Neuartige orale Gerinnungshemmer für die Behandlung der tiefen Venenthrombose

Hintergrund

Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist eine Krankheit, bei der sich in der tiefen Vene des Beins oder Beckens ein Blutgerinnsel bildet. Sie betrifft in etwa 1 von 1000 Personen. Unbehandelt kann das Gerinnsel in den Blutbahnen wandern und die Lungenarterien verstopfen. Diese lebensbedrohliche Krankheit nennt man Lungenembolie; sie tritt bei 3 bis 4 von 10.000 Personen auf. Das Risiko für eine TVT kann sich erhöhen, wenn die Person bestimmten Risikofaktoren ausgesetzt ist. Dazu gehören frühere Blutgerinnsel, längere Zeiträume ohne körperliche Bewegung (z. B. bei Reisen im Flugzeug oder Bettruhe), Krebs, Östrogenexposition (Schwangerschaft, orale Verhütungsmittel oder Hormonersatztherapie), Trauma und Blutkrankheiten wie Thrombophilie (abnorme Blutgerinnung). Die Diagnose einer TVT wird durch Bestimmung der Risikofaktoren und einer Ultraschalluntersuchung der Beinvenen gestellt. Bestätigt sich die TVT, wird der Patient mit einem Gerinnungshemmer behandelt. Dieses Medikament verhindert die Bildung weiterer Blutgerinnsel. Bis vor Kurzem waren Heparin, Fondaparinux und Vitamin-K-Antagonisten die Mittel der Wahl. Diese Medikamente können jedoch Nebenwirkungen zeigen und unterliegen Beschränkungen. Es wurden zwei weitere Klassen neuartiger oraler Gerinnungshemmer entwickelt, bei welchen es sich um sogenannte direkte Thrombinhemmer (direkte Thrombin-Inhibitoren, DTI) und Faktor-Xa-Hemmer handelt. Es gibt bestimmte Gründe, warum orale DTI und Faktor-Xa-Hemmer jetzt die vermeintlich bessere Wahl sind. Sie können oral eingenommen werden, ihre Wirkung ist vorhersehbar, es ist keine häufige Überwachung oder Neudosierung erforderlich und sie haben wenige bekannte Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. In diesem Review wird die Wirksamkeit und Sicherheit dieser neuen Arzneimittel mit der herkömmlichen Behandlung verglichen.

Hauptergebnisse

Die Recherche relevanter Studien bis Januar 2015 ergab 11 Studien mit 27.945 Teilnehmern. In den Studien wurden DTI bzw. Faktor-Xa-Hemmer mit der herkömmlichen Behandlung verglichen. Wir prüften, ob sie Blutgerinnsel und Lungenembolie vorbeugen. Die wichtigsten Sicherheitsendpunkte umfassten Tod und Nebenwirkungen wie Blutungen. Der Review ergab, dass sowohl orale DTI als auch orale Faktor-Xa-Hemmer eine vergleichbare Wirkung hinsichtlich des Entstehens von Blutgerinnseln und von Lungenembolien wie die übliche gerinnungshemmende Behandlung haben. Jedoch erlitten weniger Personen, die eines der Medikamente erhielten, Blutungen. In keiner der eingeschlossenen Studien wurde das postthrombotische Syndrom (eine Komplikation der TVT) oder die gesundheitsbezogene Lebensqualität gemessen.

Qualität der Evidenz

Die Evidenz war im Allgemeinen von hoher Qualität, da auch die Studien von guter Qualität waren. Sie beantworteten die von uns adressierten Fragestellungen direkt, die Ergebnisse der Studien waren konsistent und die Effektschätzungen genau. Wir glauben nicht, dass weitere Forschung die von uns präsentierten Ergebnisse verändern wird.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Schweiz

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