Interventionen in der Palliativversorgung für Menschen mit Multipler Sklerose

Ziel

Die Bewertung der Wirkung (Nutzen und Schaden) von Interventionen in der Palliativversorgung im Vergleich zur Standardversorgung für Menschen mit jeglicher Form von Multipler Sklerose: schubförmig remittierende MS (engl.: relapsing-remitting MS, RRMS), sekundär-progrediente MS (SPMS) und primär-progrediente MS (PPMS). Die Autoren wollten außerdem die Wirkung verschiedener Interventionen in der Palliativversorgung miteinander vergleichen.

Hintergrund

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, beeinträchtigende und fortschreitende Erkrankung, die weltweit rund 2,3 Millionen Menschen betrifft. Die vielen Symptome von MS verursachen emotionale, psychosoziale und körperliche Belastungen bei den Betroffenen. Palliativversorgung ist definiert als aktive und umfassende Versorgung von Schmerzen und psychischen, spirituellen und sozialen Problemen von Menschen mit einer Erkrankung, die nicht mehr auf kurative Behandlungen anspricht. Palliativversorgung schließt die Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen ein, die Förderung des Konzeptes von Leben und Tod als etwas Natürlichem, die Förderung von Respekt vor dem natürlichen Sterbeprozess, die Einbindung psychosozialer und spiritueller Aspekte in die Patientenversorgung und den Erhalt eines aktiven Lebens so lange wie möglich.

Studienmerkmale

Drei Studien mit insgesamt 146 Teilnehmern wurden in diesen Review eingeschlossen. Alle drei Studien verglichen Palliativversorgung im Hausbesuch mit einer Standardversorgung von Menschen mit MS. Zwei Studien schlossen ausschließlich Teilnehmer mit MS ein. Die dritte Studie (Ne-PAL) schloss Teilnehmer mit MS und anderen neurodegenerativen Erkrankungen ein. In allen drei Studien wurden die Interventionen auf die Beurteilung und das Management der Symptome und die Vorbereitung des Lebensendes ausgerichtet. Die Autoren fanden keine Studien, die verschiedene Formen der Palliativversorgung miteinander verglichen.

Hauptergebnisse

Die Autoren sind sich unsicher in Bezug auf die langfristigen Unterschiede (> sechs Monate nach der Intervention) zwischen Palliativversorgung und Standardversorgung bei folgenden Endpunkten: Veränderungen in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, unerwünschte Ereignisse und Krankenhausaufnahmen. Erschöpfung (Fatigue), kognitive Funktionen, schubfreies Überleben oder anhaltendes progressionsfreies Überleben wurden in den eingeschlossenen Studien nicht erhoben.

Qualität der Evidenz

Die Autoren sind sich unsicher, ob Interventionen in der Palliativversorgung Menschen mit MS nützen. Es gibt Evidenz von niedriger oder sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit zum Unterschied von Interventionen in der Palliativversorgung im Gegensatz zur Standardversorgung bezüglich der langfristigen gesundheitsbezogenen Lebensqualität, unerwünschten Ereignissen und Krankenhausaufnahmen.

Aktualität der Evidenz
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 31. Oktober 2018.

Übersetzung: 

B. Hucke, C. Meiling, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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