Orale nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) bei Tumorschmerzen bei Erwachsenen

Fazit

Es gibt keine hoch-qualitative Evidenz dafür, dass NSAIDs nutzbringend für die Behandlung von Patienten mit Tumorschmerzen sind. Ebenso gibt es keine Evidenz, die deren Nutzen widerlegt. Evidenz von sehr niedriger Qualität zeigt, dass Patienten mit moderaten oder starken Tumorschmerzen eine deutliche Verringerung der Schmerzen innerhalb von ein bis zwei Wochen erlebten.

Hintergrund

Einer von zwei bis drei Krebspatienten leidet an Schmerzen von moderater bis starker Intensität. Die Schmerzen nehmen meist mit dem Verlauf der Krebserkrankung zu. 1986 empfahl die Weltgesundheitsorganisation die Einnahme von Morphin-ähnlichen Medikamenten (Opioiden) bei moderaten bis starken Tumorschmerzen und nicht-Opioide Medikamente wie NSAIDs allein für leichte bis moderate Schmerzen oder in Kombination mit Opioiden für Patienten mit moderaten bis starken Schmerzen. Es gibt viele verschiedene Arten von NSAIDs. Gebräuchliche NSAIDs sind Ibuprofen und Diclofenac.

Studienmerkmale

In diesem Review haben wir die Evidenz dafür untersucht, wie wirksam NSAIDs (allein oder zusammen mit Morphin-ähnlichen Medikamenten) in Erwachsenen mit Tumorschmerzen waren. Wir wollten ebenfalls herausfinden, bei wie vielen Patienten Nebenwirkungen auftraten und wir stark diese waren.

Im April 2017 haben wir 11 Studien mit 949 Teilnehmern vorgefunden. Sie verglichen NSAID mit NSAID oder NSAID mit Opioid (Morphin oder Codein). Es gab keine Studien, die die Verwendung von NSAID zusammen mit einem Opioid wie Morphin, eine häufige Anwendung, untersuchte. Die Studien waren klein und von geringer Qualität. Sie verwendeten unterschiedliche Studiendesigns und verschiedene Darstellungsweisen für die Schmerzbefunde. Es wurden meist keine Endpunkte von Relevanz für Menschen mit Tumorschmerzen berichtet. Es wurden viele verschiedene NSAIDs getestet und es war nicht möglich, sinnvolle Vergleiche anzustellen.

Hauptergebnisse

Mit einem NSAID wurden anfänglich moderate bis starke Tumorschmerzen innerhalb von ein bis zwei Wochen bei 1 von 4 (26%) bis 1 von 2 (51%) Patienten auf nicht schlimmer als leichte Schmerzen reduziert.

Die Berichterstattung von Nebenwirkungen war dürftig. Zwei schwere Nebenwirkungen wurden für NSAIDs berichtet, außerdem 22 Todesfälle, die jedoch nicht in Zusammenhang mit der Schmerztherapie standen. Häufige Nebenwirkungen waren Durst/trockener Mund (1 von 7; 15%), Appetitverlust (1 von 7; 14%), Müdigkeit (1 von 10; 11%) und Sodbrennen ( 1von 10; 11%). Einer von vier Patienten beendete die Einnahme von NSAIDs, weil das Medikament nicht wirkte, 1 von 20 Patienten aufgrund der Nebenwirkungen.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz war sehr niedrig. Evidenz von sehr niedriger Qualität bedeutet, dass wir sehr unsicher bezüglich des Nutzens von NSAID allein zur Behandlung von Tumorschmerzen sind. Wir wissen nicht, ob NSAIDs in Kombination mit einem Opioid wie Codein oder Morphin nutzbringend sind.

Übersetzung: 

F. Bengsch, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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