Verbessert es die psychische Gesundheit, mit dem Rauchen aufzuhören?

Rauchen und psychische Gesundheit

Einige Gesundheitsdienstleister und Menschen, die rauchen, glauben, dass Rauchen hilft, Stress und andere psychische Symptome wie Depressionen und Angst zu reduzieren. Sie befürchten, dass ein Rauchstopp psychische Symptome möglicherweise verstärkt. Studien haben jedoch gezeigt, dass Rauchen einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Menschen haben kann, und dass ein Rauchstopp Angst und Depressionen reduzieren könnte.

Warum wir diesen Cochrane Review durchgeführt haben

Wir wollten herausfinden, wie sich ein Rauchstopp auf die psychische Gesundheit auswirkt. Wenn ein Rauchstopp psychische Symptome verringert anstatt sie zu verstärken, könnte dies mehr Menschen dazu ermutigen zu versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, und mehr Fachpersonen im Gesundheitswesen ihren Patienten beim Aufhören zu helfen. Es könnte auch Menschen davon abhalten, überhaupt erst mit dem Rauchen von Tabak anzufangen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, die mindestens sechs Wochen dauerten und Personen einschlossen, die zu Beginn der Studien rauchten. Um eingeschlossen zu werden, mussten die Studien auch messen, ob die Teilnehmer mit dem Rauchen aufhörten oder nicht, sowie jegliche Veränderungen der psychischen Gesundheit während der Studie.

Wir waren daran interessiert, wie sich der Rauchstopp auswirkt auf:

- Angstsymptome;

- Depressionssymptome;

- Angstsymptome und Depressionssymptome zusammen;

- Stresssymptome;

- das allgemeine Wohlbefinden;

- Probleme mit der psychischen Gesundheit;

- das soziale Wohlbefinden, persönliche Beziehungen, Isolation und Einsamkeit.

Suchdatum: Wir schlossen die Evidenz ein, die bis zum 7. Januar 2020 veröffentlicht wurde.

Was wir gefunden haben

Wir fanden 102 Studien mit mehr als 169.500 Personen: Einige Studien gaben nicht eindeutig an, wie viele Personen teilgenommen haben. Die Studien verwendeten eine Reihe von unterschiedlichen Bewertungsskalen, um die psychischen Symptome der Teilnehmenden zu messen.

Die meisten Studien schlossen Menschen aus der Allgemeinbevölkerung ein (53 Studien); 23 Studien schlossen Menschen mit psychischen Erkrankungen ein; andere Studien schlossen Menschen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen ein, oder mit lang andauernden körperlichen Beschwerdebildern, die kürzlich operiert worden waren oder die schwanger waren.

Von 63 Studien, die Veränderungen der psychischen Symptome maßen und von 10 Studien, die maßen, wie viele Personen während der Studie eine psychische Störung entwickelten, fassten wir die Ergebnisse statistisch zusammen und verglichen sie.

Was sind die Ergebnisse unseres Reviews?

Verglichen mit Personen, die weiterhin rauchten, zeigten Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, eine stärkere Verringerung von:

- Angstzuständen (Evidenz von 3.141 Personen in 15 Studien);

- Depressionen (7.156 Personen in 34 Studien); und

- Angstzuständen und Depressionen zusammen (2.829 Personen in 8 Studien).

Unser Vertrauen in unsere Ergebnisse war sehr niedrig (für Depressionen), niedrig (für Angstzustände) und moderat (für Angstzustände und Depressionen zusammen). Unser Vertrauen war eingeschränkt, weil wir Einschränkungen in der Art und Weise fanden, wie die Studien konzipiert und durchgeführt wurden.

Im Vergleich zu Personen, die weiterhin rauchten, zeigten Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, größere Verbesserungen in:

- Stresssymptomen (Evidenz aus 4 Studien mit 1.792 Personen);

- positiven Gefühlen (13 Studien mit 4.880 Personen); und

- dem psychischen Wohlbefinden (19 Studien mit 18.034 Personen).

Es gab auch Evidenz dafür, dass sich bei Menschen, die mit dem Rauchen aufhörten, keine Verringerung ihres sozialen Wohlbefindens zeigte, und dass ihr soziales Wohlbefinden möglicherweise leicht gestiegen sein könnte (9 Studien mit 14.673 Personen).

Bei Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, traten weniger neue Fälle von Angstzuständen und Depressionen zusammen auf als bei Personen, die weiterhin rauchten (Evidenz aus 3 Studien mit 8.685 Personen). Neue Fälle von Angstzuständen waren ebenfalls seltener (2 Studien mit 2.293 Personen). Die Anzahl der Neuerkrankungen an Depressionen konnten wir nicht beurteilen, da die Ergebnisse der verschiedenen Studien zu unterschiedlich waren.

Hauptaussagen

Bei Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, ist es unwahrscheinlich, dass sich ihre Gemütsverfassung langfristig verschlechtert, unabhängig davon, ob sie an einer psychischen Störung leiden oder nicht. Möglicherweise erfahren sie auch Verbesserungen ihrer psychischen Gesundheit, wie z. B. eine Verringerung von Angstzuständen und Depressionssymptomen.

Übersetzung: 

F. Aschoff, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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