den meisten Ländern Cochrane-Gruppen, und wir stellen Menschen und Institutionen in aller Welt zuverlässige Gesundheitsinformationen zu Hunderten von Themen zur Verfügung. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die Bereiche, in denen der Bedarf an zuverlässiger Evidenz am größten ist, um möglichst vielen Menschen einen Nutzen zu bringen. Im folgenden Video (auf Englisch) erfahren Sie mehr über die Entwicklung von Cochrane.
Seit der Gründung im Jahr 1993 hat sich Cochrane aufgrund der Fähigkeit, Fachleuten und Gesundheitssystemen auf der ganzen Welt streng geprüfte Informationen zur Verfügung zu stellen, zu einem globalen Goldstandard für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung entwickelt. Deshalb hat dieses Projekt unsere volle Unterstützung verdient.
Alberto Merchante-González, Leiter des Sektors Öffentliche Gesundheit, Spanisches Gesundheitsministerium
Video (auf Englisch): Cochrane - 30 Jahre Evidenz (5 Min. 33 Sek.)
Video-Transkript
Erzähler*in: 1993 kam eine internationale Gruppe aus Forschenden, Leistungserbringern und Verbrauchern in Oxford (Großbritannien) zusammen, um einen kooperativen Ansatz zur Verbesserung der Gesundheitsforschung und -Praxis zu entwickeln.
Iain Chalmers, ehemaliger Direktor des britischen Cochrane-Zentrums: Wir haben den Leuten unmissverständlich klargemacht, dass hierfür eine internationale Zusammenarbeit erforderlich ist. Wir hatten anhand des Modells der perinatalen Arbeit gezeigt, dass dies möglich ist. Wir mussten uns mit all unseren Verbündeten auf der ganzen Welt in Verbindung setzen und fragen: „Seid ihr bereit dafür?“
Erzähler*in: Sie orientierten sich an den von Archie Cochrane aufgestellten Grundsätzen, die den Einsatz zuverlässiger, systematisch ausgewerteter Evidenz in den Vordergrund stellten.
Iain Chalmers: Er stellte die Frage: „Wie können wir ein vernünftiges Gesundheitswesen betreiben, wenn wir nicht wissen, welche der darin durchgeführten Maßnahmen sinnvoll sind und welche nutzlos oder möglicherweise sogar schädlich sind?“
Erzähler*in: In den folgenden Jahrzehnten entwickelte dieses internationale Netzwerk von Forschenden Methoden der Metaanalyse weiter, um randomisierte kontrollierte Studien systematisch zu erfassen und auszuwerten, mit dem Ziel, die beste Evidenz für gesundheitliche Endpunkte zusammenzufassen.
Gill Gyte, Verbraucherredakteurin, Gruppe für Schwangerschaft und Geburt: Es ging eigentlich darum, Maßnahmen nur dann anzuwenden, wenn sie wirksam waren, und es zeigte sich, dass viele der zuvor üblichen Routinemaßnahmen einfach nicht funktionierten oder sogar negative Wirkungen hatten. Und so wurden sie schließlich eingestellt. Routinemäßige Rasur, routinemäßiger Einlauf, routinemäßiger Dammschnitt – all das gibt es heute nicht mehr.
Erzähler*in: Das Cochrane-Logo steht für eine systematische Übersichtsarbeit, die einen Behandlungsnutzen nachgewiesen hat – in diesem Fall die lebensrettende Wirkung von Kortikosteroiden bei Frühgeborenen, darunter auch George Selby.
George Selby: Ich denke an Hoffnung.
Rebecca Selby (Georges Mutter): Ach, Gott segne dich.
Paul Selby (Georges Vater): Warum hoffen?
George Selby: Weil es mir Hoffnung für die zukünftigen Ergebnisse gibt.
Erzähler*in: Cochrane ist heute ein unabhängiges internationales Netzwerk mit Mitgliedern und Unterstützern aus mehr als 190 Ländern.
Jimmy Volmink, Gründungsdirektor des South African Cochrane Centre: Wir haben uns ganz klar zum Ziel gesetzt, den Bedingungen Vorrang einzuräumen, die für Afrika wichtig sind. Gemeinsam ist es uns gelungen, die Anzahl der für Afrika relevanten Reviews deutlich zu erhöhen.
Erzähler*in: Die Cochrane Review Gruppen haben über 16.000 neue und aktualisierte Cochrane Reviews zu einem breiten Spektrum von Fachgebieten erstellt. Dies hat zu Änderungen in der Gesundheitspolitik geführt, die weltweit Leben gerettet und Lebensqualität verbessert haben.
Cindy Farquhar, Co-Direktorin, Cochrane Neuseeland: Wenn ich an internationalen Tagungen zum Thema Geburtshilfe und Gynäkologie teilnehme, werden dort zweifellos Cochrane Reviews zitiert – wahrscheinlich in jedem Vortrag, in dem es um Evidenz, bewährte Verfahren oder Leitlinien geht.
Erzähler*in: Heute stützt sich ein Großteil der Leitlinien der WHO auf Evidenz aus Cochrane-Reviews.
Dr. Marie Paul Kieny, ehemalige stellvertretende Generaldirektorin für Gesundheitssysteme und Innovation bei der WHO: Die Zusammenarbeit mit Cochrane ist für die WHO sehr wichtig, und deshalb schätzen wir diese Partnerschaft. Cochrane ist insbesondere auf globaler Ebene eine der führenden Einrichtungen, die Evidenz zusammenfasst, analysiert und verbreitet, damit diese Evidenz von der WHO bei der Erstellung von Leitlinien genutzt werden kann.
Luis Gabriel Cuervo, Leitender Berater für Forschungsförderung und Entwicklung, Panamerikanische Gesundheitsorganisation/Weltgesundheitsorganisation: Cochrane hat die Nutzung von Forschungsergebnissen grundlegend verändert, indem es eine Brücke zwischen politischen Entscheidungsträgern und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen geschlagen hat. Ob als Patient*innen, politische Entscheidungsträger*innen oder Gesundheitsdienstleistende – es hat den Bereich verändert, weil es diese Brücke, diese Verbindung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Entscheidungen geschaffen hat.
Erzähler*in: Auf Wikipedia ist die am häufigsten zitierte medizinische Fachzeitschrift die „Cochrane Database of Systematic Reviews“.
Alessandro Liberati (1954-2012), ehemaliger Direktor, Cochrane Centre Italien: Eine der wichtigsten Errungenschaften war es, die Menschen davon zu überzeugen, dass es unerlässlich ist, tatsächlich Evidenz zu sammeln. Das war im Wesentlichen die Botschaft von Archie Cochrane.
Erzähler*in: Seit 30 Jahren fördert Cochrane eine Kultur der Evidenz, der Zusammenarbeit und des Lernens, die die Arbeit von Forschenden, Gesundheitsdienstleistern und Verbrauchern weltweit geprägt hat.