Kommunikation mit jungen Menschen und Erwachsenen über ihre mobilen Endgeräte zur Stärkung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit

Ziel dieses Reviews

Wir untersuchten die Wirkung des Versendens gezielter Nachrichten über mobile Endgeräte an junge Menschen und Erwachsene zu ihrer sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Sexuell übertragbare Infektionen und ungewollte Schwangerschaften sind weltweit bedeutsame Ursachen für Krankheit und einen vorzeitigen Tod.

Hauptaussagen

Die Evidenz bezüglich der Wirkung gezielter Nachrichten über mobile Endgeräte an junge Menschen und Erwachsene zu ihrer sexuellen und reproduktiven Gesundheit weist Lücken auf. Diese Art von Nachrichten bringt möglicherweise in einigen Bereichen einen Nutzen. Die verfügbare Evidenz ist jedoch vielfach von niedriger oder sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit.

Was wurde in dem Review untersucht?

Die gezielte klientenorientierte Kommunikation („targeted client communication“, TCC) ist eine Maßnahme, bei der innerhalb des Gesundheitssystems, auf Grundlage des Gesundheitszustandes einer Personengruppe oder anderer für diese spezifischer Faktoren, Informationen an bestimmte Personen versandt werden. Häufige Formen der gezielten klientenorientierten Kommunikation sind Textnachrichten, die Menschen daran erinnern, Termine wahrzunehmen oder die Informationen zur Gesundheitsversorgung und Unterstützung anbieten. Unser Review begutachtete, ob die gezielte klientenorientierte Kommunikation das Verhalten, die Nutzung von Gesundheitsdiensten sowie die Gesundheit und das Wohlbefinden der angesprochenen Personen verändern kann. Wir konzentrierten uns auf die Kommunikation über die sexuelle und reproduktive Gesundheit mit jungen Menschen (im Alter von 10 bis 24 Jahren) und Erwachsenen.

Was geschieht, wenn junge Menschen gezielte Nachrichten über ein mobiles Endgerät erhalten?

Verglichen mit Menschen, die keine Nachrichten erhalten

verfügen junge Menschen möglicherweise über ein besseres Wissen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit und nutzen möglicherweise häufiger Verhütungsmittel. Wir wissen nicht, ob die Nachrichten die Nutzung von Kondomen oder von Angeboten zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit bei jungen Menschen beeinflussen, oder die Anzahl jener, die positiv auf eine sexuell übertragbare Erkrankung getestet werden, eine Abtreibung benötigen oder eine verordnete HIV-Medikation einhalten, da die Evidenz fehlt oder von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit ist.

Verglichen mit Menschen, die Nachrichten auf andere Art erhalten

wissen wir nicht, was die Wirkung der Nachrichten ist, da die Evidenz fehlt.

Verglichen mit Menschen, die ungezielte Nachrichten erhalten

wissen wir nicht, ob die Nachrichten das Wissen über die sexuelle und reproduktive Gesundheit verbessern oder die Nutzung von Kondomen oder Verhütungsmitteln erhöhen, da die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz sehr niedrig ist. Möglicherweise verringern die Nachrichten die Anzahl der Personen, die an sexuell übertragbaren Krankheiten erkranken (jedoch ist es möglich, dass sie die Zahl erhöhen oder lediglich einen geringfügigen oder keinen Unterschied bewirken). Möglicherweise erhöhen die Nachrichten die Anzahl an jungen Menschen, die Angebote zur Untersuchung auf sexuell übertragbare Krankheiten/HIV in Anspruch nehmen. Wir wissen nicht, ob die Nachrichten die Anzahl junger Menschen mit Abtreibungen beeinflussen oder ihnen helfen, ihre HIV-Medikation einzunehmen, da die Evidenz fehlt.

Wir sind unsicher, ob die Nachrichten zu mehr unbeabsichtigten Folgen bei jungen Menschen führen als keine Nachrichten oder andere Kommunikationsformen.

Was passiert, wenn Erwachsene gezielte Nachrichten über ein mobiles Endgerät erhalten?

Verglichen mit Menschen, die keine Nachrichten erhalten

erhöhen die Nachrichten möglicherweise geringfügig die Nutzung von Verhütungsmitteln. Möglicherweise verringern sie zudem die Anzahl Erwachsener, die wiederholt Abtreibungen benötigen. Es ist jedoch ebenso möglich, dass sie die Anzahl von Abtreibungen erhöhen oder lediglich einen geringfügigen oder keinen Unterschied bewirken. Wir wissen nicht, ob die Nachrichten die Nutzung von Kondomen durch Erwachsene oder die Anzahl sexuell übertragbarer Krankheiten beeinflussen, da die Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit ist oder fehlt. Möglicherweise erhöhen die Nachrichten bei Erwachsenen geringfügig das Einhalten einer HIV-Medikation, bewirken jedoch möglicherweise lediglich einen geringfügigen oder keinen Unterschied im CD4-Wert und eine geringfügige Verbesserung der Viruslast. Möglicherweise erhöhen die Nachrichten bei Erwachsenen geringfügig die Nutzung von Angeboten zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit, jedoch waren die Ergebnisse je nach Art des Angebotes gemischt.

Verglichen mit Menschen, die Nachrichten auf andere Art erhalten

Erwachsene, die Nachrichten erhalten, nehmen Angebote zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit möglicherweise insgesamt mehr in Anspruch, jedoch ist die Evidenz gemischt. Wir wissen nicht, was die Wirkung von Nachrichten auf andere Verhaltensweisen und die Gesundheit ist, da uns Evidenz fehlt.

Verglichen mit Menschen, die ungezielte Nachrichten erhalten

Erwachsene, die Nachrichten erhalten, nehmen Angebote zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit möglicherweise insgesamt mehr in Anspruch, jedoch ist die Evidenz gemischt. Wir wissen nicht, welche Wirkung Nachrichten auf andere Verhaltensweisen und Gesundheit haben, da uns Evidenz fehlt.

Wir sind unsicher, ob die Nachrichten zu mehr unbeabsichtigten Folgen bei Erwachsenen führen als keine Nachrichten oder andere Kommunikationsformen.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir suchten nach Studien, die bis August 2017 veröffentlicht wurden. Wir führten im Juli 2019 eine Aktualisierung der Suche durch. Relevante Studien sind im Abschnitt „Characteristics of studies awaiting classification“ (Merkmale von Studien, deren Klassifizierung noch aussteht) aufgeführt.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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